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Immer auf der Hut sind die Burschen und Madln aus Berg, wenn es darum geht, den Maibaum zu bewachen. Die Miesbacher haben in diesem Jahr schon einmal einen Spion vorgeschickt.

Maibaum-Wache

"Mit dem Heli könnt`es klappen"

Berg - Die Berger Burschen fahren alle vier Jahre einen neuen Maibaum in ihr Dorf ein. Die 30-Meter-Fichte liegt nun bis zur Maifeier im Stadl und wird von den Burschen jede Nacht bewacht. Damit wird verhindert, dass andere Burschen den Baum klauen.

Das Berger Wachbuch offenbart, wie diszipliniert Burschen und Madln ihren Baum hüten. Auf blau beschriebenen Seiten führen die eingeteilten Wachen akribisch Protokoll darüber, wie die Nacht verläuft. „Am gefährlichsten sind die Morgenstunden“, erklärt Maximilian Stumpfe, zweiter Oberbursch von Berg. „Da liegen die anderen irgendwo im Gras und lauern auf den richtigen Moment.“

Es brauche 40 bis 50 Mann, um einen Maibaum zu klauen, erklärt er. Der auf Böcken liegende Stamm werde mit dem Traktor abtransportiert. „Vor acht Jahren hätten wir der Burschenschaft Miesbach fast den Baum geklaut“, erzählt Maximilian Stumpfe. „Wir haben ein Auto weggehoben, ein Schloss geknackt und den Baum schon aufgeladen. Das war um 5 Uhr morgens. Aber leider wurden wir entdeckt.“ Ein Dorfbewohner kann den Diebstahl stoppen, indem er eine Hand auf den Baum legt und die magischen Worte „Der Baum bleibt do“ spricht. 

Ist die Jugend auf Achse, übernehmen die Eltern

Heute ist Elternwache. Eltern, Großeltern und andere Berger bewachen den Baum, weil die Burschen später die Höhenrainer besuchen wollen. Die haben heuer auch einen neuen Maibaum. In der kleinen Wachhütte hört die ältere Generation Oldies, ratscht und spielt Schafkopf. Der Abend ist lau, kein Wind, kein Wölkchen, und die Vögel zwitschern. Auf den Bierbänken um die Feuertonne sitzen Familien und Burschen gesellig beieinander. Dort vermischt sich der Qualm lodernder Küchenschränke mit dem der Zigaretten.

 Burschen stehen am Nagelbaum neben dem Feuer. Drei Mann hieven Bierkästen in die Hütte, der blaue Kühlwagen verschwimmt mit dem leuchtenden Abendhimmel. Die Burschen, die von der Arbeit zur Wache gekommen sind, gehen zum Duschen nach Hause. Als sich alle wieder an der Feuertonne treffen, wird spontan Handcreme verteilt – man will ja schließlich gepflegt wachen. Oberbursch Frederik Höbart bekommt noch Labello verpasst – schließlich muss man sich bei den „Mitbewerbern“ von der besten Seite zeigen. In einer Autokolonne machen sich dann etwa 25 Burschen und Madln auf den Weg.


Auch 20 Jahre später unvergessen


 „Die Höhenrainer haben vor bestimmt 20 Jahren unseren Baum geklaut“, erinnert sich Frederik Höbart auf der Fahrt. „Den haben sie aber einfach angehängt und hinter dem Traktor hergeschleift. Danach war der Baum hin.“ Niemand der Berger Burschen war damals dabei, unterschwellig beeinflusst die Geschichte aber trotzdem die Beziehung der beiden Vereine. Nach dem Einmarsch in Höhenrain inspizieren die Berger als erstes deren Baum.

Sie wandern mit den Händen daran entlang, legen sich mit dem Bauch darauf und beugen sich vorn über. Der Baum ist eingebaut, taktisch anspruchsvoll zu stehlen. Aber mit einem Helikopter könnte es gehen, überlegen sie. Am Ende bleibt es doch nur bei Bier und Beisammensein. Später am Abend geht’s zurück nach Berg. Denn irgendwann müssen die Eltern von der Wache abgelöst werden.

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