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Gedenkfeier für König Ludwig II. an der Votivkapelle in Berg.

Ludwig II.

Gedenken an den „Friedenskönig“

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Auch 131 Jahre nach seinem von Mythen umrankten Tod im Starnberger See ist König Ludwig II. unvergessen. Das wurde am Sonntag beim Gedenkgottesdienst an der Votivkapelle in Berg einmal mehr deutlich.

Berg – Es wird eng rund ums Gedenkkreuz im Starnberger See: Motorboote, Segler, SUP-Paddler und Kajakfahrer kreuzen wild vor dem Ufer direkt an der Votivkapelle im Schlosspark von Berg hin und her. Schauen ans Ufer, wo sich wieder einige Hundert Königstreue und einige Dutzend Schaulustige zusammengefunden haben, um des tragischen Tods Ludwig II. am 13. Juni 1886 zu gedenken. Das Gedränge auf dem Wasser wird irgendwann derart dicht, dass die Wasserschutzpolizei anrückt und dafür sorgt, dass ein pietätvoller Abstand zum Gedenkkreuz eingehalten wird.

Kaiserwetter beim Königsgedenken: Die Straßen, die Parkplätze, die Strände und der See sind voll mit Menschen. Derweil die traditionsbewussten Königstreuen in ihren schmucken Uniformen leise in der prallen Sonne seufzen. Unter der schwarzen Pickelhaube kann es schon unangenehm warm werden. Die ansonsten chronisch überfüllte Votivkapelle bleibt heuer geschlossen. Drinnen stehen die Baugerüste, der Gedenkgottesdienst wird deswegen unter freiem Himmel zelebriert.

Vater, Sohn, Heiliger Geist und der König

Es ist der erste Sonntag nach Pfingsten: Dreifaltigkeitsfest. Militärpfarrer Mirko Zawiasa aus Cuxhaven, der auch heuer wieder die Predigt hält, baut mit Leichtigkeit die Brücke von Vater, Sohn und Heiligem Geist zu seiner Majestät Ludwig II. „Für ihn war Gottesgnadentum keine machtpolitische Idee, sondern eine tiefempfundene religiöse Verpflichtung“, sagt Zawiasa. Und nimmt den nicht unumstrittenen König in Schutz: „Er war ein Mann des Friedens. Kriege waren ihm zutiefst zuwider. Die Kosten für seine Schlösser waren, verglichen mit den Kosten eines Krieges, Peanuts.“

Eine Vorlage, die Stefan Jetz von der „Vereinigung Ludwig II. – Deine Treuen“, die Jahr für Jahr den Gedenkgottesdienst am Ufer des Starnberger Sees organisiert, dankend aufnimmt. „Ludwig II. war kein Märchenkönig, wie immer behauptet wird. Er war ein König der Technik und der Künste, ein König des Volkes und des Friedens“, sagte er im Rahmen der Kranzniederlegung im Anschluss an den Gottesdienst. Jetz ließ nichts unversucht, das Bild Ludwig II. zurechtzurücken: „Ein Tag des Ersten Weltkriegs hat mehr gekostet als all seine Schlösser.“ Und überhaupt: Den Bau der Königsschlösser hätten die Wittelsbacher bezahlt, die die Kredite „auf Heller und Pfennig zurückbezahlt haben“. Seine Königliche Hoheit Prinz Leopold von Bayern, der der Gedenkfeier beiwohnt, hört es sicher mit Genugtuung. Genau wie Jetz‘ Angriff auf die Bayerische Staatsregierung, die „die Millionengewinne, die die Besucher der Königsschlösser in die Kassen spülen, einfach einstreicht.“

Guglmänner machen sich rar, wollen aber Mallorca kaufen

Ausgerechnet die Guglmänner hätten da schon eine Idee, was mit dem Geld angefangen werden könnte. Sie verschickten im Vorfeld der Gedenkveranstaltung eine Pressemitteilung, in der sie forderten, der Freistaat Bayern möge doch, wie dereinst von König Ludwig II. gewünscht, die Insel Mallorca käuflich vom spanischen Königshaus erwerben.

Bei der Gedenkveranstaltung selbst machen sich die Guglmänner heuer allerdings rar. Waren sie im vergangenen Jahr noch während der Kranzniederlegung direkt am Ufer vorbeigerudert und hatten so darauf hingewiesen, dass seine Majestät an diesem verhängnisvollen 13. Juni 1886 ermordert worden sei, so fehlt von ihnen an diesem Sonntag jede Spur. Eine kurze telefonische Nachfrage erwischt den Guglmann am Frühstückstisch: „Wir treten öffentlich nur zu den großen Jubiläen auf“, heißt es knapp, aber freundlich.

Generell fallen nach Aussage vieler Teilnehmer die Gedenkfeierlichkeiten am 131. Todestag deutlich kleiner aus als in den Vorjahren. Über die Gründe dafür wird nur leise und diskret am Rande spekuliert: Das Wetter, der See, die Ferien.

Gedenken an König Ludwig II.: Die Bilder

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