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Öffnen ihre Ateliers : Lucie Plaschka, Hans Panschar, Roman Wörndl, Dazze Kammerl, Andreas Huber und Juschi Bannaski (v.l.). 

Kunstveranstaltungen in Berg und Icking

Kreuz und quer zu aufgeräumten Ateliers

Die Ateliertage in Berg und Icking gehen wieder los. An diesem und am nächsten Wochenende finden sie jeweils samstags und sonntag von 12 bis 18 Uhr statt.

Berg – „Kreuz und quer“ ist heuer das Motto der Ateliertage in Berg und Icking, die an diesem und am folgenden Wochenende stattfinden (samstags und sonntags 12 bis 18 Uhr). Viel hin und her fahren muss man aber nicht, schon gar nicht kreuz und quer, um all die Ateliers aufzusuchen. Wenn das Wetter mitspielt, verspricht der Besuch der Künstler ein spektakuläres Farbenfeuerwerk zu werden, drinnen wie draußen. Sechs Ateliers liegen jenseits der A 95, die restlichen acht beherbergen zehn Künstler aus dem Landkreis. Die Tour geht von Farchach über Aufkirchen und Aufhausen bis Allmannshausen,

Los geht es in Farchach bei Gert Jäger, der heuer mit 77 Jahren gestorben ist. Sein Sohn Franz sperrt die Künstlerwerkstatt noch einmal auf. Alles ist so, wie es war. Ausgehöhlte Baumstämme stehen dort, entkernt, geschält, gebeizt, geschliffen oder roh. Zum ersten Mal zeigt die Familie einige wenige Stücke aus der Sturm- und Drangzeit des Holzbildhauers, was die Ausstellung zu einer kleinen Retrospektive aufwertet. Da wurden in jungen Jahren noch Maschinenteile mit Natur-Fundstücken zu Skulpturen umgebaut, ein Ochsenhorn auf einen Eisenzylinder montiert, ein Fuchsschädel in einen Schreibmaschinenkopf eingebaut oder aber auch mal große Landkarten übermalt.

Sein Atelier hält Dazze Kammerl ordentlich

Chaos, Durcheinander, kreuz und quer – „das gibt es nicht bei mir“. Dazze Kammerlreiht alles in seinem Atelier auf- und aneinander. Auf den Fensterbrettern stehen Glasflaschen nach Größe und Farbe sortiert, seine Bilder liegen als Tableau auf dem Zeichentisch aus, die Grafiken sind in klarer, schlichter Bildsprache gehalten und hängen ordentlich an den Wänden. Darauf ineinander verschlungene Fantasie-Schriftzeichen, tanzende Linien, die mit farbigen Flächen aufgefüllt werden. Sie überzeugen durch das ausgewogene Zusammenspiel von Farbe, Form und Linie. Auch seine Objekte wirken ruhig, obwohl sie ganz schön Lärm machen können, weil sie seiner zweiten Leidenschaft, dem Trommeln, gelten.

Lucie Plaschkas Vorschlag zum Thema sind Flechtarbeiten aus Papierstreifen. Aber „Unordnung mag ich nicht mehr“. Also legt die Künstlerin ihre übermalten Spielkarten, mit denen sie sich dem ganz kleinen Format widmet, zu ordentlichen Tableaus aus und schafft so einen inneren Zusammenhang. „Die Ungeduld ist mein Widersacher“, sagt die Künstlerin, die Patiencekarten übermalt und manches Mal mit Schalk im Nacken zu Werke geht, wenn sie ihren Schabernack treibt.

Tüftler Roman Wörndl hat unter anderem ein Guckkastensystem erfunden

Roman Wörndl ist der technische Tüftler unter den Künstlern. Diesmal hat er ein Guckkastensystem erfunden, mit dem der Betrachter um die Ecke schauen kann. Man kommt also in den Raum, geradeaus ein Gemälde, davor der Guckkasten, ein Ding wie eine alte Boxkamera. Schaut man aber durch, sieht man ein Bild, das an der rechten oder linken Wand hängt. Jeder, so viel sei versprochen, traut seinen Augen nicht und fängt an, seine Wahrnehmung nochmals zu überprüfen. Wie hängt das Bild noch mal? Was stimmt denn jetzt?

„Jeden Tag eine Postkarte zeichnen.“ Das war der große Vorsatz der letzten Indonesienreise vonJuschi Bannaski. „Dieses Postkartenzeichnen nehme ich viel ernster als einen Skizzenblock“, sagt die Künstlerin, die diese Serie als eine Übung im Assoziieren versteht. Es ist also eine Schule, wo die Gedanken frei fliegen dürfen und der Betrachter gerne mit auf die Reise der Urlaubserinnerungen geht.

Andreas Huber fertigt altmeisterliche Stillleben an

Andreas Huber ist der einzige Fotograf bei diesen Ateliertagen, der ursprünglich aus der Naturfotografie kommt und mit seinen altmeisterlichen Stillleben als Lichtmaler begeistert. Türkische Kaffeekanne mit Granatapfel, Hortensien und Samtdecke und das alles vor tiefschwarzem Hintergrund schaffen eine geheimnisvolle Atmosphäre. „Davon bin ich jetzt weg“, sagt der Künstler. Ganz richtig ist es nicht. Denn der Natur und den Pflanzen bleibt er verbunden und vakuumisiert nun Blumensträuße. Er schweißt sie in Gefriertüten ein, zieht die Luft raus, die Folien legen sich um die zarten Blütenblätter wie Lack und dann wird das Ganze fotografiert. Bei Huber (nur zweites Wochenende) findet man auch die beiden Gäste Susanne Polewsky, die eine Installation aufbauen wird, und die Malerin Karin Schmitz, die im großen Format Farbwelten schafft.

„Kreuz und quer taucht bei mir immer auf.“ Hans Panschars Beitrag sind zwei raumhohe, mit Löschkalk gefärbte Leitern, die dem gekreuzigten Jesus nachempfunden sind. Dazu Bergmassive, die aus Holzblöcken geschnitten sind, wuchtige, massive Skulpturen, auch schon mal aus einem Stück Eiche eines vom Blitz gefällten Baums gesägt, dessen Naturgewalt sichtbar bleibt, ohne den Betrachter im Gesamteindruck zu „erschlagen“.

Mehr Informationen und Adressen der Ateliers im Internet unter www.atelier-tage.de.

von Astrid Amelungse-Kurth

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