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Diese Wiese östlich der Berger Straße und südlich der Kirche St. Christophorus gilt derzeit noch als landwirtschaftliche Fläche. Nun gibt es, sie mit insgesamt 22 Reihenhäusern zu bebauen.

Bauprojekte sorgen für Diskussion

Wie viel Verdichtung in Percha soll sein?

  • Peter Schiebel
    vonPeter Schiebel
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Wie viel Verdichtung darf  in Percha sein? Diese Frage diskutierte der Starnberger Bauausschuss angesichts zweier Projekte für insgesamt 29 Wohneinheiten. 

Percha – Sieben Wohnungen in zwei Neubauten im bestehenden Wohngebiet, 22 neue Reihenhäuser auf einem bisherigen Feld östlich der Berger Straße – gleich zwei Projekte in Percha warfen im Bauausschuss des Stadtrats am Dienstagabend die Frage auf: Wie viel Verdichtung in dem Ortsteil soll und darf sein? Die Antwort darauf blieb zunächst offen.

Sieben Wohnungenam Tassiloweg

Das Projekt:Für das 947 Quadratmeter große Eckgrundstück Tassiloweg/Bachweg liegen im Rathaus aktuell Bauanträge für die Errichtung zweier Mehrfamilienhäuser vor. In einem zweigeschossigen Haus sollen drei, in einem dreigeschossigen vier Wohnungen entstehen. Dazu sind zehn oberirdische Stellplätze geplant. Bislang steht auf der Fläche ein Wohnhaus.

Das Grundstück liegt nicht im Geltungsbereich eines rechtskräftigen Bebauungsplans, muss also nach der umliegenden Bebauung beurteilt werden (Paragraf 34 Baugesetzbuch). Und da hegten weder Stadtbaumeister Stephan Weinl noch Bürgermeister Patrick Janik einen Zweifel daran, dass sich das Vorhaben in die Umgebung einfüge und von daher genehmigungsfähig sei. Zwar sei das Gebiet überwiegend durch Ein- und Zweifamilienhäuser geprägt, die Anzahl der Wohnungen sei bei der Abwägung nach Paragraf 34 aber kein Kriterium, erklärte Weinl. Entscheidend sei vor allem die Kubatur des Gebäudes.

Der Vorschlag:Dennoch empfahl die Verwaltung den Stadträten, die Anträge zunächst zurückzustellen und einen Bebauungsplan für das Gebiet auf den Weg zu bringen. Weinl ging es dabei vor allem um Anzahl und Lage der erforderlichen Stellplätze. Sie führten zum einen zu einer „erheblichen Versiegelung des Grundstücks“ mit allen Folgen für Niederschlags- und Grundwasser. Darüber hinaus würden die in vorderer Reihe angelegten Stellplätze das Straßenbild negativ beeinträchtigen. Nicht zuletzt würden im öffentlichen Straßenraum Parkplätze wegfallen, sagte Weinl.

Mit einem Bebauungsplan will die Verwaltung nun die Verdichtung in dem Wohngebiet in geordnete Bahnen lenken. So soll in dem Bereich nördlich der Seestraße zwischen Berger Straße und Schiffbauerweg maximal eine Wohnung pro vollendete 200 Quadratmeter Grundstücksfläche möglich sein. Pro Einzelhaus sollen maximal vier oberirdische Stellplätze erlaubt werden.

Die Diskussion: Grünen-Stadtrat Dr. Franz Sengl sah sich in einem Dilemma. Auf der einen Seite sei er ein Freund von Bebauungsplänen, weil die Stadt damit vieles steuern könne. „Aber wir haben auch Bedarf an kleinen Wohnungen. Einen Tod muss man sterben.“ Er schlug vor, auf die Stellplätze zu verzichten und die Bewohner zum Beispiel mit einer MVV-Jahreskarte zum Umsteigen auf den ÖPNV zu bewegen. Professor Otto Gaßner (UWG) sah es pragmatisch: Wenn der Antragsteller ein Recht habe zu bauen, dann müsse die Stadt das Einvernehmen erteilen, sagte er. „Die Vorgehensweise mit einem Bedrohungs-Bebauungsplan finde ich nicht nicht korrekt.“ Für Gaßner wohnen in dem Gebiet auch nicht zu viele Menschen, das Problem seien die vielen Autos. Es müsse eine Regelung für die Stellplätze gefunden werden. „Wir sind für die Bürger da“, sagte Franz Heidinger (BLS). „Und wenn es sich einfügt, sollten wir die Bürger unterstützen.“

