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Mehrere Millionen Euro teure Villa am See: Ein Fall für die Abrissbirne?

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Von: Sandra Sedlmaier

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Einzige Villa in der ersten Reihe: Dieses Haus an der Seestraße steht im Außenbereich, hat wegen Arbeiten an der Fassade seinen Bestandsschutz verloren und müsste deshalb abgerissen werden. Vermutlich wird es zunächst ein Fall fürs Gericht.
Einzige Villa in der ersten Reihe: Dieses Haus an der Seestraße steht im Außenbereich, hat wegen Arbeiten an der Fassade seinen Bestandsschutz verloren und müsste deshalb abgerissen werden. Vermutlich wird es zunächst ein Fall fürs Gericht. © Andrea Jaksch

Ein Haus im Wert von mehreren Millionen Euro an der Seestraße in Berg könnte ein Fall für die Abrissbirne werden. Der Eigentümer hat bei einer Renovierung in die Statik eingegriffen – und damit den Bestandsschutz verloren. Für das Kreisbauamt und das Berger Rathaus ist die Bewertung der Sachlage eindeutig.

Berg – Die Villa, um die es geht, steht direkt an der Seestraße in Berg. Nach Auffassung des Bauamts der Gemeinde Berg und des Landratsamts hat sie ihren Bestandsschutz verloren, weil der Eigentümer bei Renovierungsarbeiten in die Statik des Gebäudes eingegriffen hat. Die Aussicht auf eine neue Baugenehmigung ist schlecht. Deshalb könnte es passieren, dass das Gebäude abgerissen wird. Vermutlich geht es erst vor Gericht.

Die fragliche Villa ist die einzige in dieser Lage an der Seestraße, alle Nachbarhäuser stehen ein Stück abgerückt von der Straße und vom See. Die Grundfläche beträgt 324 Quadratmeter, das zweigeschossige Gebäude verfügt über ein Schwimmbad. Sowohl das Villengrundstück als auch die benachbarten, nicht bebauten Areale liegen baurechtlich im Außenbereich und im Landschaftsschutzgebiet. Und sie sind per Bebauungsplan als private Grünflächen festgelegt. Sprich: Ein Antrag auf Baugenehmigung hat wenig bis gar keinen Erfolg. Das sei so gewollt, sagte Bauamtsleiterin Beatrix Neubert im Gemeinderat. „Das hat man bei der Erstellung des Bebauungsplans berücksichtig – wenn das Gebäude mal untergeht, ist es weg.“ Heinz Rothenfußer (Grüne) wollte es genau wissen: „Das heißt, wenn der Bestandsschutz erloschen ist, muss es abgerissen werden?“ Genau, sagte Neubert.

Eigentümer gefährdet Bestandsschutz seines Hauses

Dieser Zeitpunkt scheint nun gekommen zu sein. Zwar hatte sich der Eigentümer vor den Arbeiten an seinem Haus im Bauamt erkundigt, was zulässig ist. „Es ist Standard, dass wir darauf hinweisen, dass man an Fenster und Türen etwas machen darf, nicht aber in die Statik eingreifen“, sagte Neubert auf mehrfache Nachfrage von Ratsmitgliedern. Die konnten kaum glauben, dass jemand wissentlich den Bestandsschutz seines Hauses gefährdet. Noch dazu in dieser Lage, da gehe ein enormer Wert verloren, stellte Jonas Goercke (QUH) fest.

Genau das habe der Bauherr aber getan, weil er Teile der Fassade zerstört habe, berichtete Bürgermeister Rupert Steigenberger. Er hatte sich an die Baukontrolleure des Landratsamt gewandt, nachdem ein Nachbar auf die Arbeiten an der Villa aufmerksam geworden war. Die Baukontrolleure stellten die Arbeiten im Mai vergangenen Jahres ein. „Die Stellungnahme des Landratsamtes ist eindeutig: Einen Bauantrag zu stellen, hätte keinen Erfolg“, so Steigenberger. „Es war äußerst unklug, an dieser Stelle vollendete Tatsachen zu schaffen.“

Konkret ging es dem Eigentümer darum, seinen feuchten Keller trockenzulegen und ein Schwimmbad einzubauen, wie Neubert sagte. Hätte er für den feuchten Keller einen Bauantrag gestellt und hätte er darin die Notwendigkeit nachgewiesen, hätte er entsprechende Arbeiten durchführen dürfen.

Ein Antrag auf Genehmigung zur Sanierung der Villa fiel im Gemeinderat durch. Das Landratsamt werde auch so entscheiden, prophezeite Bürgermeister Steigenberger. Er schätzte, dass der Eigentümer klagen wird. „Das ist ein Riesenwert, das geht sicher vor Gericht.“ edl

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