Grünen-Gemeinderätin Verena Machnik kniet am Stauwehr des Lüßbachs bei Höhenrain.
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Grünen-Gemeinderätin Verena Machnik am Stauwehr des Lüßbachs: Tritt der Bach über die Ufer, bietet er Mücken ausreichend Raum, um ihre Larven abzulegen. Nach zwei, drei Wochen fallen die jungen Insekten dann über die Höhenrainer her.

Mechanisch gegen die Mücken

  • vonSandra Sedlmaier
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Die massive Stechmückenplage im August wird ein Nachspiel haben. Die Gemeinde Berg will prüfen, ob sie etwas gegen das Larvenwachstum im Moor unternehmen kann. Und zwar rein mechanisch, nicht mit Bakterien oder Chemie.

Höhenrain/Berg – Bürger aus Höhenrain, aber auch aus allen anderen Ortsteilen haben diesen August extrem unter den Mücken gelitten. Als Ursache machen einige Gemeinderäte die Flutmulde am Staudamm im Wald bei Höhenrain aus. Der soll nun untersucht werden, ob durch Abflüsse oder andere Maßnahmen die Wasseroberflächen und damit die möglichen Brutplätze für Mücken reduziert werden können.

Es war schlimm im August. Grünen-Gemeinderätin Verena Machnik berichtet von Mückenwolken vor ihrem Küchenfenster. „Man konnte um 12 Uhr mittags nicht hinausgehen. Die Kinder hatten nach fünf Minuten 20 Mückenstiche. Meine Tochter hat in Imkerausrüstung den Hasenstall sauber gemacht, sonst wäre sie völlig zerstochen worden.“ Machnik sieht einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Mückenplage und dem Hochwasser Anfang August. „Zwei Wochen später waren die Mücken da.“ Denn: Die Insekten legten ihre Eier auf den Wasserflächen ab, die das Hochwasser hinterlässt.

Seit der Staudamm am Lüßbach 2006 in Betrieb genommen worden sei, nehme das Mückenaufkommen massiv zu, stellte auch QUH-Gemeinderat Harald Kalinke aus Höhenrain fest. „Das Problem sollte man im Winter angehen“, forderte er. „Am besten mit dem Büro, das den Staudamm geplant hat.“ Und es sei beileibe kein reines Höhenrainer Problem, sagte Annatina Manninger (CSU): „Auch Aufkirchen ist wegen der Mücken nicht mehr lebenswert.“ Sissi Fuchsenberger (SPD) sagte: „Die Mücken sind überall Thema.“

2006 wurde der Staudamm am Lüßbach in Betrieb genommen. Seitdem geht der Lüßbach nicht mehr über die Ufer. Aber er breitet sich eben auch aus und bietet, bevor er im Moor versickert, umfangreiche Brutplätze für Mücken. Machnik schlug vor, einen Gutachter kommen zu lassen. „Vielleicht gibt es einen Weg, solche extremen Ereignisse zu vermeiden.“

Der Regen Anfang August war durchaus ein extremes Ereignis. „140 Liter pro Quadratmeter – die Leute hatten Panik, dass das Wasser ihre Keller erreicht“, erinnerte Bürgermeister Rupert Steigenberger. Mit solchen Regenereignissen und konsequenterweise den folgenden Mückenschwärmen müsse man leben, riet er.

Das sahen weite Teile des Gemeinderats anders. Kalinke schlug vor, das aufgestaute Wasser in einen Teich fließen zu lassen. „Dort könnten Fische die Larven wegfressen.“ Wenn ein Jahrhundertbauwerk wie der Damm im Naturschutzgebiet möglich gewesen sei, sollte es ein solcher Teich auch sein. „Es geht ja nicht um eine permanente Bekämpfung, sondern um eine Maßnahme“, sagte Kalinke. Der Bürgermeister hatte Zweifel. „Ein Teich für diese Fläche? Und es handelt sich um ein Moor – wenn ich es entwässern möchte, lege ich es trocken. Und das kann nicht gewollt sein.“

Peter Sewald, EUW-Rat und Landwirt aus Allmannshausen, erinnerte daran, dass es im Moor natürliche Feinde für die Mücken gebe. „Im Rückstaubecken gibt es die nicht.“ Deshalb könnte man dort eventuell sogar das mückenlarventötende Bakterium BTI einsetzen.

Die Mückenplage ist seit Jahren Thema in Höhenrain. Deshalb war auch eine Bekämpfung der Mücken mit BTI vor Jahren bereits Thema im Gemeinderat, wurde aber abgelehnt. Eben weil Hochwasser üblicherweise kleine Wasserflächen auf einer insgesamt großen Fläche hinterlassen. Da hätte das Bakterium nicht die gewünschte Wirkung entfalten können.

Jetzt soll sich der Ausschuss für nachhaltige Entwicklung damit beschäftigen. Imkerin Katrin Stefferl-Wuppermann (Grüne) fasste es zusammen: „Ich bin die letzte, die Insektizide ausbringen möchte. Aber einen Sachverständigen können wir uns doch dazu anhören.“

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