Die Unternehmensberater Sibylle und Uwe Schirrmacher mit einem ihrer digitalen Brettspiele.
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Haben die Krise zur Chance gemacht: die Unternehmensberater Sibylle und Uwe Schirrmacher mit einem ihrer digitalen Brettspiele.

Wirtschaftspreis-Finalist

Menschenführung per 3D-Simulation lernen: Unternehmensberatung Schirrmacher aus Berg weiß Corona-Zeit zu nutzen

  • Katja Brenner
    vonKatja Brenner
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Berg – Bei Uwe Schirrmacher dreht sich alles um Kommunikation. Bei ihm lernen Menschen, mit Menschen nicht nur zu reden, sondern sich sinnvoll und zielführend auszutauschen. Er und seine Kollegen besuchen Firmen und arbeiten mit Führungskräften daran, was sie etwa bei Mitarbeitergesprächen beachten müssen. Eisberg-Modell, Kommunikationsquadrat, Teamentwicklung: Als klassisches Seminarunternehmen ist Schirrmacher auf die psychologische Seite des täglichen Umgangs spezialisiert – bis vor Kurzem gab es die Dienste des Berger Unternehmens ausschließlich als Präsenzveranstaltungen.

Schirrmacher im April: Kein Umsatz und Überlegungen aufzuhören

Das wurde ihm jedoch zum Verhängnis. Im April verbuchte die Schirrmacher Group null Umsatz, Gründer und Geschäftsführer Schirrmacher spielte sogar mit dem Gedanken, ganz aufzuhören. Nun steht die Unternehmensberatung im Finale des Wirtschaftspreises.

Da Schirrmacher nicht wusste, ob und wann seine Trainings überhaupt wieder möglich sein werden, musste sich die Unternehmensberatung mit vier festen Mitarbeitern und zwei Aushilfskräften umorientieren. „Wir haben uns komplett neu aufgestellt“, sagt Schirrmacher. 1996 machte sich der heute 56-Jährige selbstständig. Davor lange Personalleiter bei einem großen Unternehmen, hatte er eine Nische entdeckt: Verhaltensplanspiele, bei denen Vorgesetzte nicht weniger lernen sollten als Menschenführung und Teamverantwortung.

Unternehmensberatung nutzt Planspiele

Seine Planspiele, die er nach eigener Aussage gemeinsam mit einem Freund, dem Psychologen und Kommunikationswissenschaftler Friedemann Schulz von Thun, entwickelt hat, sind Brettspiele mit Ereigniskarten, durch die planbare und nicht planbare Ereignisse eintreten können. Das heißt, dass die fiktiven Mitarbeiter in der Simulation krank werden können, zwischendurch auf Schulungen sind oder Urlaub haben. Situationen, bei denen sich manchmal mehr Arbeit auf weniger Köpfe verteilt. „Eben alles, was wir im Alltag so erleben“, erklärt Schirrmacher. Konzerne wie BMW oder die Deutsche Bahn nutzen seine Dienste.

Statt die Berger Unternehmensberatung hinwegzufegen, gab Corona ihr letztlich neuen Schub: „Wir haben jetzt mehrere Themen digitalisiert“, sagt Schirrmacher. „Damit haben wir uns ein Alleinstellungsmerkmal erarbeitet.“ Denn viele der Brettplanspiele gibt es nun als 3D-Simulation, die vor zwei Jahren erstmals in Angriff genommene App der Schirrmacher Group, deren Nutzer Führungsfragen spielerisch durcharbeiten können, wurde fertiggestellt.

Aus Not mach Tugend: von Präsenzveranstaltungen ins Digitale

Als drittes Standbein haben Schirrmacher und seine Frau Sibylle, die aus der Medienbranche kommt und in der Firma den Bereich Planspielentwicklung leitet, vor zwei Monaten eine digitale Plattform für Lernfilme aus der Taufe gehoben. Die Schirrmachers haben aus der Not eine Tugend gemacht und ihren Schwerpunkt verlagert: von Präsenzveranstaltungen ins Digitale.

Wohin es für das Unternehmen künftig gehen soll? „In Richtung reine Digitalisierung“, sagt Chef Schirrmacher. Die setzt er auch in den eigenen vier Wänden um. Denn beim Wirtschaftspreis geht es nicht nur darum, Wege zu finden, um gestärkt aus der Krise herauszukommen, sondern auch um nachhaltige Entwicklung. Daher haben bei Schirrmacher alle die Wahl, ob sie im Büro oder im Homeoffice arbeiten wollen. „Wir überlassen das unseren Mitarbeitern“, sagt der Chef. Er baut auf Vertrauen statt Kontrolle. „Wir treffen uns in der Regel kaum noch hier. Das funktioniert wunderbar.“

Schirrmacher sieht sich gut aufgestellt für Wirtschaftspreis-Finale

In Schirrmachers Augen ein weiterer klarer Pluspunkt: Reisekosten quer durch die Republik von rund 40 000 Euro jährlich fallen mit den gestrichenen Veranstaltungen vor Ort weg, was nicht nur die Finanzen der Firma, sondern auch die Gesundheit von Mitarbeitern und die Umwelt schont. Für das Finale des Wirtschaftspreises sieht Schirrmacher sein Unternehmen daher gut aufgestellt. „Jetzt müssen wir nur noch gewinnen.“

kb

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