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Das Trümmerfeld auf dem abgebrannten Handwerkerhof in Manthal gibt auch heute noch Zeugnis von den Auswirkungen des verheerenden Feuers in der Nacht zum Pfingstsonntag.

Großfeuer in Manthal

Es gibt noch viele offene Fragen

Einen Monat nach dem verheerenden Großbrand auf dem Handwerkerhof in Manthal ist die Brandursache weiter ungeklärt. Der Zerstörungsgrad ist so ausgeprägt, dass kaum verwertbare Spuren zu finden sind. Inzwischen hat die Feuerwehr den Einsatz ausgewertet.

Manthal Die Polizei hält sich mit Aussagen zur Ursache des Brandes auf dem Handwerkerhof im Berger Ortsteil Manthal zurück. Gerüchteweise ist von Brandstiftung die Rede. Die Kripo ermittele in alle Richtungen, erklärte eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord auf Anfrage. Der hohe Grad der Zerstörungen durch das Feuer in der Nacht zum Pfingstsonntag mache die Ermittlungen schwierig. Ein externer Gutachter wurde eingeschaltet, der die Brandstelle untersucht. Das Gutachten liegt jedoch noch nicht vor. Zudem vernahm die Kripo eine Reihe von Zeugen, darunter Führungskräfte der Feuerwehren.

Als sicher gilt derzeit, dass Arbeiten mit Leinöl, das sich in Lappen durchaus entzünden kann, nicht für den Brand verantwortlich waren. Unterdessen hat Kreisbrandbrat Peter Bauch einen Bericht an die Regierung von Oberbayern geschickt – die Behörde wollte über die Geschehnisse in Manthal informiert werden. Demnach waren 207 Helfer im Einsatz, darunter 150 Feuerwehrleute der Feuerwehren Allmannshausen, Bachhausen, Berg, Gilching, Kempfenhausen, Krailling, Percha, Pöcking, Söcking, Starnberg, Stockdorf, Traubing, Unterbrunn und Wangen sowie aus Neufahrn. Dazu kamen 30 Helfer des Rettungsdienstes, zehn aus den THW-Ortsverbänden Starnberg und Weilheim, zehn Polizisten, zwei Mitarbeiter des Wasserwirtschaftsamtes und einer vom Stromversorger sowie vier Mitglieder der Kreisbrandinspektion. Der Einsatz dauerte insgesamt fast 24 Stunden.

In der Auswertung kommt Bauch zu dem Schluss, dass „das Gros super geklappt hat“. Problematisch sei die Zufahrt gewesen, „die Straße ist ein Nadelöhr“. Zudem machte die Hitze den Einsatz schwierig – Straßenlaternen schmolzen, auch ein Blaulicht eines Feuerwehrfahrzeugs nahm deswegen Schaden. Wegen der beengten Verhältnisse habe man das TLF 4000 der Söckinger Wehr nicht wie gewollt einsetzen können – es kam mit seinem Wasserwerfer nicht nah genug heran. Die Wasserversorgung habe sich ebenfalls als anfangs schwierig erwiesen. Was aus den Hydranten kam, sei „ganz mau“ gewesen. Deswegen pumpten die Löschmannschaften Wasser aus dem nahen Lüßbach und dem Weiher des Sägewerks. „Schlussendlich hat das ausgereicht“, stellt Bauch fest.

Den Wehren sei schnell klar gewesen, dass Teile des Handwerkerhofes nicht zu halten waren. Deswegen habe man sich auf den Schutz angrenzender Gebäude konzentriert. Das grüne Wohnhaus auf der Westseite des Areals, aus dem sich sechs Bewohner in Sicherheit bringen konnten, gehörte nicht dazu. Das Feuer kam über den Keller und durchs Dach, wenngleich von außen anfangs keine Flammen zu sehen waren. Der leichte Ostwind in der Brandnacht machte den Feuerwehren die Arbeit zusätzlich schwer, weil er den Rauch auf den Boden drückte. Mehrfach mussten Löschtrupps kurzzeitig abgezogen werden, die nicht mit Atemschutz ausgerüstet waren.

Was genau in den Schuppen gelagert war, ist unklar – sicher waren viele Gasflaschen darunter und mindestens ein großer Öltank. Der Ablauf der ersten Minuten nach dem Alarm um 2.45 Uhr, für den sich die Kripo interessiert, stellt sich derzeit so dar: Ein Mieter hatte in einem Schuppen übernachtet und war von einem Rauchmelder wach geworden. Er weckte die Bewohner des grünen Hauses. Fast zeitgleich kamen Kempfenhausens Kommandant Christian Ebert und Starnbergs Kommandant Markus Grasl am Brandort an. Ebert verschaffte sich mit einem Schlüssel von der Seite Zugang zur Gaststätte, um die Eigentümerfamilie zu wecken. Feuerwehrleute aus Percha, die mit dem ersten Löschfahrzeug vor Ort waren, schlugen fast zeitgleich eine andere Tür der Gaststätte ein und halfen bei der Menschenrettung. Die Gaststätte blieb fast unbeschädigt, der Schießstand im hinteren Dachgeschoss brannte zum zweiten Mal aus.

Wie Bauch sind auch die Kommandanten und Abschnittsleiter insgesamt zufrieden. Grasl hat in mehr als 20 Jahren Dienst einen so ausgedehnten Brand mit Menschenrettung nicht erlebt. „Was zu schützen war, wurde geschützt“, sagt er. „Wir hatten Glück, dass kein Feuerwehrmitglied zu Schaden kam.“

Die BRK-Bereitschaften haben ihre eigene Bilanz gezogen. Sie waren kurz nach den Feuerwehren alarmiert worden: „Um 3.18 Uhr klingelte bei den ehrenamtlichen Helfern der BRK-Bereitschaften im Landkreis Starnberg der Piepser. Alarmiert wurden die SEG Transport, psychosoziale Notfallversorgung, Betreuung und Verpflegung, und auch die Hintergrund-RTW rückten aus. Mehr als 30 Einsatzkräfte aus den Bereitschaften in Gauting, Gilching, Herrsching, Seefeld, Starnberg und Tutzing sowie des Kriseninterventionsteams waren auch sofort zur Stelle“, heißt es im Fazit von Sandra Victoria Rothhaar, Pressesprecherin der Kreisbereitschaftsleitung. Die BRK-Helfer versorgten die Einsatzkräfte mit rund 400 Mahlzeiten und Getränken und kümmerten sich um 16 Betroffene. „An die Kinder verteilten sie Spielsachen und schirmten sie soweit wie möglich vom Einsatzgeschehen ab. Den erwachsenen Betroffenen boten sie Gesprächsmöglichkeiten an und kümmerten sich um deren psychische Betreuung.“

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