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Berlin ruft: Die ehemalige Kempfenhauser Schülerin Veronika Faistbauer aus Söcking bei der Berlinale.

Beginn am Landschulheim Kempfenhausen

Wie aus Veronika Faistbauer eine Filmproduzentin wurde

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Im Landschulheim Kempfenhausen hat Veronika Faistbauer erste Videos erstellt. Nun räumt die Produzentin mit ihren Filmen Preise ab. Das ist ihr Erfolgsgeheimnis:

Kempfenhausen – Veronika Faistbauer wusste sofort, dass dieses Detail im Film vorkommen muss. Bei der Recherchetour in Bochum hörte sie, dass jeder Bergarbeiter früher türkise Badelatschen bekam. Sie sind im Film „Endling“ nur für wenige Sekunden in einem Wäschekorb zu sehen. „Aber diese kleinen feinen Details machen einen Film aus“, sagt die Produzentin. Mit dem Kurzfilm haben Faistbauer und ihre Kollegen den Publikumspreis für Mittellangen Film beim Max-Ophüls-Preis abgeräumt. Für die 28-Jährige aus Söcking ist es das bislang größte Projekt.

Faistbauer studiert Produktion und Medienwirtschaft an der Hochschule für Fernsehen und Film in München, hat bereits eine Ausbildung zur Cutterin hinter sich. Mit „Find Fix Finish“, einem Kurzfilm über US-Drohnenpiloten, hat sie mit Kollegen mehrere Preise gewonnen. Angefangen hat aber alles mit Filmen am Landschulheim Kempfenhausen. Als Siebtklässlerin gründet Faistbauer mit Mitschülerinnen eine Video-AG. „Da haben wir hin und wieder was gewonnen“, erzählt sie. Für einen Film über ökologische Tierhaltung lässt Faistbauer den Schwebebalken aus der Sporthalle in den Unterrichtsraum bringen. „Die Schüler haben sich drauf gesetzt wie die Hühner auf der Stange.“ Faistbauer muss lachen. „Das war ganz einfach.“ Aber die ersten kleinen Produktionen reichten, um Faistbauer für die Branche zu begeistern.

Als Produzentin ist sie dafür zuständig, dass der Regisseur seine Ideen mit einem festen Budget umsetzen kann. Faistbauer kümmert sich um die Verträge mit Schauspielern, Drehtage und darum, welches Equipment oder welche Effekte eingekauft werden müssen. „Bei uns laufen alle Fäden zusammen.“

Faistbauer ist von Anfang an dabei – wie als Produktionsleiterin bei „Endling“. Darin geht es um Armin, einen Bergmann, der ohne seinen Beruf nicht kann. Doch es naht das Ende des Bergbaus im Ruhrpott – ein emotionaler Film. Für den mussten Faistbauer und ihre Kollegen vor Ort recherchieren. In den Wohnzimmern ehemaliger Bergleute erfahren sie mehr. „Superspannend“, sagt Faistbauer. „Man denkt immer, man weiß alles über Deutschland.“ Nach und nach werde man dann Spezialist für das jeweilige Thema.

Geld für Explosionen ausschlaggebend

Faistbauer braucht dieses Wissen. Später muss sie mit dem Regisseur besprechen, welche Ideen sich umsetzen lassen. Muss es die teure Explosion sein? Reicht eine Teilexplosion mit visuellen Effekten? Eine Frage des Budgets. „Bei einem studentischen Film würde man in einem Dialog über die Explosion reden lassen“, sagt Faistbauer. Auch beim Casting und der Drehortsuche ist sie dabei. Richtig zur Sache geht es dann beim Dreh selbst. „Am Set herrscht eine militärische Struktur“, sagt Faistbauer. Jeder einzelne Drehtag ist exakt durchgeplant, ein Verzug kann ganze Szenen kippen lassen. Und wenn etwas schief geht? „Dann kommen alle erst mal zu uns. Man ist Babysitter und Mediator.“ Stress, Müdigkeit, Hektik – dann muss die Produzentin alle Akteure erst mal beruhigen. „Dann muss man eine Lösung parat haben. Oft ist es eine Kiste Bier“, sagt Faistbauer und lacht.

Als drei Tage vor dem ersten Drehtag eine Nebenrolle noch nicht besetzt ist, springt Faistbauer kurzerhand selbst ein. „Aber ich bin lieber die Strippenzieherin im Hintergrund.“ In vier Semestern will sie ihre Diplom-Arbeit in den Händen halten und sich bei einer Firma in Dänemark um Vertrieb und Produktion von Filmen kümmern. Ob Kempfenhausen, Deutschland oder Dänemark – einer Linie will sich Faistbauer treu bleiben: „Gesellschaftlich relevante Projekte sind mir wichtig. Ich will nicht nur Kunst und Unterhaltung schaffen, sondern auch etwas mitgeben. Es gibt Filme, die auf billige Unterhaltung aus sind. Dafür gibt es auch ein Publikum, aber ich will sie nicht machen.“

Natürlich ist es für sie ein großer Moment, wenn beim Abspann ihr Name über die Leinwand flimmert. Die größte Ehre aber habe sie durch einen Bergarbeiter bei der Filmpremiere erfahren. Er habe ihr gesagt: „Genau so war es.“

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