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1200-Jahr-Feier und Spatenstich fürs Rathaus

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Von: Sandra Sedlmaier

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Bürgermeister am Huberfeld: Hinter Rupert Steigenberger ist die Stelle zu sehen, wo das neue Rathaus entstehen wird. Heuer ist Spatenstich, Ende des Jahres sieht es dort voraussichtlich schon ganz anders aus.
Bürgermeister am Huberfeld: Hinter Rupert Steigenberger ist die Stelle zu sehen, wo das neue Rathaus entstehen wird. Heuer ist Spatenstich, Ende des Jahres sieht es dort voraussichtlich schon ganz anders aus. © Andrea Jaksch

Im Gespräch mit dem Starnberger Merkur fordert Bergs Bürgermeister Rupert Steigenberger wertschätzenden Umgang ein.

Berg – 2022 wird ein wichtiges Jahr für die Gemeinde Berg. Der Bau des Rathauses startet voraussichtlich im Sommer – viel früher als geplant – und wenn Corona es erlaubt, gibt es ein schönes Jubiläum zu feiern: 1200 Jahre Berg, 150 Jahre Feuerwehr und 100 Jahre MTV Berg. Wir sprachen mit Bürgermeister Rupert Steigenberger über die anstehenden Projekte und warum es zwischen Verwaltung und Gemeinderat zwischendurch nicht ganz rund läuft.

Was zeichnet Berg aus?

Die Vielfältigkeit. Es gibt kaum eine Gemeinde, die eine so unterschiedliche Bevölkerung hat, so unterschiedliche Ortschaften und Bewohner. Bei den Höhenrainern gibt es einen großen Zusammenhalt, Berg hat eher die Tendenz zum reinen Wohnort, in Kempfenhausen und am See ist Geld zuhause. In Farchach haben wir eine landwirtschaftlich geprägte Ortschaft. Auch kulturell ist die Gemeinde sehr breit aufgestellt, von der Klassik bis hin zum Brauchtum. Hier gibt es für jeden etwas.

Heuer feiert Berg sein 1200-jähriges Bestehen. Was ist bis jetzt geplant?

Die Planungen sind geprägt von Corona. Im Moment hoffen wir und arbeiten im Planungsteam darauf hin, dass wir im Juni ein wunderschönes Wochenende haben werden. Am Samstag, 25. Juni, will der MTV zu seinem 100. Jubiläum ein Fußballturnier organisieren, und am Sonntag, 26. Juni, steht der Tag im Zeichen von Kirche und Feuerwehr, die ihr 150. Jubiläum feiert. Die Kirche in Berg ist die älteste im Landkreis. Sie wurde im Jahr 822 erstmals urkundlich erwähnt. Mit der Kirche wurde auch Berg erstmals genannt. Geplant sind ein Festzug, ein Gottesdienst und ein Fest im Freien.

Corona verlangt uns allen sehr viel Flexibilität ab, und auch Ihr Gemeinderat verlangt dies von Ihnen. Das zeigte sich zuletzt, als das inklusive Mehrgenerationenhaus auf Gut Biberkor abgelehnt wurde. Was ist da los?

Ich kann das Verhalten des Gemeinderats, insbesondere was die Planungen auf Gut Biberkor betrifft, nicht ganz nachvollziehen. Ich habe ja auch anders abgestimmt als die Mehrheit. Im Großen und Ganzen sind wir uns einig, was wir wollen. Aber wir sind 21 Ratsmitglieder mit je einer eigenen Meinung. Wir haben zwar eigentlich das gleiche Ziel, nur der Weg dahin ist unterschiedlich. Das zeigt sich gut an dem Beschluss zu Biberkor: Grundsätzlich finden das Projekt alle gut, aber die einen sagen, es geht dort, die anderen nein, es geht nur hier. Wir müssen aber daran arbeiten, dass wir als Gemeinderat ein glaubwürdiges und verlässliches Gremium darstellen.

Gibt es eine Chance, dass man ein kleines Stück im Norden von Biberkor doch für das Projekt erlaubt, um es nicht ganz sterben zu lassen?

Vom ebenfalls dort ursprünglich geplanten Haus des Friedens war ja ohnehin schon nicht mehr die Rede. Deshalb im Norden eher nein. Aber ich bin erleichtert zu hören, dass der Bauherr, wie vom Rat einstimmig angeregt, weitermachen möchte und daher besteht vielleicht noch eine Chance im Süden, also im Umgriff des bestehenden Bebauungsplans.

Die Kooperation zwischen Verwaltung und Gemeinderat läuft nicht immer rund. Woran liegt das?

Manche Ratsmitglieder betrachten den Gemeinderat nur als politisches Gremium. Das ist er zwar auch, aber gleichzeitig ist er auch ein Exekutiv-Organ der kommunalen Selbstverwaltung, etwa wenn es um eine Baugenehmigung geht. Gerade hier zeigen sich die größten Differenzen. Der Gemeinderat möchte oft einem einheimischen Bauwerber helfen. Die Verwaltung ist darum bemüht, alle Antragsteller gleich zu behandeln und hält sich an die Vorgaben von Gesetz und Rechtsprechung, da man nur mit einer klaren Linie Präzedenzfälle vermeiden kann.

Ist das Holpern zwischen Verwaltung und Gemeinderat auch Corona geschuldet?

Ja, eindeutig. Es fehlt das berühmte Bier nach der Sitzung, wo man nochmals über die Sitzung redet und sich über weitere Themen austauscht. Es ist aber schon besser geworden, die Klausurtagung in Obing im Sommer hat uns da sehr geholfen. Die persönliche Kommunikation kann einfach keine Videokonferenz ersetzen.

