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Selbst leidenschaftliche Camper: Dominic und Nadine Cloudt hatten die Idee für den Wohnmobilstellplatz und betreiben ihn seit drei Jahren.

Klosterparkplatz Andechs

Auf der Durchreise

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Seit drei Jahren gibt es den Wohnmobilstellplatz von Nadine und Dominic Cloudt am Kloster Andechs. Ein beliebter Treffpunkt mittlerweile und gut ausgelastet.

Andechs – Wenn das Bräustüberl von Kloster Andechs um 20 Uhr seine Pforten schließt, wird es still auf dem großen Parkplatz am Fuße des Heiligen Berges. Allein bei den Wohnmobilen rührt sich noch Leben. Um 22 Uhr ist aber auch hier Schluss. Das ist keine Regel, es ist einfach so.

Dominic und Nadine Cloudt kennen das. Das junge Paar, 27 und 26 Jahre alt, ist selbst von der Campingleidenschaft gepackt. So haben sie das Kloster kennen gelernt. Mit dem eigenen Wohnmobil. Damals noch ohne Stromanschluss oder Ver- und Entsorgungsmöglichkeit. Das hat das junge Paar zunächst nicht gestört, ein Dorn im Auge war ihnen allerdings der Dreck, den andere Wohnmobilisten so zurücklassen. Dann kam die zündende Idee.

„Was hab’ ich zu verlieren gehabt?“, fragt Dominic Cloudt heute. Zu der Zeit hatte er eine 70-Stunden-Woche, Entspannung gab es nur beim Reisen. Er wollte schon immer selbstständig sein, darum entwickelte er zusammen mit Nadine ein Konzept und marschierte damit den Klosterberg hinauf. „Wir rannten offene Türen ein“, freut sich der junge Unternehmer noch immer. Die 70-Sunden-Woche hat er mittlerweile an den Nagel gehängt, dafür hat er einen gut dotierten Job als Marketingleiter eines Systemgastronomie-Unternehmens in München. Nadine Cloudt arbeitet im Online- und Contentmarketing. Beides Profis also, was die Präsentation eines Produkts betrifft.

Das junge Paar nahm die Spaten selbst in die Hand. „70 Prozent der Arbeit haben wir selbst gemacht“, sagt Dominic Cloudt stolz. Das Kloster stellte lediglich die Fläche zur Pacht zur Verfügung. Sauberkeit war für beide am wichtigsten und ist es noch. Auf ihrem Müllcontainerplatz wird genau darauf geachtet, auch darauf, dass der Müll getrennt wird. Mit Wohnsitz im benachbarten Seefeld sind sie eigentlich täglich auf dem Platz. Dominic, Nadine oder die 450-Euro-Kraft, die sie bald einstellten, damit auch sie mal frei machen können.

„Ab sieben Uhr abends beginnt für uns die Übernachtung“, erklärt Nadine Cloudt. Für die Pächter bedeutet dies die erste Runde, denn Wohnmobile, die noch außerhalb der Wohnmobilstellfläche stehen, müssen dann bezahlen und sich an die Regeln halten. Morgens zwischen 6 und 9.30 Uhr findet die nächste Kontrolle satt. Die Tickets sollten gut sichtbar am Fenster platziert sein. „Ab 8 Uhr klopfen wir sonst an“, sagt Nadine Cloudt.

Den Stellplatz für Wohnmobile und Wohnwagengespanne am Kloster gibt es erst seit drei Jahren. Stammgäste hat er schon jetzt. Auch welche wie Norgels und Breithheckers aus Neustadt an der Weinstraße, die schon seit 15 Jahren wenigstens einmal im Jahr nach Andechs kommen, manchmal auch zweimal. „Wir kommen immer wieder“, sagt Ulrike Norgel. Im Schnitt fünf Tage. Bevor es diesmal am nächsten Tag wieder Richtung Heimat geht, haben sie sich nochmal rausgeputzt in schönster Landhausmode, um darin ihre vorerst letzte Schweinshaxn oben im Bräustüberl zu genießen. Das hat wohl Tradition, so sieht es aus.

Andere Wohnmobilisten, wie sie sich nennen, sind auf der Durchreise. Von Italien oder nach Italien, von oder nach Österreich. Claudia Reuter und Claudia Hertel sind auf Bayernrundfahrt. Die beiden Hürtherinnen fahren seit drei Jahren mit dem Wohnmobil in den Urlaub. „Wir haben wegen unserem Hund angefangen“, erklärt Claudia Reuter, „Emil.“ Sie steht damit nicht alleine da. Die befreundeten Ehepaare aus Neustadt haben auch Hunde – Susi und Bessie. Im Wohnmobil gibt es halt keine Scherereien mit irgendwelchen Vermietern. Und Andechs bietet dazu noch schöne Spazierwege zum Gassigehen. Dominic und Nadine Cloudt, die ja selbst leidenschaftliche Camper sind – mittlerweile aber mit einem großen Wohnwagengespann – haben auch einen Hund: Jackie.

40 Stellplätze mit Stromanschluss gibt es, vier ohne Strom und eine zentrale Ver- und Entsorgestation. „Für den fünften Stern fehlt nur die Duschmöglichkeit. Ansonsten ist alles da, was ein WoMo-Stellplatz braucht. Ist eben kein Campingplatz“, heißt es in einer Internetbewertung. „Ja, die Dusche könnten wir noch gebrauchen“, findet auch Claudia Reuter. Aber für die zwei Tage, die sie hier bleiben, bevor es ins Allgäu weitergeht, ist es kein Problem. Dafür gibt es ja Campingplätze, diese Option bleibe ja jedem Wohnmobilisten unbenommen. Den beiden gefällt, wie sie die Ruhe in ihren Campingstühlen genießen können – auch wenn sie in der Hand noch ein fränkisches Bier halten. „Das Andechser holen wir uns morgen“ – versprochen.

Zurzeit sind die Plätze gut belegt. Sind ja auch Pfingstferien. Meist sind es ältere Camper, darunter auch viele Rentner, die Andechs ansteuern. Zwischen März und Oktober sind es im Schnitt immer so 30 bis 35 Wohnmobile, die am Fuße des Heiligen Bergs aufgereiht stehen, meint Dominic Cloudt. Oft hängt die Belegung auch vom Wetter ab.

Die Plätze in Andechs sind ab zwei Wohnmobilen im Internet reservierbar. Immer im September zum Beispiel kommt eine ganze Horde Schotten. „20 Wohnmobile sind das“, sagt Dominic Cloudt. Die Schotten machen jedes Jahr auf ihrer traditionellen Europatour Halt in Andechs. „Für die machen wir dann auch schon mal Programm“, verraten die Cloudts. Das einzige Angebot, das sie ansonsten bieten, sind Semmeln, die sie am Wochenende zum Frühstück an die Wohnmobile liefern. Denn wenn der Edekamarkt geschlossen ist, darf man nicht vergessen – das Bräustüberl öffnet erst um 10 Uhr. Auf frische Semmeln vorher – wer will darauf verzichten?

Informationen

zum Wohnmobilstellplatz Andechs finden sich unter www.wohnmobilstellplatz-andechs.de. Eine Übernachtung mit Strom kostet 15 Euro, ohne 12 Euro – darin inklusive ist ein Verzehrgutschein im Wert von einer Halben (3,20 Euro). Maximale Bleibedauer: sieben Tage.

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