So ähnlich könnte die Freiflächen-PV-Anlage in der Gemeinde Andechs ausschauen. Wichtig zu wissen: Diese Visualisierung von Stefan Fußeder ist großzügig ausgelegt und stellt keine finale Lösung dar.
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So ähnlich könnte die Freiflächen-PV-Anlage in der Gemeinde Andechs ausschauen. Wichtig zu wissen: Diese Visualisierung von Stefan Fußeder ist großzügig ausgelegt und stellt keine finale Lösung dar.

Gemeinde Andechs will Solarstrom auf freier Fläche produzieren – Genossenschaft untersucht

Zwei mögliche Flächen für PV-Anlagen

  • vonAndrea Gräpel
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Die Energiegenossenschaft Fünfseenland will nach zehn Jahren ihres Bestehens verstärkt als Betreiber von Ökostromanlagen auftreten. Das soll in größerem Stil über Freiflächenfotovoltaikanlagen erfolgen. Die erste Möglichkeit dafür im Landkreis bietet sich nun in der Gemeinde Andechs.

Andechs - Genossenschaftsvorstand Gerd Mulert erhielt am Dienstagabend vom Umweltausschuss der Klostergemeinde das Okay, weitere Schritte zur Realisierung einzuleiten. Erste Untersuchungen an zwei Standorten gab es nämlich schon. Bürgermeister Georg Scheitz ist von der Idee begeistert. „Wie wollen wir sonst die Energiewende gestalten?“, sagte er und freute sich, dass die Ratskollegen mit ihm „so mutig sind, das in die Hand zu nehmen“.

Mulert stellte den Gemeinderäten am Dienstag die Möglichkeiten vor, wies aber auch auf die Tücken hin. Im Gemeindebereich böten sich zwei Flächen an: ein etwa 9000 bis 10 000 Quadratmeter großes Areal an der Kiesgrube in Frieding; und eine etwa 5000 bis 6000 Quadratmeter große Fläche im Spornritt, einem überwiegend bewaldeten Bereich zwischen den Seachtn bei Machtlfing und der Justizvollzugsanstalt Rothenfeld.

In Zusammenarbeit mit der Firma Vispiron hat die Energiegenossenschaft bereits Untersuchungen angestellt. Die Münchner Firma ist auf Großprojekte spezialisiert und hat international bereits Fotovoltaikparks in großem Maßstab umgesetzt. Vispiron betreibt im In- und Ausland auch große Solarkraftwerke und hat als Unternehmen einen wirtschaftlichen Fokus.

Im Landkreis gehe es gar nicht um hohe Renditen, betonte Mulert in der Ausschusssitzung. Im Vordergrund stehe die Energiewende und eine Beteiligung durch Bürger. Mit kleinen Anlagen, wie sie sich in Andechs anböten, sei kein großes Geld zu machen. Das Interesse von größeren Unternehmen, sie zu betreiben, halte sich daher in Grenzen. Die Energiegenossenschaft, der die Gemeinde Andechs im Übrigen als Mitglied angehört, würde Vispiron deshalb mit dem Bau beauftragen und sich selbst als Betreiber anbieten.

Die Aussichten, in der Kiesgrube Frieding eine Anlage wirtschaftlich betreiben zu können, sind nach Ansicht Mulerts gut. Auch deshalb, weil in der Nähe eine Stromleitung verläuft. Denn der gewonnene Strom muss eingespeist werden. Auf der Fläche im Spornritt sei dies nicht der Fall. Allerdings wusste Georg Scheitz zu berichten, dass nach Machtlfing eine neue Stromleitung verlegt werden soll, die an der vorgesehenen Fläche quasi vorbeiführe. Würden beide Flächen zusammen gebaut und betrieben, „könnte es funktionieren“, glaubte auch Mulert.

Beiden Flächen gemein ist, dass sie im Landschaftsschutzgebiet liegen. Die große Frage ist, ob für Freiflächenvoltaikanlagen eine Herausnahme notwendig ist oder nicht, da unter der Anlage weiterhin Biodiversität garantiert sei. „Den Landrat bewegt dieses Thema auch“, sagte Mulert. Das Projekt sei ein guter Anlass, Klarheit zu schaffen.

Einen kleinen Haken hat das Vorhaben darüber hinaus: Anders als die Kiesgrube befindet sich Spornritt nicht in Gemeindebesitz, sondern gehört rund 90 sogenannten Rechtlern, Erlinger Familien, die seit 1853 im Besitz eines Holzrechts sind. Mit dem Vorstand habe er bereits gesprochen, sagte Scheitz. Mulert wiederum ist sich sicher, dass er auch alle übrigen begeistern kann, sollte sich tatsächlich herausstellen, dass sich eine Anlage dort rentieren würde. Die Sache mit der Rentabilität in Frieding ist leichter, allerdings wäre auch dort eine Erweiterung auf Privatfläche von Vorteil, erklärte Mulert.

In seiner Voruntersuchung hat Stefan Fußeder von Vispiron ohne Vorabstimmung schon mal eine Belegung mit Solarpanelen sowohl in Ost-West-Ausrichtung mit zehn Prozent Neigung als auch in die ertragreichere Südausrichtung mit 20 Prozent Neigung ausprobiert. Ob dies so am Ende tatsächlich möglich ist, muss die Energiegenossenschaft nun abklopfen. Den Auftrag dazu erhielt Mulert vom Umweltausschuss einstimmig.

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