Das Wohnprojekt an der Osterfelderstraße mit 30 bezahlbaren Wohnungen ist dagegen auf einem guten Weg, trotz Proteste.

Bei diesem Projekt war der Gemeinderat immer schon eindeutig dafür. Ich habe selbst nie geleugnet, dass das ein schwieriger Standort ist. Doch das ist der Standort, der am geeignetsten erscheint. Warten geht nicht, weil wir einen so großen Bedarf an bezahlbaren Wohnungen haben. Wir haben das letzte halbe Jahr damit verbracht, uns so aufzustellen, dass das Projekt auch gerichtsfest ist - falls die Gegner des Standorts doch klagen wollen.

Was sind die schönen Projekte für 2022?

Das Feuerwehrhaus in Farchach wollen wir erweitern, die E-Ladesäulen errichten und die Sanierung des Wasserhochbehälters in Aufkirchen angehen. Wir sind auch noch damit beschäftigt, den richtigen Punkt für den Brunnen zwischen Martinsholzen und Manthal zu finden. Das Ergebnis der Probebohrungen ist noch nicht optimal.

Was ist mit dem Kanal in Mörlbach?

Das Projekt, Mörlbach mit einem Trenn-System an den Ringkanal anzuschließen, ist anspruchsvoll. Dort wollen wir heuer anfangen. Aktuell geht es um die Grundstücksverhandlungen und um die Anpassung der Planungen – zum Beispiel klappt es nicht wie geplant, das Wasser von der Ickinger Straße zur Pumpstation zu transportieren. Wir brauchen im Straßenbereich auch noch Grund, da sind wir auf einem guten Weg. 2022 wird es aber voraussichtlich losgehen. Auch die Straße im Gewerbegebiet am Lüßbach in Höhenrain quält uns. Da haben wir jetzt ein Jahr verloren, weil die Regenwasserentwässerung ein Leitungsrecht benötigt. Wir arbeiten daran.

Was ist mit dem größten Projekt der Gemeinde, dem Rathaus?

Das läuft gut. Wir wollten ja Anfang 2023 zu bauen beginnen. Aber so wie es sich abzeichnet, wollen wir Mitte dieses Jahres starten.

2022 will die Gemeinde Berg einen Klimamanager einstellen. Was muss der können?

Das ist die Frage. Wir werden mit anderen Kommunen reden und das auch im Gemeinderat diskutieren. Ich halte für am wichtigsten, wo wir am meisten und effizient CO2 einsparen können, weil das unser drängendstes Problem ist. Er oder sie braucht die Werkzeuge für einen entsprechenden Plan.

Wird sich die Kindergartensituation durch den neuen Waldkindergarten entspannen?

Nein, auch wenn der Waldkindergarten sehr zu begrüßen ist. Wir haben in Aufkirchen im Montessori-Kindergarten baulichen Bedarf, die würden gerne eine zusätzliche Gruppe haben, die wir auch brauchen könnten. Und uns beschäftigt der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule ab 2026. Das hat der Bundestag beschlossen, aber kein Mensch sagt, wie das angeboten werden soll und wer welche Kosten trägt.

Auch für den Kindergartenplatz gibt es einen Rechtsanspruch.

Ja, aber dort brauche ich qualifiziertes Personal, das brauche ich im Hortbereich vielleicht nicht so zwingend. Wenn ich etwas bauen muss, um den Rechtsanspruch für die Ganztagsbetreuung in der Grundschule zu sichern, hätte ich gerne eine Förderung. Im Moment warten wir auf die Rahmenbedingungen.

Wie sieht es beim Feuerwehrhaus Höhenrain aus?

Für dieses Thema hätte ich gerne finanzielle Planungssicherheit. Es nützt nichts, wenn wir jetzt eine fertige Planung haben, aber es erst in fünf Jahren bauen können. Bis dahin haben sich möglicherweise die Anforderungen wieder geändert.

Für die Bürger gibt es finanziell zwei große Neuerungen: die Erhöhung der Grundsteuer und die Zweitwohnungssteuer. Gab es Reaktionen?

Aus der Bevölkerung habe ich zur Zweitwohnung eine Reaktion – der Bürger meinte, er habe ja gewusst, dass diese Steuer kommen würde. Er wollte dafür aber gerne eine Zufahrtsberechtigung für die Assenbucher Straße (lacht). Zur Grundsteuer habe ich gar nichts gehört.

Wo könnte die Gemeinde denn noch sparen?

Ich sehe uns in Berg als sehr sparsame Verwaltung an. Der Teppich im Bürgermeisterbüro zum Beispiel ist schon dreimal abgeschrieben.

Wo sehen Sie Probleme in Berg?

Beim wertschätzenden Umgang miteinander. Es ist nicht immer nur der Münchner, der zu schnell fährt oder falsch parkt am See. Jeder hat die Regeln gelernt, wieso halten wir uns nicht daran? Egal, ob ein Hundebesitzer den roten Beutel am Weg liegen lässt, ein Autofahrer in der Kreuzung parkt oder die Leute meinen, sie müssen dem Nachbarn das Segelboot vors Haus stellen. Diese vielen Sachen, bei denen wir wissen, dass wir sie nicht tun sollen. Zu mir kommen viele, die sich über andere beschweren, aber nie jemand, der sagt: „Das werde ich in Zukunft besser machen.“

Was wünschen Sie sich fürs neue Jahr?

Weiterhin viel Geduld und dass die Zündschnur wieder länger wird bei denen, die von Corona sehr geplagt sind. Corona macht uns das Leben immer noch so schwer, deshalb wünsche ich mir, dass es sich endlich erledigt.

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