„Sanieren statt Keulen“: Bei einem Fachgespräch informierten Imker Werner Kraus, Hubert Dietrich (Vorsitzender des Bienenzuchtvereins Starnberg), Arno Bruder (Fachberater Bezirk Oberbayern) und Dr. Roland Schneider (Kreisveter-inär) über das Vorgehen beim Ausbruch der Amerikanischen Faulbrut.  Foto: Andrea Jaksch
+
„Sanieren statt Keulen“: Bei einem Fachgespräch informierten Imker Werner Kraus, Hubert Dietrich (Vorsitzender des Bienenzuchtvereins Starnberg), Arno Bruder (Fachberater Bezirk Oberbayern) und Dr. Roland Schneider (Kreisveter-inär) über das Vorgehen beim Ausbruch der Amerikanischen Faulbrut.

Amerikanische Faulbrut

Eine Seuche mit zwei Seiten

  • Stephan Müller-Wendlandt
    vonStephan Müller-Wendlandt
    schließen

Immer mehr Menschen entdecken für sich die Imkerei. Bisher war jedoch unklar, wie viele Bienen-Stände es im Landkreis Starnberg gibt. Ausgerechnet der Ausbruch der Amerikanischen Faulbrut bringt die Zahlen ans Licht.

Berg – Der unter Bienenvölkern am Ostufer des Starnberger Sees entdeckte Befall mit der Amerikanischen Faulbrut (siehe Kasten) hat für die in Verbänden organisierten Imker und die Veterinärmediziner auch positive Aspekte. Das Landratsamt hatte nach dem Bekanntwerden der Seuche in einem Radius von einem Kilometer um den kontaminierten Standort zwischen den Berger Ortsteilen Assenhausen und Biberkor einen Sperrbezirk festgelegt. Bis dahin waren in diesem Bezirk sechs gemeldete Bienen-Stände aktenkundig. Nach der von der Kreisbehörde erlassenen sogenannten Allgemeinverfügung sind dem Landratsamt bislang 14 weitere Standorte von Bienenstöcken gemeldet worden. Elf dieser 20 Bienen-Stände sind positiv auf Faulbrut getestet.

Für die Funktionäre der Imkerverbände ist die Dunkelziffer von Hobby-Imkern ein großes Problem. Bienenvölker kann sich jeder Honigliebhaber anschaffen. Das bringt den Fachberater für Imkerei im Bezirk Oberbayern in Rage. „Wer ein Gewehr besitzt, ist noch kein Jäger, und wer sich eine Angel anschafft, ist noch kein Angler“, argumentiert Arno Bruder. Dafür bedürfe es einer Ausbildung mit anschließender erfolgreicher Prüfung. Deshalb fordert der Fachberater einen „Führerschein für Imker“. Der Gesetzgeber sei gefordert, das zu regeln. Denn Tierhygiene, um nur einen Aspekt bei der Imkerei zu erwähnen, „gehört in staatliche Hand“.

Im Landkreis Starnberg sind aktuell 470 Bienenhalter mit 2710 Völkern gemeldet, wie Kreisveterinär Dr. Roland Schneider mitteilt. Bruder war am Freitagnachmittag zu einer Informationsveranstaltung gekommen, zu der die Gemeinde Berg und das Veterinäramt der Kreisbehörde betroffene Imker an den Standort des ersten Seuchenbefalls eingeladen hatten. Der Fachberater war begeistert von den Bemühungen, diesen Stand wieder zu gesunden. „Das sieht doch prächtig aus“, sagte der Fachmann, als er einen Bienenstock öffnete, in dem sich die fleißigen Insekten offensichtlich munter an den frischen Waben tummelten.

Die etwa 15 der Einladung gefolgten Imker machten ebenfalls einen aufgeräumten Eindruck. „Diese Seuche ist keine Katastrophe, eine Schweinepest ist um ein Vielfaches schlimmer“, sagte Hubert Dietrich. Er ist seit dem Jahr 2000 Vorsitzender des Bienenzuchtvereins Starnberg und erlebt die Amerikanische Faulbrut jetzt zum ersten Mal. Am 7. September war die Seuche an dem Standort bei Assenhausen entdeckt worden. Seitdem hat die Sanierungsmaßnahme gegriffen. Aus ursprünglich sechs Völkern hat der Imker den Standort in der vergleichsweise kurzen Zeit auf drei gesunde Völker saniert.

„Sanieren statt Keulen“, gab Fachberater Bruder den anwesenden Imker-Kollegen auch als Losung für die kommenden Monate aus. Wegen des jahreszeitlich späten Befalls habe man Zeit gewonnen. „Wo Akutmaßnahmen nicht erforderlich sind, solltet ihr den Sachstand belassen, wie er ist, und das kommende Frühjahr abwarten“, empfahl Bruder seinen Kameraden. Denn gegen Ende des Jahres gehe die Bruthäufigkeit zurück, zudem würden die Bienen auch träge beim Ausschwärmen – was die Ausbreitung der Seuche verringere.

Wie gelangt die Faulbrut in die Bienenstöcke? Die Gründe sind laut Bruder vielfältig. Große Sorge bereiteten alte verlassene und hygienisch problematische Bienenstände. Zudem könnten verwilderte, in irgendwelchen ausgehöhlten Baumstämmen angesiedelte Völker die Seuche verbreiten. Ein weiteres Problem liefere aber auch unsere Konsumgesellschaft. „In Glascontainern landen auch Gläser mit Honig aus Ländern, die unseren deutschen Standards von Pestizid-Verzicht etc. nicht entsprechen. Die Container werden von Honigbienen auf der Suche nach Nektar angeflogen und sie können dann Bakterien der Amerikanischen Faulbrut mit in ihren Stock bringen“, erklärt Bruder. Und Hubert Dietrich ergänzt: „Jedes Honigglas vor dem Wurf in den Container gründlich auswaschen.“

Auch interessant

Kommentare