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Maschinen stehen still: Mitarbeiter warten auf das neue Asphaltmaterial.

Asphalt-Erneuerung

Baustelle B 2: Absolute Teamarbeit

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Traubing/Pöcking – Der Asphalt der B 2 zwischen Traubing und Pöcking wird erneuert. Dafür sind 25 Arbeiter diese Woche jede Nacht im Einsatz. Warum keine Kleinigkeit schief gehen darf und alles von Teamarbeit abhängt – ein Besuch auf der Baustelle.

Regen prasselt auf den Asphalt der B 2 zwischen Traubing und Pöcking. Es ist Dienstag, 22 Uhr. Eigentlich sollten gerade zwei Fräsmaschinen ihr Werk verrichten. Der Regen verhindert das. „Der neu gemischte Asphalt wird auch nicht vor Mitternacht fertig“, bekommt Christian Probst zu hören. Er ist im Staatlichen Bauamt Weilheim als Abteilungsleiter für Starnberger Projekte zuständig. Probst muss für die Bauarbeiten unzählige Einzelheiten koordinieren.

Meistens macht er das in seinem Büro. Geht etwas schief, klingelt sein Telefon. Zuletzt hatte der 40-Jährige eine verärgerte Autofahrerin am Hörer. Von 20 bis 6 Uhr muss die Strecke für die Bauarbeiten gesperrt sein – um 6.10 Uhr war sie an einem Morgen allerdings noch nicht freigegeben. Die Umleitung über Perchting und Andechs erregt ohnehin die Gemüter einiger Autofahrer – manche fahren gar durch die Absperrung und beschweren sich anschließend über beschädigte Reifen. Was Probst daher vermeiden möchte, ist vor allem eines: Zeitverzug. Bis Samstag sollen die Arbeiten abgeschlossen sein, bis Freitagmorgen, wenn alles optimal läuft. Dafür ackern 25 Mitarbeiter vor Ort.

Zentimetergenaues Anfahren: "Da muss das Team zusammenarbeiten"

Alles im Blick haben muss Thomas Haaker auf seinem so genannten Beschicker.

Einen der wichtigsten Jobs hat dabei Thomas Haaker. Der 48-Jährige sitzt auf einem 23,8 Tonnen schweren Beschicker. Mit seiner Maschine soll Haaker in einem Zehn-Stunden-Marathon dafür sorgen, dass ununterbrochen gearbeitet werden kann. „Es ist ein harter Beruf“, sagt er. Vorne fahren Lkw heran und befüllen seinen Bunker mit neuem Asphaltmaterial, das zuvor in einer Mischanlage angefertigt wurde. Das Material läuft unter Haaker und seinem Beschicker über ein Förderband nach hinten – dort warten Fertiger darauf, bedient zu werden und den Asphalt aufzutragen. Lkw, Beschicker, Fertiger: „Da hat man mal 60 Meter vor sich stehen“, sagt Haaker. 

Seit neun Monaten ist er als Beschicker auf den Straßen Deutschlands unterwegs. Wenn der 48-Jährige über seine Tätigkeit spricht, klingt es aber so, als ob er sein Leben lang nichts anderes gemacht hätte. So wechselt der frühere Schrauber einen geplatzten Hydraulikschlauch gerne mal selbst aus. Neben seinem technischen Wissen braucht Haaker viel Konzentration und noch mehr Augenmaß. „Da muss das Team zusammenarbeiten“, betont er. Wenn der Lkw vorne nicht zentimetergenau an seinen Beschicker heranfährt, werden dessen Reifen durch scharfe Teile aufgeschlitzt. Lkw-Fahrer, Einweiser und Beschicker halten deshalb dauernd Blickkontakt.

Huat-Sepp: "Bin das Mädchen für Alles"

Doch erst einmal geht gar nichts. Da es regnet, können die Fertiger die neue Asphaltschicht nicht auftragen. Unter der neuen Schicht würde sich Wasser einlagern. Die Maschinen sind abgestellt. Pause. Zeit für eine Zigarette, private Gespräche mit den Kollegen – und für Späße.

Sichert den Verkehr: Huat-Sepp

Viele kennen sich, geben sich Spitznamen. „Ich bin für alle der Huat-Sepp“, sagt Josef Hutter, „meinen Hut habe ich immer auf.“ Der 55-Jährige kommt auf der Baustelle überall herum. „Ich bin das Mädchen für alles“, erklärt er lachend. Hutter sichert den Verkehr ab, kann aber auch eine Walze oder einen Beschicker fahren. Am Anfang seiner Schicht weiß Hutter nicht, was ihn genau erwartet. „Wenn es irgendwo brennt, muss ich schnell hin.“ Klingt hektisch – mit seinem Hut und kurzer Hose vermittelt der Murnauer allerdings eher die Ruhe eines Anglers, der gemütlich zum Fischen geht.

Bauteam versucht alles, um Zeitverzug zu vermeiden

Gibt es dann aber doch irgendwo ein Problem, teilt es Hutter Projektleiter Oliver Schneider mit. Von der ersten Begehung, Ausschreibung bis hin zur Freigabe der Strecke hat Schneider die Abläufe in der Hand. „Für mich ist das Routine, das mache ich seit 23 Jahren.“ Für das 385 000 Euro teure Projekt leitet er die Geschicke vor Ort. 3055 Meter Strecke, 35 000 Quadratmeter Fräsfläche, 3300 Tonnen Mischgut – Schneider kann alle Details im Schlaf aufzählen. Zusammen mit dem gesamten Team setzt er alles daran, dass die Bauarbeiten wie geplant über die Bühne gehen. Da kann sich der Arbeitstag mal eben auf 13 Stunden ausdehnen. „Eine Zeitverzögerung zieht für uns einen Rattenschwanz hinterher“, sagt Schneider. Länger andauernde Umgehung, mehr Ärger. Das Baustellenteam tut alles, damit es nicht so kommt. „Wir liegen gut im Plan“, sagt Schneider und hofft auf trockene Nachtschichten.

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