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Auch kleinere Gletscher schmelzen schneller als erwartet

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Der Pope-Gletscher aus der Luft: Er hat sich 2017 binnen drei Monaten um 11,7 Kilometer zurückgezogen.
Der Pope-Gletscher aus der Luft: Er hat sich 2017 binnen drei Monaten um 11,7 Kilometer zurückgezogen. © dlr

11,7 Kilometer: Um diese Länge hat sich der Pope-Gletscher in der Antarktis 2017 binnen drei Monaten zurückgezogen. Dies haben jüngste Untersuchungen durch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen in Zusammenarbeit mit den Universitäten Houston, Kalifornien und Grenoble sowie der italienischen Raumfahrtagentur ASI ergeben.

Oberpfaffenhofen - Auch die Gletscher Smith und Kohler schmelzen schneller als erwartet. „Der Südpol hat neue Sorgenkinder“, bilanziert das DLR Oberpfaffenhofen in einer Pressemitteilung. Im Fokus standen bisher die Eisgiganten Thwaites und Pine Island. Sie sind sehr fragil und könnten den Meeresspiegel um bis zu 11,2 Meter ansteigen lassen. Radardaten der Satellitenmissionen „TanDEM-X“ und „COSMO-SkyMed“ lenkten die Aufmerksamkeit nun auch auf die drei kleineren Nachbarn, die in den vergangenen 30 Jahren dünner geworden sind, Schelfeis an den Ozean verloren haben und sich weiter ins Land zurückzogen. „Auffällig war hier der Rückgang der Aufsetzlinie, also die Grenze, an der das Eis den Kontakt zum Festland verliert und beginnt, auf dem Meer zu schwimmen“, so das DLR. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler richteten ihr Augenmerk auf den Übergangsbereich und wiesen erstmals die drastische Veränderung des Pope-Gletschers nach. „Die neue Studie liefert damit ein weiteres wichtiges Puzzleteil für die Gletscher- und Klimaforschung“, heißt es weiter. Die physikalischen Schmelzprozesse von Pope, Smith und Kohler würden bei den anderen Gletschern rund um die Amundsen-See identisch ablaufen. „Die Riesen Thwaites und Pine Island könnten mit ihren hohen Masseverlusten die restliche Westantarktis destabilisieren, mit verheerenden Folgen für das Leben auf der Erde.“ Wenn Klimamodelle künftig berücksichtigen würden, wie stark eine schwimmende Eisplatte von unten schmilzt, ließe sich auch der Rückgang von Gletschern noch genauer bestimmen.

Die Unterseite eines Gletschers entzieht sich unseren Blicken, sodass der Eisverlust nicht direkt messbar ist. Mithilfe von digitalen TanDEM-X-Höhenmodellen konnten die Wissenschaftler diese verborgene Schmelzrate genau bestimmen. Während zum Beispiel der Smith-Gletscher über Land im Zeitraum von 2011 bis 2019 etwa fünf Meter pro Jahr abschmolz, betrug die Schmelzrate an der frei schwimmenden Gletscherunterseite ungefähr 22 Meter pro Jahr. An bestimmten Stellen wies Smith sogar Schmelzraten von mehr als 100 Meter pro Jahr auf, mit einem Spitzenwert von 140 Meter im Jahr 2016. „Für die Bestimmung der Abschmelzraten haben wir am DLR zusätzlich mehr als 240 digitale TanDEM-X-Höhenmodelle erzeugt, die die Westantarktis von 2011 bis 2019 hochgenau abbilden“, sagt Co-Autorin Dr. Paola Rizzoli vom DLR-Institut für Hochfrequenztechnik und Radarsysteme in Oberpfaffenhofen.  

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