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"Dancing Horses" heißt das Projekt, das Aurelia Baumgartner am Freitag, 29. Januar, in München zeigt, und das sie mit autistischen Buben in 18 Monaten einstudiert hat.

Tanzprojekt

Magischer Moment von Mensch und Tier

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Kempfenhausen - Aurelia Baumgartner studiert mit autistischen Buben und ihrem Araber "Dancing Horses" ein

15 Jahre ist es her, dass Aurelia Baumgartner in einem lichten Pavillon an der Seebreite in Kempfenhausen die Schule für zeitgenössischen Tanz gründete, die sich auch dadurch auszeichnet, dass nicht nur herkömmliche Tanztechniken unterrichtet werden. Taiji, Yoga und Pakua ergänzen das Angebot unterschiedlichster Körperarbeit, die darauf abzielt, dass die Schüler ein Bewusstsein über die Einheit von Geist und Körper entwickeln können. Da Aurelia Baumgartner seit ihrer Kindheit auch reitet, hat sie vor gut zehn Jahren angefangen, zusätzlich mit Pferden zu arbeiten. Beides kombiniert sie in einem Projekt. 

Pegasus heißt ihr Araber, der die Freiheit der Wüste in sich trägt und „über eine Zugewandtheit verfügt, wie sie sonst nur der Mensch hat“. Ihre Erfahrung habe ihr gezeigt, dass „Pferde über ihren Instinkt und ihre Fluchtstruktur hinausgehen und mit dem Menschen kommunizieren“. Als die Tänzerin und Choreografin anlässlich der 100-Jahr-Feier der Stadt Starnberg darum gebeten wurde, ein Projekt beizusteuern, ging sie ein bis dahin noch nie gesehenes Experiment ein und erarbeitete ein abendfüllendes Programm mit Pferden und Tänzern, bei dem die Zuschauer erleben konnten, dass Mensch und Tier in gemeinsamer Bewegung „auf Augenhöhe“ zu einer Einheit verschmelzen können. 

„Die Trennung von Mensch und Tier ist eine Sache des Bewusstseins“, stellt die philosophisch gebildete Tanzpädagogin fest, die alles ohne Drill und Druck geschehen lässt, loslassen und sich einlassen kann. Und so wundert sie sich auch nicht, dass Dinge auf sie zukommen, wie die jüngste Anfrage der Stadt München, sich im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Was geht? Kunst und Inklusion“ zu beteiligen. Gerne ließ sie sich darauf ein, und so meldete sich Christos bei ihr, ein heute 17-jähriger autistischer Bub, mit dem sie sich seit eineinhalb Jahren trifft und die Möglichkeiten der non-verbalen Kommunikation ausgelotet hat. Voraussetzung war die Kenntnis, dass der Mensch durch körperliche Erfahrungen mit anderen Lebewesen verbunden ist, dass der Körper als einheitsstiftendes Prinzip für Energien durchlässig ist, die auch den Kosmos lenken. Dieses Körper-Denken ermögliche auch Grenzen zu erkunden, so Baumgartner.

 Mit Christos und Pegasus hat die Tanzpädagogin nun eine Performance entwickelt, die am heutigen Freitag im Ampère in München aufgeführt wird. Respekt, Vertrauen und eine freie spielerische Begegnung zwischen Kind und Pferd ist die Basis, die bei einer ersten Annäherung beim gemeinsamen Laufen durch den Wald gelegt wurde. Schnell hatten Pegasus und Christos Augenkontakt und als der Bub begann, die Bewegungen des Tieres mit seinem Körper zu „spiegeln“ wurde er vom Pferd aufgefordert, mit ihm zu tanzen. „Das war ein magischer Moment“, beschreibt Aurelia Baumgartner die Begegnung. Die daraus entwickelte Performance wird mit diversen Videoaufnahmen aus unterschiedlichen Perspektiven begleitet, um verschiedene Zeitebenen zu verschränken.

„Dancing Horses“ im Rahmen des Symposiums „Körper_Denken“ wird am heutigen Freitag, 29. Januar, 20.30 Uhr, im Ampère in der Muffathalle gezeigt. Das Symposium selbst erkundet mit einem Vortrag von Aurelia Baumgartner, was es heißt, an den „Fransen des Bewusstseins“ zu denken und „Tier zu werden“.

Astrid Amelungse-Kurth

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