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Baustelle am Waldrand: Die Vorbereitungsarbeiten für das Geothermie-Projekt laufen seit September, ebenso die für die Straße, die von der Raststätte Höhenrain mitten durch den Wald zur Baustelle führt.

Geothermie-Projekt Icking

Angst vor dem großen Verkehr

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Wenn die größte Geothermie-Anlage Deutschlands in der Gemeinde Icking gebaut wird, gibt es Baustellenverkehr durch Icking und Höhenrain. Der Verkehr könnte über die Raststätte Höhenrain fließen, aber das will die Autobahndirektion nicht. Damit könnte das Projekt scheitern.

Berg – Die Berger Windräder, die Ickinger Geothermie-Anlage – die beiden Nachbardörfer könnten zur Vorzeigeregion für erneuerbare Energien werden. Auf Ickinger Flur bei Attenhausen laufen bereits die Vorbereitungsarbeiten für die Baustelle für die laut Bauherrn größte Geothermie-Anlage Deutschlands (siehe Kasten). Jetzt droht ein massiver Streit, der von massiven Drohungen begleitet wird. Die Autobahndirektion Südbayern will nicht den gesamten Baustellenverkehr über die Autobahnraststätte Höhenrain laufen lassen, nur die ganz großen Fahrzeuge ab 40 Tonnen. Das alarmiert Ickings Bürgermeisterin Margit Menrad und ihren Berger Kollegen Rupert Monn. Beide befürchten massiven Verkehr in ihren Dörfern, ebenso der Münsinger Rathauschef Michael Grasl. Margit Menrad kündigt massiven Widerstand an und will notfalls auch rechtliche Schritte unternehmen: „Ich gehe davon aus, dass der Gemeinderat dabei hinter mir steht.“

Lärm-Grenzwerte werden unterschritten

Davon ist in der Tat auszugehen, denn das ambitionierte Projekt hat den Ickingern schon vieles abverlangt. 2012 waren die Rüttelfahrzeuge im Gemeindefahrzeug unterwegs, und seit klar ist, dass in 4000 Meter Tiefe 150 Grad heißes Wasser liegt, laufen Planungen und Projekt der Erdwärme Isar GmbH, einer Tochter der Erdwärme Bayern GmbH. Die Gemeinde Icking konnte die Investoren davon überzeugen, den Standort zu wechseln, weil der erste weniger verträglich war. Sie erstellte einen Bebauungsplan, in dem viele neuralgische Punkte geklärt wurden. Die Immissionen zum Beispiel, die nicht nur in Attenhausen, sondern auch in Höhenrain zu hören sein werden. Bei den umliegenden Wohnhäusern sollen „ 35 bis 38 dB(A) nicht überschritten werden“, heißt es auf der Homepage der Gemeinde Icking. „Damit werden die Grenzwerte für Dorf- und allgemeine Wohngebiete deutlich unterschritten.“

Baustellenverkehr läuft über Raststätte

Auch die Sache mit dem Verkehr hatte die Gemeinde gut geregelt. Sämtlicher Baustellenverkehr soll über die Autobahnraststätte Höhenrain laufen. „Es geht nur über die Raststätte“, unterstreicht Menrad im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. „Das war die Idee des Vorhabenträgers, und es steht in der Bohrgenehmigung des Bergamts Südbayern drin. Daran wollen wir festhalten, das ist für uns extrem wichtig.“ Für die Anbindung der Baustelle werde gerade eine Schneise im Wald asphaltiert. Die Unterführung, die den Verkehr unter der Autobahn durchleitet, ist auf große Lastwagen ausgelegt.

Was sich Gemeinde Icking und Bauherr so schön vorgestellt haben, das torpediert die Autobahndirektion Südbayern. Die Zusage für die Öffnung der Raststätte „gilt nur für die großen Fahrzeuge, die Schwertransporte“, sagt der Sprecher der Autobahndirektion Südbayern, Josef Seebacher, auf Anfrage des Starnberger Merkur. Nur die großen Schwertransporte mit den Bohrgeräten und die großen Lkws, die andere Strecken wegen ihrer Größe nicht fahren könnten, dürften die Raststätte als Ausfahrt benutzen. Also nur die Lastwagen mit 40 Tonnen oder mehr. „Das ist keine offene Anschlussstelle, das gilt nur für die Bauzeit“, unterstreicht Seebacher. Mehr sei von der Projektgesellschaft nicht nachgefragt worden. Allerdings räumt der Behördensprecher ein, dass noch kein offizieller Antrag vorliege, so dass er auch noch nichts über die Bauzeit sagen könne.

„Ein halbtolerierter Zustand“

Die Autobahndirektion sähe es jedenfalls nicht gerne, wenn der ganze Baustellenverkehr über die Raststätte führe. „Das ist eine Sonderlösung, nicht jeder Handwerker-Lastwagen kann sie nutzen.“, sagt Seebacher. „Wenn es mehr Fahrzeuge werden, können wir sie auch gar nicht mehr durchlassen.“ Es gehe nicht um Bequemlichkeit. Die aktuelle Situation, dass immer wieder Autos illegalerweise über die Raststätte ausfahren, könnte damit auch ein Ende haben. „Wahrscheinlich wird eine Schranke kommen“, kündigt Seebacher an. Derzeit herrsche dort „ein halbtolerierter Zustand“.

Die Autobahndirektion hat Sicherheits- und Haftungsbedenken. Haftung, weil die Straße kaputt gehen könnte. Und Sicherheit, weil die Nutzer des Parkplatzes gefährdet würden. „Dort steigen Menschen aus ihren Autos aus und wieder ein.“ Zudem gebe es Probleme mit der Lkw-Maut: „Die Fahrzeuge fahren dann an einer Stelle raus, wo es gar nicht geht.“

Abfahrt Schäftlarn nur eingeschränkt nutzbar

Für den Baustellenverkehr bedeutet dies, dass er über Schäftlarn oder Münsing fließen muss. Und damit über die Dörfer. Ickings Bürgermeisterin Menrad hat deshalb an Wirtschaftsministerin Aigner geschrieben. Deren Ministerium habe geantwortet, dass sie den Brief ans zuständige Innenministerium weitergeleitet haben, berichtet Menrad.

Bergs Bürgermeister Rupert Monn entkräftet die Argumente der Autobahndirektion: „Wer von München kommt und in Höhenrain rausfährt, biegt weit vor dem Parkplatz rechts ab. Der kommt gar nicht zum Parkplatz.“ Aus Richtung Garmisch sei mit weniger Baustellenverkehr zu rechnen. Diesen Fahrzeugen sei zuzumuten, bis nach Schäftlarn zu fahren und dort umzudrehen.

In Schäftlarn wartet ein anderes Problem: Die Autobahnabfahrt dort wird im Lauf des Jahres nur eingeschränkt befahrbar sein, weil die Autobahndirektion die Brücke dort neu baut.

Menrad ist deutlich verärgert über diese Komplikation durch das Geothermie-Projekt. „ Das war von Anfang an kein einfaches Projekt für eine kleine Gemeinde wie uns.“ Die Bürgermeisterin ist der Ansicht, dass der Rastplatz den zusätzlichen Verkehr vertrage. Und sie wartet gespannt auf eine Antwort aus dem Innenministerium. Monn ebenso und sein Kollege Grasl auch.

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