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Abgeholzt wurden am Sonnenweg in Berg unter anderem eine Buche und zwei Linden.

Rodung am Sonnenweg

Doppelhäuser statt Bäume: Nachbarn ärgern sich über „radikalen Kahlschlag“ in Berg

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  • Sandra Sedlmaier
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Nachbarn sind entsetzt, der Gemeinderat dagegen: Mehrere alte Bäume mussten weichen, damit am Sonnenweg in Berg vier Doppelhäuser entstehen können. Die Baufirma sagt, das Projekt füge sich sehr gut in die Umgebung ein. Das Landratsamt prüft den Fall derzeit.

Berg „Wir haben von der Terrasse auf die alte Buche geschaut. Das war immer unser Baum“, sagt Sabine Dörrmann. Die Anwohnerin des Berger Kapellenwegs ist fassungslos. Denn: Die Buche ist weg, genau wie zwei Linden und einige Büsche. Die Natur musste für vier Neubauten weichen, die am Sonnenweg entstehen sollen.

Nachbarin Dörrmann sagt: „Ich verstehe ja, dass Bäume weg müssen. Aber diesen radikalen Kahlschlag verstehe ich nicht. Da hätte man ein bisschen überlegen können.“ Entsetzt seien auch andere Anwohner – und Dörrmanns Mutter: Ihr seien wegen der Rodungen die Tränen gekommen. „Sie ist ja hier aufgewachsen. Das ist dann schon einschneidend“, sagt die Tochter. Dörrmann betont in einer E-Mail an die Redaktion auch die Probleme für Tiere: „Die Vögel suchen ihre Bäume, und die Eichhörnchen suchen ihre Kobel. Die rennen wie verrückt hier rum und finden nichts mehr. Entsetzlich!“

Vier Doppelhäuser auf 2100 Quadratmetern

Vier Doppelhäuser à 126 Quadratmeter Grundfläche sind auf einem Grundstück von 2100 Quadratmetern geplant (wir berichteten). Der Berger Gemeinderat hatte dem Bauantrag das Einvernehmen verweigert. Zu groß waren die Bedenken wegen der Verdichtung – auch wenn das Vorhaben rein rechtlich zulässig ist. Das Berger Bauamt hat den Antrag inzwischen an das Kreisbauamt im Landratsamt weitergegeben, vorher jedoch mit dem zuständigen Architekten geredet. „Der Architekt wollte sich mit dem Landratsamt in Verbindung setzen und das Vorhaben eventuell abspecken“, sagt Bürgermeister Rupert Monn auf Anfrage des Starnberger Merkur. Der Architekt habe versichert, dass man nicht gegen den Willen der Gemeinde agieren wolle. „Er sagte, sie wollten ungern gegen das Einvernehmen der Gemeinde weitermachen“, so Monn.

Der Bauträger: „Bebauung fügt sich sehr gut in die Umgebung ein“

Eine Sprecherin des Bauträgers „LHomes“ aus Wolfratshausen will sich sich nur mit einem Satz zu dem Vorhaben am Sonnenweg äußern: „Die geplante Bebauung fügt sich sehr gut in die Umgebung ein, und das gesamte Projekt folgt den gewöhnlichen Abläufen.“ Das bestätigt auch Landratsamtssprecherin Barbara Beck. „Der Bauantrag ist Ende Januar bei uns eingegangen, wir mussten Unterlagen nachfordern. Die Prüfung läuft.“ Kommt die Kreisbehörde zu dem Schluss, dass dem Bau nichts im Wege steht, werde man noch mal mit der Gemeinde reden, erklärt Beck.

Am benachbarten Kapellenweg, an dem Dörrmann seit mehr als 20 Jahren wohnt, gibt es ihrer Aussage nach ein weiteres Beispiel für maximale Verdichtung. Sie meint die beiden Doppelhäuser, die dort derzeit gebaut werden und sagt: „Die Garage geht bis zur Straße. Die Leute haben keine Luft mehr. Das kann es ja wohl nicht sein.“

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Einen Kahlschlag gab‘s heuer auch schon in Weßling im Kreis Starnberg - dahinter steckt aber etwas ganz anderes.

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