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Martin Liebl freut sich auf Reisen, Museen, Konzerte un d Theater. 

Landschulheim Kempfenhausen

Ein moderner Vertreter von Werten

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Es ist Martin Liebls erster Tag in Freiheit, ohne Verpflichtungen. Der langjährige Direktor des Landschulheims Kempfenhausen ist seit diesem Samstag offiziell im Ruhestand.

Berg –  Mit ihm verliert die Schulszene im Landkreis ein ebenso fähiges wie engagiertes Mitglied. Und die Schüler einen Pädagogen, der Werte vertritt, aber dabei so modern ist, wie man es sich nur wünschen kann.

Liebl (64) stammt aus dem Bayerischen Wald und wuchs mit neun Geschwistern auf. „Wir waren so etwas wie ein kleines Internat daheim“, sagt er rückblickend. Als er 1983 nach Kempfenhausen kam, war er zunächst im Internat als Erzieher tätig. „Ich habe nur nebenbei ein paar Stunden unterrichtet“, erzählt der Geografie-, Wirtschafts- und Rechts- sowie Sozialkundelehrer. Die Erfahrung als Erzieher war prägend für ihn. Er habe einen anderen Zugang zu den Kindern bekommen. „Als Erzieher ist man für sie ein Vaterersatz, man beschäftigt sich mit ihren Problemen und auch mit den Freuden. Man hat ein relativ enges Verhältnis zu den Schülern.“ Bis heute betrachte er junge Leute mit anderen Augen. „Ich sehe sie mit ihren Stärken und Schwächen, mit ihrer ganzen Persönlichkeit.“

70 Kinder leben derzeit im Internat in Kempfenhausen, insgesamt zählt das Gymnasium 610 Schüler. Liebl war seit 2000 Chef des Internats und der Schule. Mit Lehrern, Erziehern, dem Reinigungs- und dem Küchenpersonal war Liebl für 80 Mitarbeiter verantwortlich. „Ein Schulleiter muss entscheidungsfreudig sein“, sagt er.

Jetzt ist seine Amtszeit zu Ende. „Ich möchte einen sauberen Schnitt machen“, sagt Liebl. Wer nicht mehr im Dienst sei, sollte auch nicht mehr in Ehrenämtern zum Thema Schule aktiv sein. Liebl hat sich beim Zustandekommen der Bildungsregion Starnberg engagiert und war im Arbeitskreis Schule und Wirtschaft aktiv. In der Schule hat er erst den Umstieg aufs G8 mitgemacht, jetzt hat er den Eltern den Sinn des G9 nahe gebracht, von dem er persönlich überzeugt ist.

Die Eltern: Die hätten sich im Laufe seines Lehrerlebens durchaus verändert. „Die Eltern sind immer stärker engagiert in der schulischen Entwicklung ihres Kindes“, sagt Liebl und wird dann deutlicher: „Sie können durch das Intranet schon fast hineinschauen in die Schule, sie sehen zum Beispiel, wann eine Extemporale geschrieben wurde. Die Kinder fühlen sich zum Teil verfolgt.“ Und er erlebe, dass die Nachhilfe, die Kinder durch Eltern oder Externe erfahren, nicht immer produktiv sei. „Vorübergehend ist Nachhilfe sinnvoll, sie ist ein süßes Gift.“ Damit nehme man den Kindern die Möglichkeit, sich selbst zu entfalten und Eigenverantwortung zu entwickeln. Liebl nennt ein Beispiel. „Manche Eltern nehmen dem Kind das Handy weg, wenn es in der Schule schlecht ist. Das führt zur Abneigung gegen die Schule. Eigentlich sollten Eltern mit mehr Zuwendung reagieren, wenn ein Kind schlecht in der Schule ist.“ Besser sei es zu sagen: „Das ist deine Sache, was du aus deinem Leben machst.“ Diese Eigenverantwortung könnten bereits Sechstklässler übernehmen. Es sei empfehlenswert, das Thema Schule von der persönlichen Wertschätzung des Kindes strikt zu trennen, sagt Liebl. „Kinder sind Kinder, man soll sie auch mal einfach machen lassen. Wenn sie scheitern, können sie neu anfangen.“

Liebls neuem Lebensabschnitt schließt sich seine Frau Elisabeth am Montag an. „Wir werden mittags Essen gehen und so diesen Tag begehen“, sagt er. Seine Frau ist ab Dienstag im Ruhestand: „Wir wollen reisen, sind nicht mehr an Ferien gebunden.“ Liebl will seiner Leidenschaft frönen, der Eiszeitforschung im Fünfseenland. Und endlich die Münchner Museen besuchen, Konzerte und Theater, für die bislang keine Zeit war.

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