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150 Jahre Feuerwehr-Fortschritt und spektakuläre Einsätze: Die Geschichte der Berger Feuerwehr

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Von: Tobias Gmach

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Spektakulärer Einsatz: Am 23. Mai 2004 prallte die MS Starnberg in die Kaimauer am Hotel Schloss Berg. Die Feuerwehr rettete Verletzte.
Spektakulärer Einsatz: Am 23. Mai 2004 prallte die MS Starnberg in die Kaimauer am Hotel Schloss Berg. Die Feuerwehr rettete Verletzte. © Sabine Hermsdorf-Hiss

Die Freiwillige Feuerwehr Berg ist nun 150 Jahre alt. Durch ihre Geschichte ziehen sich technologische Quantensprünge und unvergessliche Einsätze. Ein schlaglichtartiger Rückblick zum Jubiläum.

Berg – Was nun seit 150 Jahren Bestand hat, begann mit fünf Männern: Ein Gärtner, ein Schuhmacher, ein Müller und zwei Ökonomen taten sich im Jahr 1872 zusammen und gründeten die Freiwillige Feuerwehr Berg. Ihre erste große Entscheidung besiegelten sie am 25. März 1873 – per Vertrag mit der königlichen Hof-Löschmaschinen-Fabrik. 800 Gulden kostete der „solid gebaute, gehörig beschlagene Wagen mit eisernen Achsen und einer absetzbaren Saug- und Druckspritze“. So steht es in der neuen Chronik der Feuerwehr zum Jubiläum. Ihr 150. fällt heuer zusammen mit dem 1200. der Ortschaft Berg und dem 100. des MTV. Deshalb ist von 24. bis 26. Juni ein großes Festwochenende geplant (wir berichteten).

Aus den fünf Männern – Josef Kagerbauer, Andreas Lang, Johann März, Georg Steigenberger und Christian Bader – wurden innerhalb weniger Jahre 45 Kameraden, die sich in Steiger, Spitzen- und Ordnungsmänner aufteilten. Der Erste Weltkrieg sollte die Mannschaftsstärke wieder auf 20 dezimieren – und der zweite einen tragischen, unvergesslichen Einsatz bringen. Am 20. September 1942 um etwa 0.45 Uhr schlugen in Aufkirchen drei Luftminen ein. Das Mesnerhaus direkt neben der Kirche am Standort des heutigen Kriegerdenkmals wurde völlig zerstört. Die Feuerwehrler eilten mit 25 Mann zur Einsatzstelle, versorgten Verwundete, bargen Tote und brachten Vieh und Inventar in Sicherheit. Unterstützt von Kameraden aus Allmannshausen, Bachhausen, Percha und Starnberg leisteten sie vier Tage lang Katastrophenschutzdienst.

Auf der Titelseite der Chronik prangt ein Meilenstein in der technologischen Entwicklung der Wehr: ein knallroter Bulli, das erste eigene Löschfahrzeug, das die Feuerwehr 1958 anschaffte. „Davor hatten wir einen Anhänger, den wir per Hand schieben mussten“, erinnerte sich der ehemalige Kommandant Georg Steigenberger 2020 im Gespräch mit dem Merkur. In jenem Jahr hatten die Kameraden den Oldtimer wieder reaktiviert, ihn in ein fahrendes Feuerwehr-Museum verwandelt. Zum Einsatz kommt es heute bei Hochzeiten und Ehrungen von Mitgliedern und natürlich im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten. Derzeit parkt der Bulli in der Remise des Bauhofs in Aufkirchen. „Aber dort ist es zu feucht“, sagt Vorsitzender Philipp Mehlich. Ein neuer Standort wird gesucht, möglichst eine trockene Garage.

