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Ein Sänger und der Schriftwechsel: Walter Leykauf zeigt die Dokumente seines Pickerl-Streits.

Aus dem Gerichtssaal

Der lange Streit ums Ösi-Pickerl

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Berg Wenn Sie nach oder durch Österreich in den Urlaub fahren, sollten Sie aufpassen, dass Sie das Pickerl richtig aufgeklebt haben. Ansonsten könnte es Ihnen gehen wie Walter Leykauf alias Sänger Patrizius aus Berg...

Die Strecke ist Walter Leykauf (74) nicht zum ersten Mal gefahren: die Lindauer Autobahn bis zum Ende, am Grenzübergang Hörbranz die österreichische (8,50 Euro) und die Schweizer Vignette (33 Euro) gekauft und angebracht, dann über die Rheintalautobahn an Bregenz vorbei weiter zu den Bekannten in die Schweiz. Was sich aus dieser Fahrt am 20. August 2014 jedoch entwickelte, ist erst vor wenigen Wochen, bald zwei Jahre danach, zum Ende gekommen. Und Walter Leykauf muss noch immer den Kopf schütteln. „Wir haben Freunde in Arosa besucht und waren zwei, drei Tage später wieder zurück“, erzählt er. Was nun folgt, nennt er einen Schildbürgerstreich.

21. November 2014: Die Bezirkshauptmannschaft in Dornbirn erlässt einen Strafbescheid über 300 Euro gegen Leykauf. Der geht dem Sänger aber nie zu, weil er damals für längere Zeit verreist ist.

3. Februar 2015: Die Vorarlberger haben offenbar erneut versucht, mit Leykauf Kontakt aufzunehmen. Er meldet sich per Mail: „Komme gerade wieder von einer Reise zurück und erfahre auf meiner Poststelle in Berg von einem Einschreibebrief (...), der automatisch retouniert wurde (...). Was ist der Grund Ihres Schreibens, benötigen Sie mich als Zeugen?“

23. Februar 2015: Die Bezirkshauptmannschaft Dornbirn meldet sich mit einer „Mahnung“. 305 Euro möge Leykauf nun zahlen. Wofür? In dem Brief steht darüber keine Silbe. Leykauf wendet sich an den ADAC-Verkehrsrechtsschutz: „Ich habe keine Ahnung, für was ich das bezahlen soll.“ Eine Kanzlei in Bregenz wird eingeschaltet.

Mai 2015: Langsam kommt Licht ins Dunkel. Die Österreicher werfen Leykauf vor, die Vignette nicht richtig angebracht zu haben. Er habe die Trägerfolie nicht komplett abgelöst, was theoretisch einen Weiterverkauf der Vignette ermögliche. Leykauf hält diesen Vorwurf für einen ausgemachten Schmarrn. „Sie klebte so fest an der Windschutzscheibe, dass ich mich beim Ablösen sogar am Daumen verletzt habe.“ Die Sache wandert vor Gericht.

17. Februar 2016: Das Landesverwaltungsgericht Vorarlberg beschäftigt sich mit der Angelegenheit. Der Mauteintreiber Asfinag behauptet weiterhin: „Die Vignette war nicht mit dem originären Kleber der Vignettenvorderseite an der Windschutzscheibe angebracht gewesen.“ Auf Fotos sei das schwarz aufgedruckte Kreuz der Trägerfolie klar ersichtlich.

30. März 2016: Leykauf versichert an Eides statt seine Version. „Die Schweizer Vignette klebte ganz oben links, die österreichische Vignette knapp darunter“, schreibt er.

12. Mai 2016: Das Landesverwaltungsgericht Vorarlberg mit Sitz in Bregenz kommt „Im Namen der Repubik“ zu dieser „Erkenntnis“: Leykaufs Beschwerde wird abgelehnt. Der Sänger mit Künstlernamen Patrizius („Das Starnberger See Lied“, „So wie damals Hermann Löns“) muss zahlen.

25. Mai 2016: Seine Anwälte weisen auf die einzigen noch möglichen Schritte hin: eine Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof oder eine außerordentliche Revision beim Verwaltungsgerichtshof. Leykauf lässt es gut sein.

Juli 2016: Walter Leykauf sitzt zu Hause in Berg und erzählt dem Starnberger Merkur die Geschichte. „So sehr ich Österreich liebe, das war für mich ein ganz grober Schildbürgerstreich“, sagt er. Demnächst will er wieder zu seinen Bekannten in die Schweiz. „Aber da müsste ich ja wieder durch Vorarlberg...“

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