So kannten ihn viele Berger: Dr. Reinhard Luyken, gut gelaunt und draußen unterwegs.
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So kannten ihn viele Berger: Dr. Reinhard Luyken, gut gelaunt und draußen unterwegs.

Nachruf

Immer in Bewegung: Zum Tod des beliebten Berger Arztes Dr. Reinhard Luyken

  • Tobias Gmach
    vonTobias Gmach
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Dr. Reinhard Luyken war sein Leben lang in Bewegung – mit den Beinen und im Kopf. Als beliebter Hausarzt versorgte er jahrzehntelang halb Berg, als verständnisvoller Ehemann, Vater, Opa und Freund beeindruckte er zutiefst. Nun ist er mit fast 100 Jahren gestorben.

Kempfenhausen – Tok, tok, tok. Wenn seine Nachbarn in Kempfenhausen das Geräusch des Wanderstocks auf der Straße hörten, wussten sie: Dr. Reinhard Luyken zieht wieder los. Das „Tok-Tok-Tok“ war immer der Auftakt für einen Weg, auf dem er bei anderen Menschen ein gutes Gefühl hinterlassen sollte. Schon ein kurzes Gespräch am Gartenzaun konnte dafür verantwortlich sein.

Reinhard Luyken war sein Leben lang in Bewegung – mit den Beinen und im Kopf. Er ist viel und weit gegangen, hat sich nie gehen lassen. Als beliebter Hausarzt versorgte er jahrzehntelang halb Berg, als verständnisvoller Ehemann, Vater, Opa und Freund beeindruckte er zutiefst. Nun ist er mit fast 100 Jahren gestorben.

„Er hatte ein wirklich schönes Leben“, sagt seine Tochter Michaela, die ihren Vater bis zum Ende liebevoll umsorgte. Geboren wurde Luyken am 23. August 1921 in Reinbek bei Hamburg. Ins Studium startete er im Zweiten Weltkrieg, das Staatsexamen machte er im Jahr 1948. 1960 begann sein Wirken als Kinder- und Allgemeinarzt in Kempfenhausen – und damit ein Berufsleben, das er sich schon als Kind gewünscht hatte. Bis 1994 führte er seine Praxis und betreute seine Patienten nicht nur medizinisch, sondern modern-pädagogisch und menschlich offen. „Er war für die meisten mehr als nur ein Arzt“, sagte Johannes Habdank, Freund der Familie und evangelischer Pfarrer in Berg, an Luykens Grab.

Bestätigen kann das Dr. Kurt Preißler, der ihn seit seinen Anfängen in Berg erlebte und ein guter Freund wurde. „Er war ein Arzt, der sehr darauf geachtet hat, was die Patienten brauchen und wollen“, sagt er. Seiner ganzen Familie habe er beigebracht, „wie man sorgsam, aber nicht überängstlich mit der eigenen Gesundheit umgeht“. Beeindruckend, auch für seine Zeit, war an Luyken, wie ernst er die Kinder nahm, die er behandelte.

Dem Drang, anderen zu helfen, stand der Drang nach Wissen in nichts nach. Reinhard Luyken besuchte mit seinem Freund Preißler nach der Pensionierung Uni-Vorlesungen, auch über Philosophie und Religion. Zeitungsartikel studierte er ebenso, indem er einzelne Passagen markierte.

Reinhard Luyken musste immer raus aus seiner Komfortzone – auch im Wortsinn. Hätte er sich sonst im hohen Alter einer Walk-&-Talk-Gruppe angeschlossen, die beim Wandern die englische Sprache pflegt? Rad- und Skifahren gehörten zu seinen Leidenschaften, und als das nicht mehr ging, suchte er sich eben neue. „Er hat nie etwas bedauert oder gejammert“, sagt Tochter Michaela. In jedem Rückschlag sah er auch eine Chance. Noch mit weit über 80 Jahren schwamm er täglich und im Winter besonders gerne im Starnberger See vor Kempfenhausen. Mit über 90 überraschte er seine Tochter, als er statt des Höhenwegs doch den Berg raufgehen wollte – und es auch schaffte. Die hohe Selbstdisziplin ließ nie nach, noch vier Wochen vor seinem Tod war Reinhard Luyken mit dem Rollator draußen.

„Gut, wie immer“: Das war seine Standard-Antwort auf die Frage, wie es ihm geht. Positiv, optimistisch, energievoll, lebensfroh, bescheiden, uneitel, ein Vorbild: So beschreiben ihn sowohl die, die ihn ein Leben lang kannten als auch die, die mit ihm ein paar mal am Gartenzaun ratschten.

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