Fahrendes Feuerwehr-Museum: Das erste eigene Löschfahrzeug aus dem Jahr 1958, einen knallroten Bulli, reaktivierten Mathias Berger, Udo Wieser, Marius Leschik und Frederik Höbart (v.l.) 2020 wieder.
Fahrendes Feuerwehr-Museum: Das erste eigene Löschfahrzeug aus dem Jahr 1958, einen knallroten Bulli, reaktivierten Mathias Berger, Udo Wieser, Marius Leschik und Frederik Höbart (v.l.) 2020 wieder.  © Andrea Jaksch

Nur zwei Jahre nach der Anschaffung des VW-Busses bezog die Wehr die für damalige Verhältnisse geräumige Fahrzeughalle an der Aufkirchner Straße 6. „Das Haus stößt an seine Grenzen“, sagt Mehlich heute. Die Anforderungen an die Feuerwehr sind mittlerweile um ein Vielfaches höher, die Fahrzeuge größer, die Parkplätze zu wenig, die Geräte mehr und die Ausbildung intensiver. Ein neues Feuerwehrhaus zu planen und zu bauen, das dauert, wie sich in anderen Gemeinden gezeigt hat. „Man muss das Thema anstoßen“, sagt Mehlich deshalb.

Zurück zur Geschichte: 1968 feierte eine Löschgruppe der Feuerwehr Berg einen besonderen Erfolg. Ihr wurde als erste im Landkreis für eine Prüfung das Leistungsabzeichen in Gold von Landrat Dr. Rudolf Widmann verliehen. In jenem Jahr, am 11. Januar, ereignete sich auch ein Großbrand auf einem Aussiedlerhof in Biberkor, „bei dem sich die mangelhafte Wasserversorgung als Hindernis für die Löscharbeiten herausstellte“, heißt es in der Chronik. In Erinnerung bleibt auch ein außergewöhnlicher Einsatz im Jahr 1978. Ein mit Raketen beladenes Militärfahrzeug kam von der Straße ab und kippte um.

Stand der Technik im Jahr 1968: die mechanische Kraftdrehleiter der Berger Feuerwehr.
Stand der Technik im Jahr 1968: die mechanische Kraftdrehleiter der Berger Feuerwehr. © Feuerwehr

Seit 1991 steht das Feuerwehrhaus nun so da, wie man es heute kennt. Damals wurde der Anbau mit Schlauchturm, zwei zusätzlichen Garagen, Stüberl („Flori-Alm“) und Lehrsaal fertiggestellt. Dazu kam eine Schlauchwaschanlage im Keller für alle Wehren in der Gemeinde und eine Atemschutzwerkstatt. Der nächste technische Quantensprung folgte zehn Jahre später mit der Anlieferung der Drehleiter DLK 18/12. Seit 2001 müssen die Kameraden den Korb nicht mehr per Hand einhängen und justieren – er ist computergesteuert. Apropos Fahrzeuge: Mit Freude erwartet wurde auch das LF10, das seit 2013 seinen Dienst tut. Das beginnende 21. Jahrhundert bescherte den Bergern mehrere Einsätze, von denen sie wohl noch in vielen Jahren erzählen werden. Am Sonntag, 23. Mai 2004, prallte die MS Starnberg in die Kaimauer am Hotel Schloss Berg, nur vier Tage nach der Einweihung des neuen Flaggschiffs der Seenflotte. Die Feuerwehr half bei der Rettung der 15 Verletzten.

Ähnlich spektakulär war der Dachstuhlbrand einer denkmalgeschützten Villa im Ortsteil Kempfenhausen im August 2012. Fast 100 Einsatzkräfte bekämpften das Feuer – und sie halfen dem Eigentümer, jede Menge Kunstschätze und Wertgegenstände aus dem Gebäude zu retten. Nicht mehr viel zu retten gab es am Handwerkerhof, der am 20. Mai 2018 im Ortsteil Manthal komplett ausbrannte. Über einen Tag lang spürten die Feuerwehrler auch noch das letzte Glutnest auf. Nun feiert der Verein mit rund 170 Mitgliedern Jubiläum. Bemerkenswert: Diese Zahl ist seit Jahren stabil.

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