Angelika Kammerl (CSU) hatte hingegen Verständnis für die Verwaltung. „Es geht nicht nur um den Bauwerber, sondern auch um die Umgebung“, sagte sie. Ähnlich äußerte sich Josef Pfister (BMS), der auch die „sehr ausgereizte Abstandsflächenplanung“ ansprach. Kritische Töne fand auch Ludwig Jägerhuber (CSU): Das Wohngebiet könne den ruhenden Verkehr aktuell schon nicht aufnehmen – „und in Zukunft gleich zweimal nicht“, sagte er. Mit einem Bebauungsplan lasse sich „eine qualifizierte und gute Entwicklung“ ermöglichen, die das Wohnquartier auch verdiene. Einen kleinen Seitenhieb auf die Maße der aktuellen Planung konnte er sich nicht verkneifen: „Wenn ich für die Bienen unterschreibe und dann diesen Grundriss sehe, kann ich nur sagen: Das Grundstück wird überflogen.“

Der Beschluss:Mit 8:5 Stimmen folgte der Ausschuss dem Vorschlag der Verwaltung, die Bauanträge zurückzustellen und den Bebauungsplan anzugehen. Mit Nein stimmten neben Gaßner und Heidinger auch Rudolf Zirngibl (CSU), Professor Günther Picker (WPS) und Marc Fiedler (FDP).

22 Reihenhäuseran der Berger Straße

Das Projekt:Acht Jahre ist es her, dass der Stadtrat die Ausweisung von Bauland auf der bisherigen Wiese südlich der Kirche St. Christophorus am Ortseingang beschlossen hat. Damals war noch von einer einzeiligen Bebauung mit Einfamilien- und Doppelhäusern die Rede. Seitdem gab es viel Stillstand, drei Bebauungsplanentwürfe und vier Gesprächsrunden mit den insgesamt 14 Eigentümern. Nun liegt ein Konzept vor, das eine verdichtete Bebauung in Form von fünf Reihenhauszeilen mit insgesamt 22 Reihenhäusern vorsieht, angeordnet jeweils im rechten Winkel zur Berger Straße.

Der Vorschlag:Zwar hat die Verwaltung durchaus Bauchschmerzen mit der neuen Idee, etwa die untypische Bebauung mit Reihenhäusern in Seenähe oder die eingeschränkten Möglichkeiten des individuellen Bauens. Auch befürchtet sie durch die Anordnung von Garagen und Stellplätzen zur Berger Straße hin Beeinträchtigungen des Ortsbildes. Dennoch schlug sie vor, auf Basis dieses Entwurfs ein Lärmgutachten erstellen und die Kosten der Baulandentwicklung kalkulieren zu lassen. Allerdings ist das an Bedingungen geknüpft: 50 Prozent des neu entstehenden Baulandes müssen sozialgerecht genutzt werden, ein Teil der Bauplätze muss nach Kriterien eines Einheimischenmodells vergeben werden, alle 14 Eigentümer müssen zuvor ein entsprechendes Eckpunktepapier unterschreiben.

Die Diskussion: „Ist das das, was wir an dieser Stelle wollen?“, fragte Ludwig Jägerhuber eher rhetorisch und gab die Antwort gleich mit: „Im Eingangsbereich von Percha kann das nicht das städtebauliche Ziel sein.“ Zudem handele es sich um die letzte größere bebaubare grüne Fläche in Percha. Auch Marc Fiedler äußerte „Bauchschmerzen mit den Reihenhäusern“, letzten Endes gebe es in Starnberg aber genügend Bedarf, sagte er.

Eva John (BMS) brach eine Lanze für die Eigentümer. Bei ihnen handele es sich ausschließlich um Familien, die in Percha beheimatet seien oder aus Percha kämen, sagte sie. Es gehe um „vornehmlich junge Leute, die sich hier wieder niederlassen wollen“. Von einem Bauträgerprojekt könne keine Rede sein. Den Vorschlag von Professor Otto Gaßner, das Thema zu vertagen und zunächst in den Fraktionen zu beraten, lehnte John deswegen auch ab. „Das wäre das falsche Zeichen und nimmt den Leuten die Perspektive“, sagte sie. Es sei sinnvoller, weiter zu planen, dann die Ergebnisse zu besprechen und gleichzeitig die Regularien für eine Sozialgerechte Bodennutzung (SoBoN) in Starnberg aufzustellen

Der Beschluss: Denkbar knapp folgte der Ausschuss mit 7:6 Stimmen dem Vorschlag Gaßners und vertagte das Thema. Neben dem UWG-Stadtrat stimmten auch CSU, Grüne, BLS und SPD dafür.

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