Nun nicht mehr namenlos: Das Elektroschiff für die Seenschifffahrt heißt „EMS Berg“.
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Nun nicht mehr namenlos: Das Elektroschiff für die Seenschifffahrt heißt „EMS Berg“.

Bayerische Seenschifffahrt

Das neue Passagierschiff auf dem Starnberger See heißt „Berg“

Das erste Elektro-Passagierschiff auf dem Starnberger See wird den Namen „Berg“ tragen. Das gab der für die Seenschifffahrt zuständige Finanz- und Heimatminister Albert Füracker am Donnerstag bekannt. Bei der Namenswahl ging man auf Nummer sicher.

Berg/Starnberg – Eine „Berg“ geht, eine „Berg“ kommt: Das neue Elektroschiff der Bayerischen Seenschifffahrt auf dem Starnberger See wird mit vollem Namen „EMS Berg“ heißen. EMS steht für Elektromotorschiff, während alle anderen Dampfer MS für Motorschiff getauft sind. In Berg selbst wird man das Schiff nicht so oft zu sehen bekommen, denn es wird vor allem im Süden im Einsatz sein. Einen Tauftermin gibt es noch nicht.

„Mit der Wahl des Namens ,Berg‘ wurde am Brauch festgehalten, den Namen des zu ersetzenden Schiffes fortzuführen“, teilte das Finanzministerium am Donnerstagmorgen mit und lüftete damit das Geheimnis, das zumindest in Berg schon seit einiger Zeit keines mehr war. Die bisherige „Berg“, die früher als „Schondorf“ auf dem Ammersee fuhr und inzwischen gut 50 Jahre alt ist, wird nun als Werkstattschiff weitergenutzt. Durch Beibehaltung der Tradition ging man auch möglichen Konflikten bei der Namensvergabe etwas aus dem Weg. Etwa fünf konkrete Vorschläge habe es gegeben, sagt Schifffahrtsgeschäftsführer Michael Grießer, darunter einer, der nichts mit einem Ortsnamen am See zu tun hatte. „Es wird immer Unzufriedenheit geben, auch wenn wir den Namen auslosen würden“, sagt er. Zwar behalte sich der Gesellschafter, der Freistaat, immer vor, auch einmal einen anderen Namen zu vergeben (wie am Ammersee mit der „Augsburg“), die Weitergabe habe aber Tradition auch am Ammer- und Königssee. „Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen“, erklärte Minister Füracker. „Ich möchte mich herzlich bei allen bedanken, die sich bei der Namensfindung so engagiert eingebracht haben.“

Haben andere Orte damit nie eine Chance? In einigen Jahren – wohl frühestens 2024 – wird der nächste Neubau für den Starnberger See anstehen, der Ersatz für die „MS Bayern“ aus dem Jahr 1948. Sie hat zwar eine Zulassung und TÜV, mittelfristig werde man sie aber ersetzen müssen. Erst einmal, sagt Grießer, müsse die Schifffahrt ihre Einnahmesituation nach den coronabedingten Ausfällen wieder aufbessern. Denn: Das Unternehmen finanziert alle Neubauten aus dem laufenden Betrieb.

Die neue „Berg“ wird vor allem, aber nicht nur auf der südlichen Rundfahrt eingesetzt (Tutzing, Ambach, Seeshaupt, Bernried). Dort kann sie ihre Vorteile ausspielen, die sie von der dort bisher eingesetzten alten „Berg“ unterscheidet. Das Elektroschiff mit Platz für bis zu 300 Fahrgäste (100 innen, 100 Sitzplätze auf dem Oberdeck) ist komplett barrierefrei, hat einen Aufzug zum Oberdeck, WLAN, Kletterwand und Memory-Wand, eine Art Aussichtsturm – und breite Gänge und damit Platz für Fahrräder und E-Bikes (inklusive Lademöglichkeit). Damit, erklärt Grießer, könne man eine alte Forderung nach einer Querungsmöglichkeit per Schiff zwischen Ost- und Westufer für Radfahrer erfüllen. Die neue „Berg“ fährt zu 100 Prozent mit Ökostrom und wird immer in der Starnberger Werft geladen. Eine Gastronomie wie auf anderen Schiffen gibt es nicht, dafür diverse Automaten, auch einen für Eis. Füracker betonte erneut den Umweltaspekt: „Ein hervorragendes Beispiel für modernste Innovationskraft und Nachhaltigkeit.“

In Berg kommt die Namensbekanntgabe gut an. Bürgermeister Rupert Steigenberger findet das „natürlich toll“, aber auch passend – Ökostrom produziert Berg mit seinen Windrädern schließlich selbst. Somit ist die umweltorientierte Gemeinde Patin eines umweltorientierten Schiffes. Steigenberger verweist aber auch, wie sein Amtsvorgänger Rupert Monn, auf die Tatsache, dass Berg als einzige See-Gemeinde zwei Anlegestellen habe. Und: Bei der Taufe sorgt die Gemeinde für das Freibier.

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