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Kunst aus der Stille: Rundgang im ehemaligen königlichen Reitstall in Berg

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Freuen sich auf viele Besucher: Lucie Plaschka (l.) und Marlies Beth zeigen mit mehr als 40 Künstlerkollegen an diesem Wochenende ihre Werke im Berger Marstall.
Freuen sich auf viele Besucher: Lucie Plaschka (l.) und Marlies Beth zeigen mit mehr als 40 Künstlerkollegen an diesem Wochenende ihre Werke im Berger Marstall. © Andrea Jaksch

Mehr als 40 Künstler des Berger Kulturvereins stellen derzeit ihre Arbeiten im Marstall aus. Ein Besuch.

Berg – Die Corona-Krise trifft die bildenden Künstler besonders hart, werden sie doch im Konjunkturpaket der Bundesregierung weniger berücksichtigt als andere Kulturbranchen. Um so wichtiger ist es also, dass Ausstellungen besucht werden. Am kommenden Wochenende hat man nach einem Jahr Stille wieder Gelegenheit, einen der ältesten Kunstvereine des Landkreises wahrzunehmen, wenn im Berger Marstall über 40 aktive Mitglieder des 1988 gegründeten Kulturvereins Berg ihre Arbeiten ausstellen. Der Rundgang im ehemaligen königlichen Reitstall lohnt sich.

„Stille“ war das Thema 2020. Dann wurde die Jahresausstellung abgesagt, das Land war im Lockdown, und es wurde wirklich still. Für diese Schau jetzt wurde gar kein Thema ausgegeben, Lucie Plaschkas Arbeit „Stille“ bezieht sich noch auf das vorjährige Motto. Sie zeigt deformierte CDs, die auf Asche liegen. Tönende Kunst? Es gibt sie nicht. Bei Daniela Fugger-Antonacci steht die Welt still, wenn sich die Windräder in Berg nicht mehr drehen.

Wie immer gibt es zahlreiche abstrakte Arbeiten. Karin Schmitz verbindet Farbverläufe zu ihrem „Universum“, Karen Mansesen bannt Nebelglanz in Kontrastfarben und baut dabei ein Spannungsfeld auf. Der ausschließlich in Mischfarben gemalte „Wandteppich“ von Anette Girke überzeugt durch sicheres Farbempfinden auch im großen Format. Gegenständliches findet man bei Bettina Tratzmüllers Nachtbild, die silberglänzende Lichtreflexionen in der Berliner Friedrichstraße festhält. Simone Opdahl dagegen lässt beherzt einen Hasen übers frische Gras fliegen, Elisabeth Güllich verwandelt eine Wiese in ein dynamisches Feld, das gen Horizont fließt, und Marlies Beth experimentiert damit, in einer Linie und „blind“, also ohne einen Blick aufs Papier, zu zeichnen. Ihr Beitrag ist der unmittelbarste Ausdruck von Losgelöstheit, wobei Form und Inhalt überzeugend miteinander verschmelzen. Nichts mehr wird festgeschrieben, die Linie ist ein Tanz übers Papier.

Fotos, Collagen und Skulpturen

Daneben gibt es wunderbare Fotos, Collagen und Skulpturen. Margaritta Wiederholt experimentiert mit Tonscherben, Ernst Grünwald beeindruckt mit zwei kleinen Bronzen, einem Harlekin und einem Zeitungsleser, und Christiane Leimklef verleiht schwarz eingefärbten Stempeln mit Federn Leichtigkeit. Bei Fritz Güllich fallen liebenswerte Viecher in Handschmeichlerformat in entspannten Winterschlaf. Birgit Berends-Wöhrl lässt Mini-Kobolde in Bronze auftreten. Sie begrüßen den Ausstellungsbesucher lachend mit offenen Armen.

Die Ausstellung ist Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr eröffnet, Vernissage ist heute um 19 Uhr. Jeder ist herzlich eingeladen, auf die Einhaltung der Corona-Regeln wird geachtet. Mitwirkende sind Juschi Bannaski, Sabine Beck, Birgit Berends-Wöhrl, Harald Berner, Marlies Beth, Christina Biron, Elisabeth Biron von Curland, Paolo de Brito, Anette Emrich, Ilse Frank Raab, Hansjörg Füllgraff, Daniela Fugger-Antonacci, Rosemarie von Funcke, Anette Girke, Juliane Luisa Gleue, Ernst Grünwald, Elisabeth und Fritz Güllich, Wieland Hölzel, Andreas Huber, Petra Jakob, Roswitha Kaissling-Koschnik, Christine Kolbinger, Maria Rosina Lamp, Christiane Leimklef, Karen Mansesen, Sanna Myrtinnen, Christoph Nicolaus, Simone Opdahl, Lucie Plaschka, Heidi Preißler, Ragna Regenbogen, Rasha Ragab, Helga Rudolf, Matthias Schilling, Karin Schmitz, Carl Schmöle, Ute Schönemann, Gerlind Stadler, Cornelia Teubner, Bettina Tratzmüller, Martin Vollmer, Margaritta Wiederholt, Ute Wolff und Elisabeth Zacharias.

Astrid Amelungse-Kurth

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