Leer, eingezäunt und ohne fertigen Dachstuhl bereitet das Anwesen an der Dürrbergstraße in Assenhausen der Gemeinde Sorgen.
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Leer, eingezäunt und ohne fertigen Dachstuhl bereitet das Anwesen an der Dürrbergstraße in Assenhausen der Gemeinde Sorgen.

Verwaltungsgerichtsklage

Baudrama in der Idylle

Eine erloschene Baugenehmigung von 1924, ein offener Dachstuhl und ein eingestellter Bau ohne Aussicht auf Wiederaufnahme der Arbeiten: Dieses Drama spielt sich seit drei Jahren in Assenhausen ab.

Assenhausen – Die Dürrbergstraße in Assenhausen ist eine der schönsten Straßen in Berg. Alte Bäume, gepflegte alte Häuser, eine kleine Kapelle. Aber seit drei Jahren stört eine Baustelle die optische Idylle. Das Anwesen Dürrbergstraße 36 steht leer und ist eingezäunt, der südliche Balkon fehlt, der Putz ist zum Teil abgeklopft. Eine unschöne Sperrholzwand grenzt das Grundstück zur Straße ab. Vor allem aber ist der Dachstuhl nur zur Hälfte fertig, fast vorwurfsvoll ragen Balken in den Himmel.

Das wird wohl noch eine Zeit lang so bleiben. Jetzt hat der Berger Gemeinderat dem Bauantrag des Eigentümers wieder das Einvernehmen verweigert – zum dritten Mal. Das Problem: Es gibt keine gültige Baugenehmigung für das Gebäude. Das Landratsamt teilt die Auffassung der Gemeinde. Der Eigentümer hat dagegen geklagt, ein Verfahren vor dem Verwaltungsgericht ist anhängig, wie Landratsamtssprecherin Barbara Beck bestätigt.

Eine Diskussion gab es vor der einstimmigen Ablehnung des neuerlichen Bauantrags auf Erneuerung der Dachkonstruktion und der südlichen Loggia in der jüngsten Berger Ratssitzung nicht. Denn die Rechtslage ist klar. Es gibt zwar eine Baugenehmigung aus dem Jahr 1924, aber der tatsächliche Bestand sieht anders aus. Der Bestandschutz ist erloschen, weil bereits am Dachstuhl gearbeitet wurde. Deshalb sei das Vorhaben wie ein Neubau zu werten – und dann fehlen Abstandsflächen und neun der vorgeschriebenen zwölf Stellplätze für die aktuell vorhandenen sechs Wohnungen, teilte Beatrix Neubert vom Berger Bauamt mit.

Die Tragik brachte Jonas Goercke (QUH) auf den Punkt. „Was ist die Perspektive für dieses Haus, das seit drei Jahren mit offenen Dachstuhl dasteht?“ Eine Antwort darauf gibt es nicht. Zwar versicherte Bürgermeister Rupert Steigenberger, dass man versuchen werde, zusammen mit dem Landratsamt eine einvernehmliche Lösung zu finden. Wie die aussehen könnte, konnte er nicht sagen. „Hier steht man vor einem Debakel, das wir nicht angerichtet haben.“

Werner Streitberger (SPD) fürchtete, dass aufgrund der unfertigen Baustelle etwas passieren könnte. Die Sicherheit sei Sache des Bauwerbers, betonte Steigenberger. Und der Gemeinderat sei an der Situation keineswegs schuld, unterstrich Dr. Andreas Ammer (QUH): „Der jetzige Zustand wurde vom Eigentümer sehenden Auges hergestellt.“ Am Haus hätten die Arbeiten begonnen, „obwohl wir gesagt haben, das geht nicht“.

Vizebürgermeister Andreas Hlavaty (CSU) wurde noch deutlicher: „Wir können die geltende Rechtslage nicht wegdiskutieren.“ Stellplätze und Abstandsflächen seien zwingend notwendig, da brächten auch Gespräche mit dem Landratsamt keine Besserung. „Die einzige Lösung ist Abriss und Neubau“, stellte er knallhart fest. „Dann sollten wir ihm das sagen und nicht warten“, forderte Streitberger. „Jeder macht mal Fehler.“

Katrin Stefferl-Wuppermann (Grüne) fand die Situation besonders bedauerlich, „weil hier sechs bezahlbare Wohneinheiten geschaffen werden“. Dritte Bürgermeisterin Elke Link (QUH) bremste diese Erwartungen: Ob die Wohnungen bezahlbar werden, sei dahingestellt.

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