Zwei Jahre lang war Helmut Diehl (2.v.l.) Mechaniker bei Motorrad-Weltmeister Toni Mang (Mitte), bis die Inninger Rennsportlegende nach einem schweren Sturz seine Karriere beenden musste.
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Zwei Jahre lang war Helmut Diehl (2.v.l.) Mechaniker bei Motorrad-Weltmeister Toni Mang (Mitte), bis die Inninger Rennsportlegende nach einem schweren Sturz seine Karriere beenden musste.

Motorsport

Helmut Diehl, der Schrauber von Weltmeister Toni Mang

Es gibt Momente, die vergisst man sein Leben lang nicht. Für den jungen Höhenrainer Helmut Diehl war der Abend des 24. Oktober 1987 so ein Moment. Er war der „Schrauber“ von Motorrad-Weltmeister Toni Mang.

Höhenrain/Inning – Vollbesetztes Inninger Festzelt, 1500 Fans aus ganz Deutschland sind da, um den wohl berühmtesten Inninger, nach dem im Ort sogar eine Straße benannt ist, zu feiern. Und dann kommen Helmut Diehl und sein Mechaniker-Kollege Lucas Schmidt und tragen ihn unter tosendem Applaus auf ihren Schultern auf die Bühne. Da ist er: Toni Mang (mittlerweile 71), der gerade zum fünften Mal Motorrad-Weltmeister geworden war. Nicht zuletzt auch das Verdienst seines „Schraubers“ Diehl, der ein Jahr zuvor für den legendären Mechaniker Sepp Schlögl gekommen war. „So etwas bleibt für die Ewigkeit bestehen. Es herrschte irre Party-Stimmung, wir haben sehr lange gefeiert“, erinnert sich Diehl. Und er weiß noch: „Bei unserer WM-Feier auf Schloss Kaltenberg bekam Toni dann von Prinz Luitpold höchstpersönlich ein kleines Fassl Bier – mit dem Versprechen, dass er es Zeit seines Lebens kostenlos wieder auffüllen lassen kann.“

Diehl hatte seine eigene Motorrad-Karriere 1986 beendet. Als Mang anrief, gab er seiner „großen Liebe“, den Rennen mit dem Seitenwagen, den Laufpass. Sieben Jahre, seit er 18 war, war der frühere Geräteturner als Beifahrer professionell auf den großen Strecken dieser Welt unterwegs. Mit Georg Winter aus Wertingen wurde er Berg-Europameister, mit 22 stieg er dann als erster Deutscher in den Beiwagen des bekannten Japaners Masato Kumano um. „Sein Angebot konnte ich nicht ausschlagen.“ Es wurde eine sehr erfolgreiche Zeit: Sie wurden in den drei gemeinsamen Jahren dreimal Deutsche Vizemeister, einmal WM-Fünfte und zweimal WM-Sechste.

Seine große Liebe waren die Motorradrennen mit dem Seitenwagen, doch als ihn 1986 Toni Mang anheuerte, beendete Helmut Diehl (l.) seine eigene Rennsportkarriere. 

Aber Diehl wusste damals schon: „Ich kann nicht ewig im Seitenwagen sitzen.“ Er meldete sich für die Meisterschule an und wurde Mangs enger Vertrauter – und enger Freund: „Ich war nicht nur sein Mechaniker. Ich habe oft bei ihm in Inning übernachtet, ich habe mit ihm trainiert und abends haben wir gemeinsam ein Bier getrunken. Es wurde eine sehr enge Freundschaft, die bis heute hält.“ Die Zusammenarbeit mit dem Motorrad-Star vom Ammersee dauerte nur knapp zwei Jahre. Als Mang 1988 in Rijeka schwer stürzte und danach seine Karriere beendete, war auch für Diehl fürs Erste Schluss. „Trotz mehrerer Angebote“, wie er sagt. Zumal auch ein geplanter deutscher Toni-Mang-Rennstall mangels Sponsoren scheiterte.

Aber der Mechaniker aus Höhenrain blieb dem Motorsport weiterhin treu. Mit dem Meisterbrief in der Tasche bewarb er sich im Frühjahr 1989 bei BMW in München. Er bekam den Job und fing im Juni in der Motorrad-Entwicklungsabteilung an. „Ich hatte das große Glück, dass ich mein Hobby zum Beruf machen konnte. Und ich habe BMW sehr viel zu verdanken. Ich hatte immer interessante Aufgabengebiete und bin jetzt seit 32 Jahren dabei“, erzählt der 59-Jährige. Im Juli wird er 60 und geht Ende des Jahres in den Vorruhestand.

Seit 1991 lebt der 59-Jährige mit seiner Frau Barbara und den Töchtern Romy (l.) und Sarah in Kochel am See.

Mehr als drei Jahrzehnte nach der Zusammenarbeit mit Mang ist der Schnauzbart weg, und Diehl hat längst die Seen gewechselt. 1991 ist er nach Kochel am See gezogen. Hier lebt er mit Ehefrau Barbara und den Töchtern Romy (23) und Sarah (22). „Ich wurde vom weit reisenden Rennfahrer zum glücklichen Familienvater mit Berg-Begeisterung“, erzählt er. Der Bergsport hat ihn gleich fasziniert, als er nach Kochel kam. Diehl wurde Mitglied der Bergwacht und des Skiclubs, wo er sich um den nordischen Nachwuchs kümmert. „Da will ich nach Corona etwas aufbauen“, verrät er. „Im Sommer Mountainbike, Berglauf und Klettern mit meiner Frau. Im Winter Langlauf, Skitouren und Alpinski, da bin ich gut ausgelastet“, sagt er. Früher waren auch die „höheren Berge“ sein Ziel. Diehl war mit seiner Babsi auf dem Mont Blanc, auf zwei 6000ern in Ecuador und auf dem Kilimandscharo. „Und wir haben 2017 mit einer Kocheler Gruppe in Nepal den Manaslu umwandert. Das war bislang der letzte große Berg.“ Diehl war übrigens auch einer der ersten Stand Up-Paddler in Kochel. „Da bin ich sogar mal drei Tage die Etsch von Meran bis Verona runtergepaddelt.“

Volles Sport-Programm also immer noch beim ehemaligen Motorsportler. Bleibt da auch noch Zeit, selbst Motorrad zu fahren? „Klar“, sagt er. „Obwohl ich gar keine eigene Maschine habe. „Aber weil ich bei BMW in der Versuchsabteilung arbeite, kann ich jederzeit ein Motorrad zum Testen ausleihen.“

Thomas Ernstberger

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