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Mit ihren Gastfamilien verbringen die Starnberger auch den letzten Tag ihrer Reise in die Bretagne. Einen Teil der Gruppe betreut Margrit Perrier (1.v.l.). Die 2. Vorsitzende der Freunde Starnbergs organisiert die Treffen in Dinard seit fast 30 Jahren.

Es begann mit einer Liebesgeschichte

Starnberg/Dinard - Seit 34 Jahren besuchen sich Starnberger und Dinarder gegenseitig - Ein Austausch mit ungewöhnlichem Ursprung.

Margrit Perrier geht auf einem schmalen steinigen Weg, der in die Felsen entlang der Küste von Dinard eingehauen wurde. Unter ihr liegt der Strand, auf dem einige Muschelsucher unterwegs sind. Es riecht nach Meer. Der Wind bläst der 2. Vorsitzenden der Freunde Starnbergs die dunklen Haare ins Gesicht. Als sie sich zu der deutschen Gruppe umdreht, die sie durch die raue Landschaft führt, streicht sie sich die Haare aus der Stirn. „Sie wissen, wie die Partnerschaft zwischen Starnberg und Dinard zustande kam?“, fragt sie vorsichtig. Als ihrer Begleiter mit dem Kopf schütteln, beginnt sie die Geschichte zu erzählen.

Zu Besuch in Dinard: Bilder aus der Bretagne

Während des 2. Weltkriegs war ein deutscher Offizier namens Gerhard Blumenau in Dinard stationiert. Während seines Aufenthalts verliebte er sich in eine junge Französin aus Saint-Lunaire, dem Nachbardorf Dinards. Um seine Liebste zu schützen, hielt er die Beziehung vor den Franzosen geheim - denn die junge Frau wäre sonst von ihren Landsleuten als Verräterin angesehen worden. Ihre Liebe überdauerte den Krieg. Das Paar heiratete und zog nach Starnberg.

Als der ehemalige Starnberger Bürgermeister Heribert Thallmair vor fast 40 Jahren eine französische Partnerschaftsstadt für Starnberg suchte und erste Annährungsversuche zu einem Städtchen in der Nähe von Paris gescheitert waren, schlug ihm Gerhard Blumenau Dinard vor. Thallmair setzte sich mit dem Bürgermeister von Dinard, Yvon Bourges - der damals auch Verteidigungsminister Frankreichs war - in Verbindung. „So kam die Partnerschaft zwischen Dinard und Starnberg zustande. Man wollte sie, damit Krieg nie wieder passiert“, beendet Margit Perrier ihre Geschichte.

Seit dieser Zeit ist viel geschehen. Zum einen haben sich zwei Freundeskreise gegründet, die sich seit 34 Jahren jedes Jahr abwechselnd besuchen. Zum anderen gibt es einen Schüleraustausch zwischen den beiden Gymnasien. Seit neuestem stehen auch die jeweiligen Feuerwehren und Jugendzentren in Kontakt zueinander. Deshalb waren die Feuerwehrleute aus Dinard vom 1. bis 5. Juni in Starnberg und haben dort an Einsätzen teilgenommen.

„Wir haben die Delegation dieses Jahr statt Ende August während der Pfingstferien zu uns eingeladen, weil der Freundeskreis auch Jugendliche einbinden wollte“, erzählt Perrier. So traf es sich gut, dass die Zwillinge Christine und Eva Heuer vom Münchner Ruder- und Segelverein mit der Delegation in Dinard waren. Die 18-Jährigen repräsentierten nicht nur den Verein, sondern besuchten auch das Klinikum in Dinard. „Wir machen beide dort im Juli und August ein Praktikum“, sagt Eva. Sie und ihre Schwester haben das Abitur vor wenigen Wochen hinter sich gebracht und planen Medizin zu studieren.

Margrit Perrier ist glücklich über die Zusammenarbeit mit den Starnbergern. Etwas erschöpft aber lächelnd sitzt sie beim Abendessen und verputzt ihre Gänsekeule mit Bratkartoffeln. Um sie herum ist es laut. Die Starnberger sitzen mit ihren Gastgebern zusammen und reden über Familie, Essen oder Politik. „Genau das ist es, was für mich diesen Austausch so wertvoll macht“, sagt Perrier. „Es ist schön, mit unseren deutschen Freunden zusammenzusitzen und einfach zwanglose Gespräche zu führen.“

Marie-Anne Hollenz

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