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Jung und alt ließen es sich am Sonntagmorgen nicht nehmen, dem Klang der neuen Glocken zu lauschen.

Glockenweihe in Berg

Die Dame hat das letzte Wort

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„Katharina“ und „Martin“ heißen die beiden neuen Glocken der evangelischen Kirchengemeinde in Berg, die am Sonntag geweiht wurden.

Berg – Über Nacht ist es Herbst geworden. Ein eisiger Wind pfeift über den Hof des Katharina-von-Bora-Hauses in Berg. Und doch bemerkt ihn keiner. Gebannt lauschen die zahlreichen Besucher der Andacht. Mit einem klaren, weithin hörbaren „Des“ erklingt „Katharina“, die kleinere der beiden neuen Glocken der evangelischen Kirchengemeinde Berg zum ersten Mal. Kurz darauf stimmt „Martin“ im tieferen „Es“ mit ein. Die beiden läuten eine ganz besondere Feier ein.

Jahre hat es gedauert, rund 150 000 Euro hat es gekostet, nun ist es vollbracht. Der zwölf Meter hohe Turm steht und birgt die beiden Glocken, die vor gut einem Jahr im hessischen Sinn gegossen worden waren. Nun ist alles so, wie es sein soll. Und die Mitglieder der Gemeinde stehen da wie gebannt und lauschen dem schönen Klang. Zahlreiche Neugierige haben sich unter die Anwesenden gemischt, auch Mitglieder der katholischen Gemeinde. Geteilte Freude ist eben doppelte Freude. „Martin und Katharina, wie die beiden neuen Glocken heißen, werden ein hörbares Zeichen der evangelischen Gemeinde in Berg sein“, freut sich Pfarrer Johannes Habdank.

„Martin“ ist größer und schwerer als „Katharina“

Kurz stellt er die beiden Neuzugänge in der Gemeinde noch einmal vor. „Martin“, benannt nach dem Reformator Luther, 294 Kilogramm schwer und in Es gestimmt, trägt den Spruch „Siehe, Ich bin bei Euch alle Tage bis an der Welt Ende“ (Matthäus 28,20). Die etwas kleinere „Katharina“, benannt nach Luthers Ehefrau Katharina von Bora, singt in Des, bringt 207 Kilogramm auf die Waage und trägt den Spruch „Verleih uns Frieden gnädiglich“ – eine Liedstrophe, die Luther 1529 verfasste.

Ein gemeinsames Lied sangen auch die beiden Glocken an diesem zugigen Sonntag kurz vor dem 500. Jahrestag des Thesenanschlags Luthers. Wobei es an Katharina war, den letzten Ton über die Gemeinde und den See zu schicken, was Habdank lachend kommentierte: „Die Frauen müssen das letzte Wort haben.“

Ein kurzer Kanon unter freiem Himmel – „Lobet und preiset, ihr Völker den Herrn“ – und ab ging es in Katharina-von-Bora-Haus zum Gottesdienst. Die Predigt hält Dekan Axel Piper aus Weilheim. Auch er freut sich über den großen Andrang zu Kirchenweihe. Im Gottesdienstraum sind alle Plätze belegt, in Windeseile werden Stühle herbeigetragen, damit die Menschen auch auf der Empore und im Gang dem Gottesdienst folgen können.

Glocken sollen ein Menschenleben überdauern

„So etwas macht man nur einmal im Leben. Wenn überhaupt“, sagt Piper zum ehrgeizigen Plan der evangelischen Kirchengemeinde Berg, einen Glockenturm zu errichten. Denn die Glocken, die am Sonntag geweiht wurden, sie sollen ein Menschenleben überdauern, sollen läuten bei seinem Beginn und über dessen Ende hinaus. Statt der 425 Zeilen von Schillers „Glocke“ bemühte Piper lieber die deutlich straffere Variante Erich Kästners: „Wenn im Turm die Glocken läuten, kann das vielerei bedeuten. Erstens: Dass ein Festtag ist. Zweitens: Dass Du geboren bist, Drittens: Dass dich jemand liebt. Viertens: Dass dich’s nicht mehr gibt.“

„Die Kirche rückt damit akustisch und optisch näher ins Dorf“, sagte Piper weiter in der Predigt. Die neuen Glocken würden in den durchoptimierten heutigen Zeiten daran erinnern, dass Wirtschaftlichkeit und Effizienz nicht alles sind. „Du bis nicht wertvoller, wenn Du bis zur Erschöpfung arbeitest und am Wochenende Rekorde sammelst“, hob der Dekan hervor. Die Glocken, die künftig zum Gottesdienst rufen, seien „ein Symbol zum Innehalten und Entspannen, ein Zeichen des Friedens. Gedanken, die auch heute noch aktuell sind und auf große Zustimmung stoßen. „Die vielen Spenden aus der Gemeinde, aber auch von außerhalb zeigen, dass der Glockenklang hier in Berg erwünscht ist“, so Axel Piper.

„Katharina“ und „Martin“ erklingen an diesem Sonntag noch öfter. Ihr Gesang füllt die Herzen der Menschen mit Zuversicht und Wärme. Auch an diesem zugigen Herbsttag. Eine Wärme, die sich auch im Anschluss an den Gottesdienst zeigt, als die Gemeinde gemeinsam mit ihren Gästen ausgelassen und voller Stolz die Vollendung ihres Großprojektes feiert.

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