Gottesdienst unter Obstbäumen: Der Apostolische Nuntius, Erzbischof Nikola Eterovic, hielt die Messe und die Predigt zum 125-jährigen Bestehen des Karmelitinnen-Klosters in Aufkirchen.
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Gottesdienst unter Obstbäumen: Der Apostolische Nuntius, Erzbischof Nikola Eterovic, hielt die Messe und die Predigt zum 125-jährigen Bestehen des Karmelitinnen-Klosters in Aufkirchen.

„Danke für euer Gebet“

  • VonSandra Sedlmaier
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Zum 125-jährigen Bestehen des Karmelitinnen-Klosters in Aufkirchen haben die Klosterschwestern hohen Besuch empfangen: Der Vertreter des Papstes in Deutschland, Erzbischof Nikola Eterovic, hielt am Samstag die Festmesse im Garten des Klosters.

Aufkirchen – Das Leben der Aufkirchner Schwestern spielt sich in Armut hinter den Klostermauern des Karmelitinnenklosters St. Josef ab. Kontakte nach außen gibt es kaum – umso besonderer war der Rahmen, mit dem die Schwestern das 125-jährige Bestehen ihres Klosters am Samstag begingen. Rund 100 Gäste besuchten den Gottesdienst, für den die Schwestern einen ganz besonderen Zelebranten eingeladen hatten. Der Päpstliche Nuntius in Deutschland, Erzbischof Nikola Eterovic, hielt die Festmesse zusammen mit zwölf Pfarrern aus der Umgebung in einer wunderbaren Atmosphäre: im gepflegten Klostergarten unter Obstbäumen vor dem mit roten Fahnen geschmückten Kloster und mit Blick auf die Marienstatue der Unbeschuhten Karmelitinnen.

Die Schwestern leben abgeschieden von der Welt und verbringen ihre Zeit vor allem mit dem Gebet, doch wie sehr sie im Leben verankert sind, zeigte die große Schar der Gäste. Unter den Freunden und Gönnern waren auch Herzog Franz von Bayern und Prinzessin Ursula von Bayern, Bürgermeister Rupert Steigenberger und Altbürgermeister Rupert Monn, Vertreter von Adelsfamilien, die das Kloster unterstützen, und der frühere Minister und Abgeordnete Dr. Peter Gauweiler. „Ihr Besuch ist uns eine große Freude“, sagte Pater Joseph Posch, der Spiritual des Klosters. „Es zeigt die Wertschätzung für ein gottgeweihtes Leben in der Kirche, für ein beschauliches Klosterleben.“

Ehrengäste und Jubilarinnen: Pater Joseph Posch (r.), Spiritual im Kloster, begrüßte die Schwestern und Gäste wie Bergs Bürgermeister Rupert Steigenberger (l.), Prinzessin Ursula und Herzog Franz von Bayern (vordere Reihe). 

Beschaulich im heutigen Sinne ist das Leben der Schwestern lange nicht gewesen. 1896 kam Mutter Maria Euphrasia mit sechs Karmelitinnen aus den Klöstern Wien-Baumgarten und Mayerling nach Aufkirchen, um das ehemalige Augustinerkloster zu übernehmen. Auf den Tag vor 125 Jahren, am 18. September 1896, zogen die Schwestern ein – übrigens bei ähnlichem Wetter wie am Samstag mit wolkenlosem blauem Himmel und milder Herbstsonne, wie aus Mutter Euphrasias Aufzeichnungen hervorgeht.

Der Anfang war für die Schwestern alles andere als leicht. Schon der Erwerb des Gebäudes war äußerst schwierig und kostspielig. Das alte Kloster aus dem Jahr 1688 neben der Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt war in sehr schlechtem Zustand und seit der Säkularisation 1803 nicht mehr bewohnt. Fast hätten die Schwestern angesichts der großen Probleme in den Anfangsjahren den Standort wieder aufgegeben, wie drei Schwestern nach der Messe in einer Ansprache berichteten, begleitet von den Streichinstrumenten der Harkirchner Musikerfamilie Schad. In dieser Zeit bekamen die Schwestern einen Brief des Regensburger Domdekans, der sie ermunterte: „Eine Klosterstiftung ist nicht in fünf, acht und zehn Jahren vollendet (...) Sie sollen ausharren in Geduld, es wird noch ein würdiger Karmel erstehen droben auf dem Berge und wird blühen Jahrzehnte und Jahrhunderte hindurch.“ Die Worte des Domdekans sollten sich erfüllen.

„Danken wir Gott für diese lange Zeit, selbst wenn es schwierige Zeiten im Konvent gegeben hat“, sagte der Päpstliche Nuntius. „Ich danke euch im Namen des Papstes für euer Gebet“, wandte er sich an die Schwestern, die dem Gottesdienst unter einem Zelt beiwohnten. „Liebe Karmelitinnen, seid gerufen, Gott ohne Unterlass zu rufen und in dem zu sein, was dem Vater gehört“, sagte er mit Bezug auf die Lesung aus dem Lukas-Evangelium über den zwölfjährigen Jesus im Tempel. „Wir haben nicht gegen Menschen zu kämpfen, sondern gegen die Mächte der Finsternis. Gott lässt uns nicht allein.“

Direkt nach dem Gottesdienst, den die Lüßbacher Blaskapelle musikalisch umrahmte, kündigte die Leiterin des Klosters, Schwester Veronika, die Bayernhymne an. „Als Dank, dass wir an einem so schönen Fleckerl Erde wohnen.“ Die Gäste sangen mit, und die Böllerschützen Aufkirchen schossen dazu ihre Böller ab. Ein anschließender Empfang fand nicht statt, wie Schwester Veronika bedauernd mitteilte. „Corona hindert uns, einen Imbiss mit Ihnen zu teilen.“

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