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Große Skepsis: Gemeinderat Berg stoppt Pläne auf Gut Biberkor

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Von: Tobias Gmach

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Stößt auf Widerstand im Berger Gemeinderat: Werner von Kahlden-Gmell, Eigentümer von Gut Biberkor und Gründer der dortigen Montessori-Schule.
Stößt auf Widerstand im Berger Gemeinderat: Werner von Kahlden-Gmell, Eigentümer von Gut Biberkor und Gründer der dortigen Montessori-Schule. © Andrea Jaksch

Große Skepsis herrscht im Berger Gemeinderat wegen der Umbaupläne auf Gut Biberkor, Standort des Montessori-Trägervereins. Eigentümer Werner von Kahlden-Gmell, dessen jüngster Bauantrag abgelehnt wurde, findet das „sehr befremdlich“. Er betont: Ihm gehe es nur um die Zukunft der Schule.

Biberkor – Wenn Gemeinderäte sagen, sie seien „überrascht“ oder „sehr skeptisch“, untertreiben sie in der Regel. Oft sind sie dann in Wahrheit erschrocken oder erzürnt, drücken sich in öffentlichen Sitzungen nur diplomatischer aus. Besagte Worte fielen diese Woche im Berger Gemeinderat. Ein Lokalpolitiker, Dr. Andreas Ammer (QUH), fühlte sich sogar „hinters Licht geführt“. Das Thema des Anstoßes: die Umbaupläne auf Gut Biberkor, dem Standort der größten Montessori-Schule Bayerns.

Gutseigentümer Werner von Kahlden-Gmell, genau gesagt seine GWM Wohnungsgesellschaft München, hatte beantragt, ein Haus auf dem Gelände neu und ein anderes umbauen zu dürfen. In den Plänen hatten einige Räte 26 Büroräume gezählt, die nicht explizit im Bauantrag genannt wurden. Deshalb auch Ammers Bemerkung. Laut Bauverwaltung war die Erwähnung aber gar nicht nötig, Büros seien generell laut Bebauungsplan auf Gut Biberkor zulässig, erklärte Amtsleiterin Beatrix Neubert. Am Ende lehnte der Gemeinderat die beantragte Nutzungsänderung samt des Neubaus eines Wohn- und Lehrhauses ab. Dafür stimmte lediglich Dritte Bürgermeisterin Elke Link, die sich als interimsmäßige Sitzungsleiterin hinter die Verwaltung stellte. Die anderen Beschlüsse, in denen es um eine Rampe zur Barrierefreiheit, ein Blechdach für eine Fotovoltaikanlage und einen Balkon (also um Befreiungen vom Bebauungsplan) ging, waren damit Makulatur.

„Das hat dann nichts mehr mit Sonderpädagogik zu tun“

„Überrascht“ war Annatina Manninger (CSU). Sie fragte sich, ob das Projekt inklusives Mehrgenerationen-Wohnen für Eigentümer von Kahlden-Gmell gestorben sei. „Sehr skeptisch“ war Verena Machnik (Grüne). Sie sagte in Anspielung auf die Büros in den Plänen und die geschwundenen Gästezimmer der Montessori-Akademie: „Das hat dann nichts mehr mit Sonderpädagogik zu tun.“ Link entgegnete, der Eigentümer habe der Gemeinde auf Nachfrage mitgeteilt, er bräuchte die Gebäude für die Schule und den Montessori-Trägerverein.

Das bestätigt Werner von Kahlden-Gmell im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. „Es geht hier um die Montessori-Pädagogik und um nichts anderes. Es geht um Räume, die ich an den Montessori-Verein und dessen Verwaltung vermiete.“ Seine GWM Wohnungsgesellschaft, Eigentümer von Gut Biberkor, dehne sich nicht aus, sagt er auf Nachfrage und widerspricht damit einer Vermutung, die im Gemeinderat durchklang. Die GWM bekomme im Haus mit der Adresse Biberkorstraße 19 fünf Büros, den größeren Teil beanspruche die Montessori-Verwaltung. Im Haus 21 seien einzelne Bereiche aus Brandschutzgründen gesperrt. „Wir wollen es neu bauen, um wieder alle Stockwerke nutzen zu können“, sagt von Kahlden-Gmell. Als einstiger Gründer der wachsenden Montessori-Einrichtung, die mittlerweile 630 Kinder besuchten, wolle er deren Zukunft sichern. Die Äußerungen im Gemeinderat und die Stimmungslage an sich findet er „sehr befremdlich“.

Im nördlichen Außenbereich des Gutsareals möchte von Kahlden-Gmell ein inklusives Mehrgenerationenhaus errichten lassen, in dem Menschen mit und ohne Behinderung zusammenleben. Der alte Gemeinderat, der bis zur Wahl im März 2020 im Amt war, stand den Plänen größtenteils wohlwollend gegenüber, stimmte einem geänderten Bebauungsplan zu. Der neue tut dies nicht mehr. Manche Lokalpolitiker wie Annatina Manninger fragen sich, warum der Eigentümer das inklusive Projekt nicht im Altbestand verwirklicht. Von Kahlden-Gmell: „Das geht nicht von der Bausubstanz her. Der Grundriss gibt die Flächen nicht her.“

Bezüglich der Neu- und Umbaupläne der Häuser 19 und 21 betont der Eigentümer: „Der Bauantrag bleibt aufrechterhalten. Wir wollen mit der Gemeinde erneut ins Gespräch kommen.“

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