Einfach spitze ist das Ensemble der Kolpingbühne Starnberg; das haben die Mitglieder nun auch schwarz auf weiß. foto: franz marschner

Bayerischer Amateurtheaterpreis für die Kolpingbühne

Starnberg - Jetzt hat es die Kolpingbühne Starnberg schwarz auf weiß: Sie ist einfach spitze. Mit der letztjährigen Produktion „Die Bettleroper“ hat sie den Bayerischen Amateurtheaterpreis 2013 gewonnen.

Eigentlich ist es noch streng geheim, doch nun hörte man das Ensemble doch jubeln: Am 3. Mai werden alle Beteiligten der Kolpingbühne zur Verleihung in Martinszell im Allgäu anrücken. Neben einem Geldpreis können sich Josef Hiebl und seine Mannschaft den bronzenen „Larifari“ abholen. Damit kehrt der Kasperl nun in veredelter Form zurück an den Starnberger See.

„Wir haben uns riesig gefreut.“ Hiebl hört gar nicht auf, das zu betonen. Die Dotierung, der damit verbundene Workshop, all das sei nichts im Vergleich zu der Ehre, dass das kulturelle Engagement so geschätzt wird. „Für jeden einzelnen ist das eine Freudenfeier. Jeder spricht sofort darüber.“ Da müssen alle im Bus zum Festabend anrücken. Da ist das ganze Ensemble überwältigt.

Was es dafür geleistet hat, hat unter anderem der Starnberger Merkur in einer großen Serie gewürdigt. Zusammen mit den ganzen Artikeln, mit einem vorschriftsmäßig ungeschönten, ungeschnittenen Video aus der Zuschauerperspektive, mit Plakat, Rollen- und Programmheft, Bühnenchronik und Homepage-Adresse haben sich die Starnberger am 16. Dezember für den Preis beworben. Bis zum Fristende am 31. Januar reichten von den 644 Gruppen, die dem Verband Bayerischer Amateurtheater e.V. angeschlossen sind, 67 Bühnen ihre Unterlagen ein. Bei der ersten Ausschreibung des Preises vor zwei Jahren waren es nur 32 Bewerbungen, die Teilnehmerzahl hat sich also mehr als verdoppelt. Dass sich die Starnberger heuer gleich bei ihrem ersten Anlauf eine der drei gleichwertigen Trophäen (keine Kategorien) sichern konnten, hätten sie nicht gedacht. Oder doch?

„Es war schon ein außergewöhnliches Stück, das außergewöhnlich gut angekommen ist“, meint Hiebl. „Mich reden heute die Leute noch an.“ Die Bettleroper nach John Gay von Johannes Reitmeier zum Jubiläum der Kolpingbühne war die aufwändigste Aufführung in bisher 50 Jahren: Gesangsunterricht, Tanztraining, monatelange Proben, eigene Bühnenbauten und umfangreiche Kostüm- und Schminkvarianten standen dafür an. Vom Ergebnis kann sich die fünfköpfige Jury des Amateurtheaterverbandes - bestehend aus dem Landesspielleiter, Bezirksleitern und einem Theaterprofi - in einem Auszug bei der Preisverleihung nochmals live ein Bild machen. „Unvorsichtig, wie wir waren, haben wir die Bühne schon zerlegt und die Kostüme an den Verleih zurückgegeben. Jetzt müssen wir uns Teile wieder holen und ansonsten Szenen ohne große Utensilien spielen“, sagt Hiebl. Das wird das Hauptlied der Bettleroper sein, Macheath wird nochmals Hochzeit feiern, und auch die Schwarzen Witwen werden auftreten.

Am 3. Mai wird der Bayerische Rundfunk mit dabei sein, wenn die Starnberger endlich die genaue Begründung für ihre Auszeichnung erfahren. Dann werden sie auch die anderen beiden Bühnen mit dem Musical Noah und dem Stück „Thomas auf der Himmelsleiter“ miterleben und sich sicher manch Anregung holen. „Noch interessanter wäre es, wenn wir alle 67 Bewerbungen wüssten“, so Hiebl.

Laut offizieller Richtlinien sollen die Preisträger „mit ihrer künstlerischen Arbeit exemplarisch das bayerische Amateurtheater repräsentieren“ und „repräsentativ und zugleich wegweisend“ sein. Weitere Ziele des Preises sind ein Querschnitt durch die Vielfalt des Amateurtheaters und die Anregung eines „gesellschaftlichen Diskurses über die künstlerische Reflexion“. Der Verband unterstützt seine Aspiranten dabei auch mit vielen Workshops: Die Starnberger sind seit 1976 dabei und haben sich in Sachen Sprechtheater, Kostüme, Schminken, Bühnenbau, Improvisation, Stimmfindungen regelmäßig weitergebildet. Das hat sich also bezahlt gemacht.

Da drängt sich unweigerlich die Frage auf: Was kommt als nächstes? „Man darf nicht vergessen, es war unglaublich, was alle an Zeit für die Bettleroper aufgewendet haben. Das war das Dreifache einer normalen Produktion“, entgegnet Hiebl allen Erwartungshaltungen. „Letztes Jahr haben viele nicht mal Urlaub gemacht, da steht heuer ein Sabbatjahr an. Wir fahren den Aufwand zurück.“ Eine „kleine Besetzung“ mit rund 15 Beteiligten wird 2014 trotzdem wieder alles geben. Mit vorne weg: Josef Hiebl. „Mit der Stückauswahl bin ich schon ziemlich am Ziel.“ Mehr mag er noch nicht verraten. Nur eines: Es wird in eine ganz andere Richtung gehen. „Sobald es Vergleiche mit 2013 geben könnte, hätten wir verloren.“ Der Oscar wird ja auch jedes Jahr völlig neu vergeben. (fo)

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