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Die Suche nach dem passenden Lebensretter

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Von: Stefan Reich

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Mund auf, Wattestäbchen rein: So einfach funktionieren die Entnahmen der Gewebeproben, die Manuela Ortmann und Verena Spitzer (r.) von der Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern (AKB) in Herrsching durchführten.
Mund auf, Wattestäbchen rein: So einfach funktionieren die Entnahmen der Gewebeproben, die Manuela Ortmann und Verena Spitzer (r.) von der Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern (AKB) in Herrsching durchführten.  © Dagmar Rutt

Regina Springer aus Berg leidet an Blutkrebs und sucht einen passenden Stammzellen-Spender. Freunde wollen mit einer Registrierungsaktion am 25. Juni bei der Suche helfen. Auch die AKB sammelt Daten potenzieller Spender, zuletzt am Samstag im Herrschinger Segelclub.

Aufkirchen/Herrsching – Viele kennen Regina Springer in Berg. Sie engagiert sich als Schülerlotsin im Ortsteil Farchach, wo sie wohnt. In Aufkirchen ist sie Vorsitzende des Pfarrgemeinderates der katholischen Gemeinde und arbeitet als Köchin im Kindergarten. Als die 42-Jährige im Frühjahr schwer erkrankte, war das schnell überall bekannt. „Und es war beeindruckend zu sehen, wie das Umfeld reagiert hat“, sagt Andrea Schwenski. Sie ist eine Freundin seit Kindergartentagen. „Niemand hat weggeschaut. Da wurde mal mittags ein Topf Suppe vorbeigebracht oder morgens Frühstückssemmeln. Viele hatten einfach das Bedürfnis, Regina etwas zurück zu geben.“

Im März wurde das Leben der 42-jährigen Mutter zweier Söhne auf den Kopf gestellt. „Von heute auf morgen war alles anders“, sagt Ehemann Rudi Springer. Seine Frau fühlte sich schlapp, klagte über Schmerzen. Eine Untersuchung ergab: Sie hat Blutkrebs. „An einem Mittwoch war sie in der Arztpraxis, am Freitag kam sie ins Krankenhaus, am Montag ging die Chemotherapie los“, sagt Rudi Springer.

Regina Springer leidet an akuter lymphatischer Leukämie. Dabei vermehren sich defekte Vorläuferzellen der weißen Blutkörperchen und verdrängen im Knochenmark wichtige Strukturen für die Blutbildung.

die erste Runde Chemotherapie hat Regina Springer schon überstanden, die zweite beginnt gerade

Eine erste Runde Chemotherapie hat Regina Springer schon überstanden, die zweite beginnt gerade. „Das hilft auch“, sagt Rudi Springer. Aber eine komplette Heilung allein durch Chemotherapie ist nicht garantiert. Und selbst bei Erfolg ist mit Rückfällen zu rechnen. Eine weitere, erfolgversprechende Behandlung ist eine Stammzellentransplantation. Allerdings braucht es dafür einen Stammzellen-Spender, der dem Patienten genetisch in bestimmten Merkmalen sehr ähnlich ist. Man spricht von genetischen Zwillingen. Ein solcher soll sich auch für Regina Springer finden.

„In den Datenbanken weltweit war er für meine Frau bisher noch nicht zu finden“, sagt Rudi Springer. Er hofft nun auch auf eine Registrierungsaktion der DKMS.

Regina Springer (rechtes Foto mit Ehemann Rudi) aus Berg hat Blutkrebs und hofft, bald einen passenden Stammzellenspender zu finden.
Regina Springer (rechtes Foto mit Ehemann Rudi) aus Berg hat Blutkrebs und hofft, bald einen passenden Stammzellenspender zu finden. © privat

Die DKMS, früher bekannt als Deutsche Knochenmarkspenderdatei, unterhält eine solche Datenbank. Für die Registrierung reicht ein einfacher Wangenabstrich. Anders als der alte Name suggeriert, muss Spendern heute meist kein Knochenmark, sondern nur noch Zellen aus dem Blut entnommen werden. Wenn doch Knochenmark benötigt wird, reicht ein Eingriff in den Beckenkamm. Entnahmen aus dem Rückenmark – wie irrtümlich oft noch angenommen – sind nicht mehr nötig.

Für Registrierungsaktion haben sich schnell 30 Helfer gefunden

Andrea Schwenski hat die Registrierungsaktion mit Bettina Völker und Andrea Leitner, zwei weiteren Freundinnen, auf die Beine gestellt. „Wir haben auch schnell über 30 Helfer für die Durchführung gefunden“, sagt sie. Die Pfarrgemeinde Aufkirchen, die Gemeinde Berg, der MTV Berg, alle waren sofort dabei, den Aufruf für die Registrierung zu verbreiten. „Jetzt etwas tun zu können, lässt eine Energie entstehen, die uns und auch Regina trägt“, sagt Schwenski.

Auch die Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern (AKB) unterhält eine Datenbank und organisiert die Registrierung von neuen potenziellen Spendern, zuletzt am vergangenen Samstag mit der Aktion „Hart am Wind gegen Leukämie“ im Herrschinger Segelclub (HSC). Die Typisierungsaktion rief Segelfreunde dazu auf, sich für die AKB-Datenbank registrieren zu lassen. Die anlässlich der AKB-Aktion anberaumte Regatta scheiterte zwar an der sommerlichen Flaute. Aber Martin Boschert, Vorsitzender des Herrschinger Segelclubs, tat alles, um die Typisierung dennoch voranzutreiben. Er warb sogar Passanten an, die zufällig am HSC-Gelände spazieren gingen. Deborah Prang aus Riederau ließ sich so ganz spontan registrieren. „Es kann ja jeden treffen“, so die schlanke blonde Frau. Deborah Prangs Daten bleiben nun registriert, bis sie 60 Jahre alt ist.

AKB führt in Gautinger Ambulanz täglich drei Spenden durch

Verena Spitzer von der AKB, die die Aktion in Herrsching durchgeführt hat, weiß, wie es sich anfühlen kann, den genetischen Zwilling zu finden. Vor 25 Jahren erhielt sie als junge Mutter eine Stammzellentransplantation. Ihr Leben verdankt Spitzer einer Spenderin aus den USA, die sie seitdem immer wieder besucht: „Das ist wie Familie, sie hat mir das Leben gerettet.“

Die AKB zählt heute 350 000 registrierte Spender und führt in ihrer Gautinger Ambulanz täglich drei Spenden durch. Insgesamt sind in Deutschland sieben Millionen Spender registriert. „Neun von zehn Patienten in Deutschland finden so einen passenden Spender“, sagt Annika Schirmacher, die bei der DKMS die Registrierungsaktion für Regina Springer betreut. Aber allein aus Altersgründen fallen hierzulande jedes Jahr 80 000 Menschen aus den Datenbanken. Jede Registrierung zählt und erhöht auch für Regina Springer die Chance, ihren genetischen Zwilling zu finden.

Die Registrierungsaktion „Regina will leben“ findet am Samstag, 25. Juni, von 11 bis 16 Uhr, im Trachtenvereinsheim in der Marienstraße 11 in Aufkirchen statt. Wer zwischen 17 und 55 Jahre alt ist, kann sich als potenzieller Stammzellenspender registrieren lassen. NILDA FRANGOS UND STEFAN REICH

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