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In der Flüchtlingsunterkunft in Berg wohnen derzeit 85 Menschen, weitere sind in Wohnungen untergebracht. Insgesamt betreut der Asylhelferkreis Berg derzeit 108 Personen.

Integration

Berg schießt Geld für  Asylberater zu

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Die Gemeinde Berg will die Betreuung von Geflüchteten in der Gemeinde erweitern und eine Beraterstelle der Inneren Mission finanziell aufstocken. Damit folgt sie einer Bitte des Asylhelferkreises.

Berg– Aus der Flüchtlingsunterkunft in Berg dringt wenig an die Öffentlichkeit. Es läuft rund – vor allem dank der Hilfe der vielen Ehrenamtlichen. Nun wird deutlich, dass sie nach dem Ausscheiden des früheren Helferkreis-Chefs Iradj Teymurian an ihre Grenzen stoßen. Mit einem Antrag an die Gemeinde Berg für eine Vollzeitstelle für die Flüchtlingsbetreuung als Ersatz für Teymurian hat der Helferkreis am Dienstag keinen Erfolg gehabt. Gemeinderat und Helfer einigten sich aber auf ein Vorgehen, das erfolgversprechend wirkt. Die Stelle des Mitarbeiters der Inneren Mission, der in Berg ohnehin Flüchtlinge betreut, soll auf 50 Prozent aufgestockt werden. Die Gemeinde investiert dafür 20 000 Euro.

„Wir hätten uns eine ganze Stelle gewünscht“, sagte Eva-Maria Marxen vom Helferkreis nach der Ratssitzung. „Aber das ist ein guter Anfang. In einem halben Jahr kann man weitersehen, wie es sich entwickelt.“ Bürgermeister Rupert Monn sagte: „Ich glaube, wir sind auf einem sehr guten Weg.“

Zuvor hatten Marxen und ihre Kollegen Verena Machnik und Peter Born die Situation der Flüchtlinge und ihrer Helfer geschildert. Rund 30 Asylhelfer folgten der Diskussion im Rathaus. Der Weggang Teymurians – wie berichtet, beendete er sein Engagement aus gesundheitlichen Gründen – habe „eine Riesenlücke“ verursacht, sagte Born. „Er war ein absolut verlässlicher Ansprechpartner für aufkeimende Problemsituationen und ständig erreichbar.“ Er sei praktisch unersetzlich. Auch weil er durch seine persische Herkunft die Geflüchteten sprachlich und kulturell ganz anders erreichen konnte, ergänzte Eva-Maria Marxen. „Wir können vieles tun, aber manches auch nicht. Wir haben Fälle von häuslicher Gewalt, Drogenprobleme, psychische Ausnahmesituationen. Wir als freiwillige Helfer können diese Verantwortung nicht tragen.“ Die Stelle für einen hauptamtlichen Flüchtlingsbetreuer sei nötig, um den sozialen Frieden zu wahren. „Manche werden abgelehnt, aber sie gehen nicht gleich. So lange sie bei uns sind, lohnt sich Integration, jeden Tag.“ Deshalb brauche man neue Paten, die alten könnten nicht alle betreuen. „Es gibt Menschen, die sind einfach da und wissen nichts von der Gemeinde Berg“, unterstrich Marxen. „Wir können nur zuschauen, wie die Stimmung immer verzweifelter wird.“ Es brauche jemanden vor Ort im Camp, „damit nicht aus der Perspektivlosigkeit etwas erwächst, was wir alle nicht wollen“. Die Asylbetreuer der Inneren Mission, die von der Regierung bezahlt werden, hätten für jeden Asylbewerber nur neun Minuten pro Woche Zeit.

Verena Machnik machte klar, dass es nicht um ein Problem des Helferkreises geht, sondern der ganzen Gemeinde. „Wir brauchen Hilfe. Sie brauchen Hilfe. Wir sehen, Freundschaft und Miteinander funktionieren wunderbar, wenn man ihnen hilft.“

20 000 Euro stehen im aktuellen Haushalt für die Flüchtlingsbetreuung bereit. Zu mehr war der Gemeinderat nicht bereit. Problematisch wurde der Wunsch nach Ansiedlung der Betreuerstelle bei der Gemeinde Berg gesehen. Unklar ist auch noch, ob die Landeskirche einer Stelle bei der evangelischen Kirche in Berg zustimmt. Der Vorschlag von Sabine Neumann vom Bereich Asyl im Landratsamt, die Stelle des Asylbetreuers der Inneren Mission aufzustocken, wurde daher mit Applaus begrüßt. „Damit nicht zwei Leute an derselben Sache arbeiten“, sagte Neumann. Sie teilte die Meinung der Helfer, dass es zu wenig Betreuer gibt. „Der Betreuungsschlüssel hat sich massiv verschlechtert.“ Das verlange den Ehrenamtlichen viel ab.

Der Helferkreis erfuhr viel Anerkennung im Gemeinderat. „Sie leisten hervorragende Arbeit“, sagte Andreas Hlavaty (CSU). „Wir an der Basis müssen das Heft in die Hand nehmen.“ Gleichzeitig wurde der Wunsch laut, eine Lösung für den ganzen Landkreis zu finden.

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