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Ein im Starnberger See in Ufernähe errichtetes Kreuz erinnert an den Tod König Ludwigs II., der laut Überlieferung an dieser Stelle gestorben sein soll.

Anti-Monarchisten gegen Ludwig-Gedenken

Berg - Ein würdevolles Andenken für den Märchenkönig: Mit einem großen Gottesdienst wollen seine Verehrer Ludwigs am Pfingstmontag gedenken. Doch eine Gruppe von Anti-Monarchisten will ihnen gehörig in die Suppe spucken - und plant ein respektloses Bad im Starnberger See.

Zum 125. Todestag von Ludwig II. ist ganz Bayern im “Kini“-Fieber. Ganz Bayern? Nein! Eine kleine Gruppe von Anti-Monarchisten plant für den Todestag am Pfingstmontag eine ganz besondere Aktion. Das Bündnis “Das andere Bayern“ geht im Starnberger See baden - genau an der Stelle, an der Ludwig und sein Psychiater damals tot gefunden wurden.

100 bis 200 “Freunde der Demokratie und des Wassersports“ erwartet der Verein, fest angemeldet hatten sich am Dienstag knapp über 30. Das Motto lautet: “Schwimm Dich frei von der Ludwixerei.“ Neben Taucherbrillen wollen sie Plastikkrokodile, einen Schwan und auch ein Ludwig-Double mitbringen - “eine Wasserleiche“.

“Wir wollen ein Zeichen setzen, dass nicht alle Bayern auf diesen Blödsinn reinfallen“, sagte der Aktionskünstler Wolfram Kastner, Vorstandsmitglied des Bündnisses, am Dienstag in München. Am Pfingstmontag, wenn sich der Todestag des Monarchen jährt, ist ein großer Gottesdienst in Berg geplant - genau an dem Ort soll die Badeaktion im Anschluss stattfinden.

Für die Königsbewunderung, die vor allem in diesem Jahr in Bayern um sich greift, haben Kastner und seine Kollegen keinerlei Verständnis. “Ich bin Demokrat.“ Es sei eine Schande, dass Bayern seine Könige heute noch so verehre, seine demokratischen Freiheitskämpfer aber völlig vernachlässige - allen voran Kurt Eisner, der sozialistische erste Ministerpräsident im neuen Freistaat von 1918. “Darauf ist niemand stolz in Bayern.“

Ludwig sei verrückt gewesen und habe sein Volk hungern lassen, um seine Prunkschlösser finanzieren zu können, so die einhellige Meinung seiner Kritiker. “Die Leute haben gehungert, sind gestorben und haben ihren König verflucht.“ Darum sei es auch völlig unverständlich, dass dieser Aspekt des Lebens in der großen Landesausstellung “Götterdämmerung“ im Schloss Herrenchiemsee ausgespart werde. Man solle nicht nur die Schlösser zeigen und die großen Pläne, die Ludwig hatte, “sondern auch die Hütten und Erdlöcher derer, die diese Schlösser gebaut haben“. Heute koste der Erhalt der Schlösser mehr als der Tourismus einbringe, sagte Kastner.

Schon zum 100. Todestag hat das Bündnis auf einem Schiff “verschiedene Todesarten durchgespielt“, wie Kastner sagte. Damit hätten sie den Unmut des Hauses Wittelsbach und der Staatsregierung auf sich gezogen. Der Versuch der Regierung, dem Verein das Mieten eines Schiffes zu untersagen, brachte beide Parteien vor Gericht. Die Anti-Monarchisten gewannen, wie Kastner betonte. “Es gibt ein Versammlungsrecht, das über allem steht.“

dpa

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