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Warm eingepackt sitzen die meisten Kinder und Betreuerinnen im kalten Keller über den Hausaufgaben.

Arbeitskreis Ausländerkinder

Im kalten Keller Sehnsucht nach dem Herbst

Gauting - Es ist erst Jahresanfang. Doch der Arbeitskreis Ausländerkinder kann den Herbst kaum erwarten. Dann soll Umzug sein in größere Räume.

Auf Hochtouren läuft die Sanierung des so genannten Querriegels. In den rückwärtigen Gebäudeteil der schon wieder überfüllten Grundschule beim Gautinger Rathaus werden Klassen ausgelagert. Ganz besonders freut sich der Arbeitskreis Ausländerkinder (AKAK) über den neuen Gebäudeteil, der im Herbst eröffnet wird. Seit Jahrzehnten sitzt das Team um Sozialpädagogin Johanna Jonas mit den Mädchen und Buben bei der Hausaufgabenbetreuung in einem kalten Kellerraum – ohne Tageslicht.

Donnerstagnachmittag, es ist klirrend kalt. Gleich gegenüber der unteren Grundschule geht es über rutschige Stufen hinunter. Leises Stimmengewirr dringt aus dem überfüllten Raum. An drei voll besetzten großen Tischen erledigen 18 Viert- bis Neuntklässler aus verschiedenen Nationen ihre Hausaufgaben. Drei ehrenamtliche Betreuerinnen sind an diesem Nachmittag im Einsatz. Eine ist ausgefallen, erläutert Johanna Jonas die dünne Personaldecke.

Die Sozialpädagogin ist einzige Hauptamtliche im Team – und hat alle Hände voll zu tun. Sie betreut an diesem Nachmittag zwei Gruppen parallel. „Für 18 Kinder ist der Raum hier zu eng“, sagt Jonas. Vor allem bei Regenwetter, wenn der Pausenhof gegenüber nicht genutzt werden kann, „ist der Lärmpegel enorm“. Denn: „Die einen toben, die anderen müssen arbeiten.“

„Willkommen in Deutschland“ verkündet das Plakat an der Eingangstür. Mit meerblauem Teppich und farblich passenden Vorhängen haben die Ehrenamtlichen des AKAK das Beste aus dem Kellerraum gemacht. Doch während draußen die Wintersonne strahlt, brennt hier unten das Neonlicht. Bence (11) aus Ungarn ist trotzdem konzentriert bei der Sache: „Ich bin seit vier Monaten hier“, erklärt der Viertklässler in perfektem Deutsch. „Mir macht das Spaß“, sagt die promovierte Biologin Christine Wimmer, die den Schüler betreut.

„Der Stuhl“ – Ilirida (9) plagt sich mit einem Übungsbilderbuch für Deutschanfänger. Die kleine Kosovarin ist erst seit 9. Januar in Gauting. Ilirida ist erleichtert: Die gleichaltrige Aida spricht Albanisch und übersetzt die deutschen Anweisungen von Johanna Jonas schon mühelos. „Mit Aida und ihren Schwestern konnte ich sehr intensiv arbeiten“, berichtet die Betreuerin. Deshalb besuchen die beiden älteren „Überfliegerinnen“ aus Albanien bereits den M-Zweig der Mittelschule.

Kalt ist es im Keller – trotz voll aufgedrehter Heizung. Die pensionierte Kinderärztin Christel Freund zieht sich zur Hausaufgabenbetreuung warm an. „Ich hoffe, wir können in den Sommerferien in den Querriegel umziehen“, sagt die neugewählte Geschäftsführerin des AKAK. Der Arbeitskreis sucht noch dringend ehrenamtliche Helfer: Telefon (089) 8 50 34 10.

Christine Cless-Wesle

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