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Der Konvent von St. Bonifaz und Andechs, Familie, Freunde und die Menschen, die er als Pfarrer und Lehrer begleitet hatte, nahmen gestern in der Wallfahrtkirche Abschied von Pater Coelestin.

Beerdigung

Pater Coelestin lebt in den Herzen weiter

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Andechs - Unter großer Anteilnahme ist am Donnerstag Pater Coelestin Stöcker in Andechs beigesetzt worden. Das Requiem wurde zu einem "Auferstehungsfest".

Sein freundliches Gesicht, an das wird sich jeder erinnern. Hunderte Menschen feierten gestern eine „Auferstehungsfeier“ für Pater Coelestin Stöcker, der am Samstag im Alter von 88 Jahren verstorben ist. Es war der Samstag vor dem Weißen Sonntag – Osterzeit. Eben darauf baute Abt Johannes Eckert das Requiem für den beliebten Mönch auf. Für die vielen Besucher in der Wallfahrtskirche war es ein tröstlicher Gedanke.

Abt Johannes hatte Pater Coelestin zwei Jahre als Kaplan begleitet. Als Coelestin noch Pfarrer für Erling und Machtlfing war. Es waren „glückliche Jahre an seiner Seite“, betonte der heutige Abt von St. Bonifaz und Andechs. Unvergessen bleibe ihm der Blick der Kinder, wenn Coelestin nahte, wie sie sich freuten und darauf warteten, dass der immer freundliche Mönch endlich Süßes aus seinem Habit zaubert. „Für mich war das so“, sagt der Abt, „sie begegneten dem Herrn.“

Seit 1964 war Pater Coelestin in Andechs. In den Archiven der Volksschule ist er von 1966 bis 2002 als Religionslehrer geführt. Also gab es kaum jemanden unter den zahlreichen Andechsern (alle Ortsteile), die gestern Abschied nahmen, der nicht bei ihm in den Unterricht gegangen ist. Unvergessen bleibt dem Abt auch die Begegnung mit Bundeskanzlerin Angela Merkel im Jahr 2011. Sie war aus Anlass der Klausurtagung der CSU im Refektorium empfangen worden, als sie der bereits gebrechliche Coelestin willkommen hieß: „Grüß Gott mein Mädchen. Du warst doch auch schon einmal hier.“ Er hatte sich an ihre erste Begegnung erinnert, als sie noch Familienministerin war und er ihr den Heiltumsschatz gezeigt hatte. Abt Johannes war sich sicher, dass eigentlich jeder in der Kirche Geschichten wie diese beisteuern könnte.

Viele schöne Erinnerungen sind es an Pater Coelestin und sein Wirken – ob als Prior, Lehrer, Pfarrer oder als Dekan, der er im Landkreis auch war. Für den aktuellen Pfarrgemeinderat, dies erzählte Bürgermeisterin Anna Neppel, sei er die „prägende Person im Glauben“ gewesen. Er habe Spuren hinterlassen, nicht nur mit der nach ihm benannten Straße in Erling. Er war es, dem der Kindergarten St. Elisabeth zu verdanken ist, er war es, der 1972 die Blaskapelle mitbegründete, und er war es, dem 1992 die erste Bürgermedaille der Klostergemeinde verliehen wurde.

Zu seinen Ehren und für diesen einen Tag nahm auch Anton Ludwig Pfell, der langjährige Kirchenmusiker von Andechs, noch einmal an der Jann-Orgel Platz und dirigierte auf der Empore die Chorgemeinschaft zu einem Requiem von Caspar Ett (1788-1847). Ett war ein Münchner Komponist, der ähnlich wie Carl Orff dem Kloster verbunden war. Diese Verbindung zur Geschichte des Heiligen Berges – genau so hätte es Pater Coelestin gefallen. Ebenso der südamerikanische Gesang – von einer Gitarre begleitet, der an den Missionskreis erinnerte, den der Mönch 1987 gegründet hatte, dessen Ehrenvorsitzender er war. Dieser Gesang berührte die Herzen.

Pater Coelestin Stöcker wäre am heutigen Freitag 89 Jahre alt geworden. Er wurde nach dem Requiem am Donnerstag an der Friedenskapelle in Erling beigesetzt – mit Blick auf seinen Heiligen Berg.

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