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Die Polizei wurde zum Fußballplatz des FSV Höhenrain gerufen.

Nächster gewaltsamer Vorfall im Fußball

Höhenrainer Kicker landet in Klinik - Jetzt ermittelt auch das Kreissportgericht

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Die Polizei wurde am Sonntag nach einem Fußballspiel nach Höhenrain gerufen. Grund: Ein gegnerischer Spieler sollen einen Höhenrainer Kicker nach dem Schlusspiff im Kabinengang niedergeschlagen haben.

Update, Donnerstag, 14.15 Uhr:

Das Kreissportgericht Zugspitze verhandelt noch über eine dritte Angelegenheit im Zuge der Vorfälle beim Kreisklassenspiel zwischen dem FSV Höhenrain und dem ASV Antdorf am vergangenen Sonntag. Auf dem Kunstrasen am Bussardweg war es nach dem Abpfiff zu Ausschreitungen auf dem Platz gekommen. Anschließend wurde ein Höhenrainer Spieler im Kabinentrakt niedergeschlagen (wir berichteten). 

Bisher war nur bekannt geworden, dass gegen den Antdorfer Trainer Hans-Peter Oswald und seinem Spieler Nikola Spasic wegen Schiedsrichterbeleidigung ermittelt wird. Da Referee Vitus Waibel im Elektronischen Spielbericht (ESB) einen Vermerk unter der Rubrik Gewalttaten angekreuzt hat, werden automatisch sowohl der Unparteiische als auch die beteiligten Vereine dazu vernommen. Das Kreissportgericht wollte das weder bestätigen noch dementieren. „Wir dürfen uns zu einem laufenden Verfahren nicht äußern“, erklärte Beisitzer Gerhard Roth. 

Schiri-Obmannn Wind kritisiert Antdorfs Trainer Oswald

Mehr Gesprächsbedarf sah hingegen Klemens Wind. Der Obmann der Schiedsrichtergruppe Weilheim wies Oswalds Behauptung gegenüber der Presse zurück, dass Waibel die Verantwortung für die Vorfälle nach dem Spiel trage. „Schuld ist der Schiedsrichter“, hatte der Antdorfer Trainer gesagt. „Ich finde es absolut unverschämt, so etwas zu behaupten“, wehrte sich Wind vehement gegen diese Anschuldigung. Wind vermutet dahinter ein gezieltes Ablenkungsmanöver, das zu Lasten seines Referees gehe. „Herr Oswald sollte sich zuerst nach seiner eigenen Verantwortung fragen, bevor er anderen die Schuld gibt“, riet er dem Trainer, in sich zu gehen. Der Chef der Weilheimer Schiedsrichter verwies darauf, dass es Oswald sei, gegen den wegen Schiedsrichterbeleidigung vom Kreissportgericht ermittelt werde. Außerdem sei es einer seiner Spieler, der bei der Polizei als tatverdächtig gelte, einen Höhenrainer niedergestreckt zu haben. 

Affengeste gegen Spieler mit weißer Hautfarbe wird nur als Unsportlichkeit geahndet

Zwischen den beiden Kickern war es schon während des Spiels zu Provokationen gekommen. Wie sich jetzt herausstellte, hatte das spätere Opfer gegenüber dem 25-jährigen Antdorfer eine Affengeste gemacht. Die Gelbe Karte, mit der Schiedsrichter Waibel diese Beleidigung ahndete, hielt Oswald für eine zu geringe Strafe. Nach dem Schlusspfiff wiederholte der Höhenrainer erneut diese Geste gegenüber dem Antdorfer, was jedoch hinter dem Rücken des Unparteiischen geschah. Wind stellte klar, dass Waibel in diesem Fall nach dem Regelwerk gehandelt hätte. „Nur wenn ein weißer gegenüber einem farbigen Spieler eine solche Geste macht, gibt es zwingend Rot“, erklärte Wind, „ansonsten Gelb.“ Der betroffene Antdorfer Fußballer habe jedoch eine weiße Hautfarbe, weshalb es sich um eine Unsportlichkeit handle und nicht um einen Fall von Rassismus. 

Schiedsrichter Waibel hat absolut regelkonform gehandelt

Der Obmann hält es deshalb für ein Unding, dass einem 20-jährigen Schiedsrichter eine Entscheidung zur Last gelegt werde, die regelkonform sei. „Wenn das so weitergeht, pfeift bald niemand mehr“, ermahnte er die Vereine eindringlich, über die Tragweite ihrer Behauptungen gewissenhaft nachzudenken, bevor sie mit ihrer Kritik an die Öffentlichkeit treten.


Update, Dienstag, 17 Uhr:

Die Vorfälle beim Kreisklassenspiel zwischen dem FSV Höhenrain und dem ASV Antdorf (wir berichteten) am vergangenen Sonntag ziehen Konsequenzen nach sich. Beim Kreissportgericht Zugspitze sind zwei Verfahren wegen Schiedsrichterbeleidigung anhängig. Beschuldigt werden Antdorfs Trainer Hans-Peter Oswald und sein Spieler Nikola Spasic. Ausgenommen von der Verhandlung bleiben die Geschehnisse nach Spielende im Kabinentrakt des Höhenrainer Sportheims. Wie die Polizei ermittelte, soll ein 28-jähriger Fußballer des FSV von einem 25-jähriger Antdorfer Spieler niedergeschlagen worden sein, was dieser jedoch bestreitet. 

