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Die kleinere Glocke wiegt rund 210 Kilo und hat 69 Zentimeter Durchmesser.

Glockenguss von „Katharina“ und „Martin“

Festgemauert in der Erde

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Berg/Sinn – Hitze, Schweiß, Feuer und eine Jahrhunderte alte Prozedur: Die beiden Glocken für den Glockenturm der evangelischen Kirche in Berg warten in der Erde darauf auszuhärten. 20 Berger waren am Freitag beim Gießen von „Katharina“ und „Martin“ dabei.

Beeindruckend, archaisch, atemberaubend: Die Teilnehmer der Berger Exkursion zur Glockengießerei Rincker im hessischen Sinn überschlagen sich bei der Beschreibung der Zeremonie, an der sie am Freitag teilnehmen durften. 20 Berger wurden Zeugen, wie die Glocken für die evangelische Kirchengemeinde gegossen wurden. Die Glocken werden „Katharina“ und „Martin“ – nach Reformator Martin Luther und seiner Ehefrau Katharina von Bora – heißen. Nächstes Jahr, zum Luther-Jahr, soll der Glockenturm für das Katharina-von-Bora-Haus fertig sein. Die Glocken können die Gläubigen schon früher bewundern. Spätestens im November, so Vertrauensmann Florian Gehlen, kommen sie nach Berg.

Ein sehr lauter Ofen - plötzlich wurde es aber ruhig

Gehlen war in Sinn dabei. Und er ist begeistert. Es war ein Erlebnis für alle Sinne: „Es war megaheiß, uns ist der Schweiß runtergelaufen.“ Dazu das Feuer, die schwarzen Umrisse der Arbeiter vor der Gießrinne mit dem 1100 Grad heißen, rotglühenden Kupfer-Zinn-Gemisch. „Das war wirklich beeindruckend“, sagt Bergs Dritte Bürgermeisterin Elke Link. „So etwas sieht man nur einmal im Leben.“ Als die Legierung heiß genug zum Gießen war, stellten die Arbeiter den sehr lauten Ofen ab, berichtet Gehlen. „Plötzlich war es sehr ruhig: Der Hofer Pfarrer sprach ein kurzes Gebet, dann ging es auch schon los.“ Immer wieder bat der Firmenchef um Ruhe. Gehlen wunderte sich, dann verstand er: „Die Arbeiter wollten hören, wann die Form voll ist.“

Bau des Glockenturms kostet rund 100 000 Euro

Ob die Glocken den gewünschten Ton haben werden, ist noch unklar. Der Glockensachverständige des Dekanats Weilheim wird das in Sinn prüfen. „Der Glockengießer sagte, dass bislang alles nach Plan verläuft“, berichtet Gehlen. Genaues wisse man erst, wenn man nächste Woche die Lehmform aufbreche.

Das handwerkliche Prozedere ist dasselbe, wie es Schiller in seinem Lied von der Glocke im Jahr 1798 beschrieb. Die Form ist in der Erde, aus Lehm gebrannt. Die Berger hatten sich entschieden, auf jede Glocke einen Spruch zu schreiben: „Verleih uns Friede gnädiglich“ steht auf der rund 210 Kilogramm schweren „Katharina“. Auf den 290 Kilogramm von „Martin“ steht: „Siehe ich bin bei Euch alle Tage bis an der Welt Ende“. Wenn sie im Katharina-von-Bora-Haus stehen, können das die Berger lesen. „Später im Glockenturm ist das nicht mehr möglich“, sagt Gehlen. Er hofft, dass die Präsenz der Glocken auch noch einmal die Spendenbereitschaft steigert. Die Kirchengemeinde finanziert den Bau des Glockenturms und den Guss aus eigener Kraft. Etwa drei Viertel der benötigten rund 100 000 Euro sind schon zusammengekommen.

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