Volles Haus beim Ascherdonnerstag: Pfarrer Rainer Maria Schießler hatte mehr Zuhörer als es in der Gaststätte Stühle gab. Seinen Positionen in der Flüchtlingsfrage teilten einigen im Saal nicht. Foto: SvJ

Der Pfarrer, die Schwarzen und die Obergrenze

Starnberg - Beim Ascherdonnerstag der Starnberger CSU war kein Stuhlmehr frei:Pfarrer Rainer Maria Schießler referierte über Obergrenzen - allerdings nicht so, wie es sich einige CSUler gedacht hatten.

Rund 60 Mitglieder hatten zum „Politischen Ascherdonnerstag mit Fischessen“ der Starnberger CSU angemeldet. Am Ende saßen beziehungsweise standen etwa 100 Besucher aus dem ganzen Landkreis im Clubraum des „Opatija“ beim SV Söcking - weil es im ganzen Haus keine Stühle mehr gab. Sie alle wollten den wohl bekanntesten Münchner Pfarrer Rainer Maria Schießler hören, der ihnen mit seinem Plädoyer für Nächstenliebe viel zum Nachdenken, auch über den aktuellen CSU-Kurs, mit auf den Weg gab.

Nicht nur der Wochentag war ein anderer: „Es wird heute nicht das übliche politischen Gezänk geben“, hatte Ortschef Stefan Frey es begründet, warum seine Partei die zu Beginn der Fastenzeit stets mit der Abrechnung mit den politischen Mitbewerbern einhergehende Veranstaltung wegen des Zugunglücks in Bad Aibling dann doch nicht abgesagt habe. „Bei uns geht es um innehalten und überlegen wie es weiter geht. Wir wollen diskutieren über das CSU-Motto ‚Näher am Menschen’“, sagte Frey, der eine Gedenkminute für die Opfer des Zugunglücks abhielt.

Schießler, Jahrgang 1960, ist katholischer Geistlicher in den Münchner Pfarreien St. Maximilian und Heilig Geist am Viktualienmarkt. Er arbeitete immer wieder auf dem Oktoberfest als Kellner und spendete seinen Verdienst für Projekte in Afrika sowie aktuell im Libanon. Klartext redet er nicht nur mit der Politik, sondern auch mit seiner Kirche, zum Beispiel zum Thema Austritte: „Die darf man nicht einfach gehen lassen, denen muss man nachlaufen“, ist seine Devise. Und: „Wir dürfen nicht dem lieben Gott Dinge in die Hände legen, die wir selbst machen müssen.“ Damit war Schießler schon mitten im Thema: „Ja, wir brauchen eine Obergrenze, aber die gibt es nur, wenn wir auf der anderen Seite, wo die Flüchtlinge herkommen, andere Bedingungen schaffen.“ Eine andere Obergrenze gebe es nicht, weil es nämlich auch keine Obergrenze der Menschlichkeit gebe.

Als Leitlinie - auch für die Politik - empfahl er die sieben leiblichen und sieben geistlichen Werke der Barmherzigkeit, eine Aufzählung in der Bibel, wie sich Nächstenliebe äußert. „Die Welt gibt pro Jahr 23 Billionen Dollar für Rüstung aus. Wir wissen genau, wie es geht, stehen aber da und machen nichts.“

Die Fragen aus dem Publikum zeigten, dass es „viele gibt, die das anders sehen, die kritische Position der CSU teilen“, wie es Frey formulierte. Es ging um Fragen, was Deutschland mache, wenn es den Krieg plötzlich im Land habe, die Integration nicht gelinge und massive Sicherheitsprobleme auftreten. Gerhard Knülle aus Herrsching nannte Schießlers Aussagen gar „naiv, weil sie die Realität nicht abbilden. So lange es zwei Menschen gibt, die nicht wollen, dass es aufhört, geht der Krieg so weiter.“ Im Übrigen habe die CSU ihr Motto „Näher am Menschen“ zwischenzeitlich gestrichen. Schießler gab zu: „Mit dem Liebesgebot kann man keine Politik machen, aber trotzdem brauchen wir Strategien. Ich bin Kirchenmann, kein Politiker. Ich möchte nur die Augen öffnen für das was nötig ist: Zuerst lieben, und aus diesem Geist heraus was machen.“

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