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40 mal 40 Meter mit einem großen Innenhof, wo sich die Gemeinschaft trifft: So stellt sich Architekt Axel Frühauf ( r.) das inklusive Mehrgenerationenhaus auf Gut Biberkor vor. Experte Tobias Polsfuß (l.) ist überzeugt, dass das Projekt erfolgreich sein könnte. 

Gemeinderat begrüßt Engagement

Auf Gut Biberkor: Erstes inklusives Mehrgenerationenprojekt im Landkreis Starnberg

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Alt und jung, Menschen mit und ohne Behinderung leben zusammen und helfen sich im Alltag. Ein solches inklusives Mehrgenerationenhaus ist auf Gut Biberkor geplant.

Biberkor – Die Entwicklung von Gut Biberkor zu einem Ort, an dem Menschen mit und ohne Behinderung leben und arbeiten, ist der Traum von Werner von Kahlden-Gmell. Ein gutes Stück weit hat er ihn bereits verwirklicht. Die Montessori-Schule auf Gut Biberkor ist seinen Angaben nach mit 550 Schülern inzwischen die größte in Bayern. Der nächste Schritt ist für ihn ein inklusives Mehrgenerationenhaus. Im Gemeinderat am Dienstag stellten Fachleute Details dazu vor. Der Gemeinderat nahm die Berichte zur Kenntnis. Beschlüsse fielen keine.

Von Kahlden-Gmells Grobplanung ist bereits bekannt. Nördlich der Montessori-Schule will er ein inklusives Wohnprojekt und ein Haus der Stille, eine Art Kapelle, errichten. Im Süden soll Platz für eine kleine Landwirtschaft sein, damit die Menschen, die auf dem Gut leben, auch eine Arbeit haben. Das Projekt mit dem Inselhaus – ein Wohnhaus für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche – ist bekanntlich gestorben. Mit seinen Plänen will von Kahlden-Gmell auch an die Klostertradition anknüpfen: „Seit 1000 Jahren ist auf Gut Biberkor gelebt, gearbeitet und gewohnt worden – alles, was jetzt wieder kommen soll, bewusst für Menschen mit Beeinträchtigung.“ In Biberkor könnten Kinder mit Behinderung schon jetzt zur Schule gehen, demnächst auch eine Ausbildung machen und dann eben auch dort wohnen können.

Keine klassische WG, Gemeinschaftsräume stehen im Vordergrund

Als Experten für das inklusive Mehrgenerationenhaus hatte er den 26-jährigen Tobias Polsfuß mitgebracht. Polsfuß wohnt seit sechs Jahren in einer inklusiven Studenten-WG in München und ist Gründer der Online-Plattform Wohn:Sinn, ein deutschlandweites Bündnis für inklusives Wohnen. Menschen mit und ohne Behinderung wohnen zusammen, die ohne Handicap gehen denen mit Handicap zur Hand, sind auch nachts bei Notfällen verfügbar und zahlen dafür keine Miete. Tagsüber ist eine professionelle Betreuung dabei. Weil in Biberkor kaum Studenten wohnen würden, empfahl Polsfuß dort ein Mehrgenerationenhaus für Familien und Menschen mit Behinderung. „Mit 40 Jahren will man sich vermutlich nicht mehr unbedingt das Bad mit jemandem teilen“, sagte er. „Das wird dann keine klassische WG, sondern eine Hausgemeinschaft, bei denen die Gemeinschaftsräume im Vordergrund stehen.“

Wie dies aussehen könnte, stellte Architekt Axel Frühauf vor. Ein eingeschossiger, an ein Kloster oder einen Vierseithof erinnernder Bau mit Satteldach duckt sich in die Senke zwischen den beiden Hügeln dort – so seien Barrierefreiheit und die Blickbeziehung nach Aufkirchen gesichert. Frühauf denkt an eine Wohngemeinschaft und sieben weitere Wohneinheiten.

Der Gemeinderat begrüßte das Projekt grundsätzlich, doch wurde auch Kritik an den Plänen laut – schließlich liegt das Areal gänzlich im Außenbereich. CSU-Fraktionschef Andreas Hlavaty mahnte an, dass der Sportplatz für die Schule immer noch nicht fertig sei, ebensowenig die Herstellung des Laurentiwegs. Das hänge mit den Erweiterungsplänen zusammen, sagte der Geschäftsführer des Montessori-Vereins, Christoph Borchardt. Sobald der Kuhstall Schulräumen für die Oberstufe gewichen sei, könnten die Container vom künftigen Sportplatz verschwinden, bestenfalls schon Ende 2021.

Robert Wammetsberger (CSU) möchte verhindern, dass das Mehrgenerationenhaus mangels Nachfrage irgendwann doch lukrativ als Eigentumswohnungen verkauft werde. Dem sei ein Riegel vorgeschoben, weil das ganze Areal in eine öffentliche, gemeinnützige Stiftung eingehen soll, erwiderte von Kahlden-Gmell.

Das inklusive Wohnprojekt wäre das erste dieser Art im Landkreis. Der Gemeinderat begrüßte das Engagement von Kahlden-Gmells. Inklusionsbeauftragte Sissi Fuchsenberger sagte: „Ich bin viel in der Inklusionsszene unterwegs. Biberkor und Berg ist dort ein Begriff. Es wäre schön, wenn wir das weiterführen könnten.“

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