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Jungzüchter Nikolas Fricke unterwegs mit Familie, Freunden, Kindern – und seinen neun Walliser Schwarznasen.

Schafabtrieb

Herr Fricke und das liebe Vieh

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Aschering - Nikolas Fricke ist frischgebackener Schafzüchter. Als solcher hat der Akademiker auch viele romantische Vorstellungen. Also lud er alle Kinder, die er kennt, samt Eltern zum feierlichen Schafabtrieb. Ein idyllisches Bild, wenn da nicht noch eine andere Schafherde gewesen wäre.

Noch immer trollt sich eine Horde Jungschafe wie von Sinnen übers Winterweizenfeld. Nikolas Fricke (34) nimmt es gelassen, zwei seiner Freunde rennen sich derweil die Lunge aus dem Leib, um die Tiere aufzuhalten, Vater Hans (74) steht auf der Straße und versucht, den Feiertagsverkehr zu warnen. Als Meeresbiologe, der Unterwasserhäuser und U-Boote gebaut hat, bringen ihn Schafe nicht aus der Ruhe. Der erste Abtrieb seines Sohnes, des Pöckinger Jungzüchters Nikolas Fricke, ist eben nur ein bisschen außer Kontrolle geraten. „Wie meine Doktorarbeit, an der ich gerade arbeite – im Kleinen: zwei Haltungssysteme treffen aufeinander, und eines bricht aus.“ Zwei Haltungssysteme sind in dem Fall die neun Rasseschafe von Fricke – und die deutlich größere Herde des Ascheringer Bauern Matthias Stuhlmiller.

Seit zwei Stunden ist Fricke mit seinen neun Walliser Schwarznasen unterwegs. Eine besonders resistente und zutrauliche Bergschafrasse, für die es in Bayern nur wenige Züchter gibt. Fricke ist seit diesem Jahr einer dieser Züchter und hat sich damit einen Kindheitstraum erfüllt. Auf dem Weg dahin hat er Landwirtschaft studiert sowie nachhaltiges Ressourcenmanagement. Und wenn er nicht nach seinen Schafen schaut, fotografiert der zweifache Familienvater und schreibt an seiner Doktorarbeit. Seine Frau Kay (35) schafft als Inspizientin an der Staatsoper derweil Synergien: Erste „Opernsocken“ aus Fricke-Schafwolle gibt es schon.

Den Sommer über hatte der naturverbundene Pöckinger seine zutraulichen Schwarznasen in einem Biotop-Verbund zwischen Traubing und Aschering stehen. „Im Sommer machen die wenig Arbeit.“ Trotzdem war er jeden Tag bei ihnen. Der Winterstall, den er nun ansteuert, steht etwa vier Kilometer entfernt in Pöcking. „Es ist besser, wenn Lämmer dort geboren werden oder wenn man gezielt füttern will“, erklärt der 34-Jährige. Im Januar erwartet er den ersten Schwung Zuwachs. „Im Mai wird die Herde vermutlich doppelt so groß.“ Keine Frage, dass auch jedes neu dazukommende Schaf einen Namen trägt und seine Streicheleinheiten bekommt.

Schafabtrieb in Aschering: Bilder

Während Profischäfer ihre Schafe auf einen Hänger aufladen und von A nach B bringen, wählte Jungzüchter Fricke die romantische Variante. Die Söhne Fridolin (5) und Valentin (1), dazu Neffen, Nichten und Nachbarskinder – alle hat er zum Schafabtrieb eingeladen. „Das ist für mich eine Riesenfreude“, sagt er. Kindern die Natur nahebringen, „und das mit meinem wissenschaftlichen Hintergrund. Da kann ich viel erzählen“. Am liebsten auch Schulklassen oder Kindergartengruppen – „die können sich gerne melden“. Bislang gibt er sein Wissen und die Freude an seinen Schafen nur über soziale Netzwerke weiter. „Ich habe das Gefühl, Menschen in meinem Alter dürstet es danach – nach Land und Natur.“

Erzählen kann er dort nun auch von seinem ersten Schafabtrieb, der in dem Moment außer Kontrolle geriet, als die Schwarznasen in Aschering an der großen Schafherde von Mathias Stuhlmiller vorbeizogen. „Die wollten eigentlich nur Hallo sagen“, vermutet der Mensch Fricke. Schon war der erste Zaun umgerissen und mehr als 100 Schafe außer Rand und Band. Fricke kennt Stuhlmiller aus Kindertagen und freut sich, wie entspannt der Landwirt reagiert hat. Bewaffnet mit einem gelben Eimer voll Futter hatte er seine Herde bald unter Kontrolle. Er überließ es Fricke und dessen Freunden, den letzten Schwung seiner Jungtiere auf seinem Feld voller zarten Winterweizenpflanzen zusammenzutreiben und ging entspannt in die Kirche. „So sind Landwirte“, freut sich Fricke.

Nach drei Stunden waren alle Schafe, wo sie sein sollten – die Schwarznasen im großzügigen Laufstall, die Jungherde auf ihrer Wiese und die große Herde friedlich grasend auf einer anderen. Fricke ist erschöpft, aber glücklich. Das kleine Chaos zwischendrin war für ihn „großer Sport“. „So lange die Schafe nicht zu Schaden kommen, bleibt es immer noch ein schöner sonniger Nachmittag.“

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