Oswald war schon während der Partie von Schiedsrichter Vitus Waibel verwarnt worden. Nach dem Abpfiff äußerte sich der Trainer erneut in ungebührlicher Weise gegenüber dem Unparteiischen, was die Rote Karte nach sich zog. Auch Spasic ließ sich zu Beleidigungen gegenüber Waibel hinreißen. „Er hat Sachen gesagt, die unter der Gürtellinie waren“, behauptet Klemens Wind. Der Obmann der Schiedsrichtergruppe Weilheim kommentierte die Vorfälle in Höhenrain, weil Waibel in einem laufenden Verfahren Zeuge ist und sich deshalb nicht persönlich äußern wollte. 

Der Schiri-Chef verwahrte sich gegen die Polemik, mit der Oswald in manchen Medien die Leistung des 20-jährigen Referees verunglimpft hatte („was der gepfiffen hat, übertrifft alles“). Wind stellte klar, dass Waibel trotz seines jungen Alters „einer der Besten“ in seiner Riege sei. „Er ist ein junger Kerl, der ruhig bleibt“, charakterisierte er den Nachwuchsschiedsrichter, der bereits Spiele bis zur Bezirksliga leitet. 

Diese Gelassenheit war in der hitzigen Schlussphase der Partie am Sonntag besonders gefordert. Wind attestierte seinem Schiedsrichter, dass er in den kritischen Situationen mit seinen Entscheidungen angemessen und souverän auf die Regelverstöße der beiden Mannschaften reagiert habe. 

Als Waibel die Partie nach 96 Minuten beendete, kam es zu tumultartigen Szenen auf dem Platz, an denen neben den Spielern auch Zuschauer beteiligt waren. Ungefähr zwei Dutzend Personen gerieten aneinander. Während der Ordnungsdienst versuchte, die Streithähne zu beruhigen, zog sich der Schiri aus dem Brennpunkt des Geschehens zurück und lief zur Kabine, wie es den Anweisungen der Schiedsrichtergruppe entspricht. „Wir sind nicht dafür zuständig, wenn sich die Vereine rumkloppen“, erklärte Wind. 

Der Ball liegt nun beim Kreissportgericht, das über die beiden Verfahren zu befinden hat. Waibel hat als Augenzeuge seinen Bericht bereits abgegeben. Möglicherweise kommt es zu einer mündlichen Verhandlung, nach der ein Urteil gefällt wird.

Erstmeldung vom Dienstag, 15 Uhr


Höhenrain– Ein Nachspiel hat die Partie der Kreisklasse Gruppe 3 zwischen den Fußballern aus Höhenrain und dem ASV Antdorf vom Sonntag (Endstand 3:2 für Höhenrain). Weil ein Spieler des FSV nach dem Schlusspfiff im Kabinengang offenbar von hinten niedergeschlagen wurde, ermittelt die Polizei. Unter Verdacht steht ein Fußballer des ASV.

Der 25-Jährige soll von einem Zeugen beobachtet worden sein, wie er dem Höhenrainer als einziger nach Spielende in die Umkleidekabine folgte. Nach dem Schlag stürzte der 28-Jährige nach eigenen Angaben zu Boden, schlug mit dem Kopf auf und zog sich dabei eine Gehirnerschütterung zu, die im Krankenhaus behandelt werden musste. Der Antdorfer Spieler bestreitet die Tat, teilte die Polizei mit.

Zuvor war es schon zu Auseinandersetzungen auf dem Platz gekommen. Mit einer abfälligen Geste soll der Höhenrainer den Antdorfer in der Nachspielzeit provoziert haben, wofür er vom Schiedsrichter verwarnt wurde. Nach dem Schlusspfiff eskalierte die Situation. Spieler beider Mannschaften gingen aufeinander los, konnten jedoch von den Verantwortlichen beider Vereine getrennt werden. Christian Feirer konnte sich keinen Reim auf die Streitereien machen: „Warum sich die Spieler nach dem Spiel gefetzt haben, keine Ahnung.“ Der Vorsitzende des FSV Höhenrain räumte die Provokation in der Schlussphase der Partie ein, konnte aber zu den weiteren Geschehnissen keine Angaben machen. „Ich weiß nicht, ob ihm der Antdorfer gefolgt ist oder sie sich zufällig getroffen haben.“ Zeugen für die Tat konnte die Polizei keine ermitteln. „Neutrale Zeugen, die die eine oder andere Variante bestätigen könnten, sind bislang nicht bekannt“, erklärte ein Polizeisprecher am Montag.

Ebenso wie Feirer hüllte sich Hans-Peter Oswald in Schweigen. „Ich sage nichts dazu“, erklärte der Antdorfer Trainer. Auch über den Inhalt des Gesprächs, das er später mit seinem beschuldigten Spieler führte, wollte er keine Angaben machen. „Das bleibt bei uns.“ Die Verantwortung dafür, dass die Situation nach dem Abpfiff eskalierte, sah Oswald nicht bei den Fußballern. „Schuld ist der Schiedsrichter“, monierte er. Der Referee habe vorher nicht konsequent durchgegriffen.

Auch FSV-Chef Feirer kann sich nicht erklären, warum seine Kicker auf einmal so in Rage gerieten. „Sie sind eigentlich zu brav für die ganze Sache“, sagte er. Er verwies darauf, dass seine Elf in der Fairness-Tabelle der Liga auf dem ersten Platz steht. Insgesamt zeigte sich der FSV-Chef von den Vorfällen tief betroffen. „Das wirft auf beide Seiten kein gutes Licht“, stellte er klar.  

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