Vier Personen sitzen bei Sonnenuntergang am Seeabstieg in Berg
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Ein neuer Lieblingsplatz zum Start der Amtszeit: Eine der ersten Amtshandlungen des neuen Berger Bürgermeisters Rupert Steigenberger war die Einweihung des Seeabstiegs in Berg, den er zumindest als Gemeinderat mit auf den Weg gebracht hat. Der Platz zum Sitzen und Genießen wird von den Bergern gut angenommen.

100 Tage neuer Bürgermeister in Berg

Bestnote für Steigenberger

  • vonSandra Sedlmaier
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Wäre die Bewertung eines neuen Bürgermeisters nach 100 Tagen mit Noten möglich, würde Rupert Steigenberger aus Berg eine glatte Eins bekommen. Das legen die Bewertungen von Gemeinderatsvertretern jedenfalls nahe. Alle loben vor allem die offene Diskussionskultur.

Berg – Die ersten 100 Tage hielten einiges parat für den neuen Berger Bürgermeister. Rupert Steigenberger (BG) erlebte ein Hochwasser, eine zutiefst demokratisch und anständig geführte Grundsatzdiskussion im Gemeinderat, bei der er mit seiner Meinung nicht durchkam, die Einweihung des Seeabstiegs und damit eines neuen Lieblingsplatzes für die Berger – und wie schwierig es sein kann, wenn man zwischen zwei Bürgern schlichten soll. Obendrauf die ganze Corona-Problematik.

„Corona ist nicht nur schwierig, weil wir nicht wissen, wie es sich finanziell für uns auswirken wird“, sagt Steigenberger. „Die ganze Gesellschaft leidet unter der Pandemie – es gibt keine Feste, kein Ferienprogramm für Kinder, nicht mal die Beerdigungen verlaufen wie früher.“ Alle schmorten im eigenen Saft. „Und dazu werden wir überschwemmt von Leuten, die auch an den See wollen.“ Die vielen informellen Gespräche, die am Rande großer Veranstaltungen stattfänden, wo ein Bürgermeister seine Bürger treffen könne, gebe es aktuell auch nicht.

Rupert Steigenberger ist seit 100 Tagen Bürgermeister von Berg.

Viel Zeit bleibt dem neuen Rathauschef trotzdem nicht übrig. Als vergangene Woche pausenlos der Regen fiel und die Bäche anschwollen, wurde Steigenberger nervös. „Das war bis jetzt mein härtester Tag“, gibt er zu. „Ich war damit beschäftigt, alle Hochwasserschutzmaßnahmen vor Ort anzusehen.“ Alles: Das ist der Staudamm für den Lüßbach im Wald bei Höhenrain und der weitere Verlauf des Bachs bis nach Percha. Bei starken Regenfällen funktioniert das System nicht recht, weil das Wasser von den benachbarten Feldern einfach in den Bach fließt. „Genau das ist die Schwachstelle des Damms – bei 140 Liter pro Quadratmeter nutzt er nicht mehr viel.“

Aber: Es ist alles gut gegangen. „Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen“, findet der Bürgermeister.

Die anderen Projekte seien von seinem Vorgänger oder ihm selbst auf den Weg gebracht: der Rathausneubau, eine Großtagespflege für zehn Krippenkinder, das MTV-Sportfunktionsgebäude und die Wohnungen des Verbands Wohnen. „Jetzt startet das Projekt Mörlbach.“ Der Ort wird an die Kläranlage angeschlossen. Eine Versammlung für die Mörlbacher ist für September geplant. Beim Radweg nach Münsing setzt Steigenberger zusammen mit seinem Münsinger Kollegen auf das Gespräch mit den Grundstückseigentümern. „Wir werden Lösungen finden, weil wir dranbleiben werden“, ist er überzeugt.

Das hat sich in den ersten 100 Tagen herausgestellt: Steigenberger ist hartnäckig, ohne dabei lästig zu werden, er ist besonnen, ohne es an Begeisterungsfähigkeit mangeln zu lassen, er ist uneitel, hat aber eine deutliche Meinung zu den Dingen. Etwa zur Nachhaltigkeitszertifizierung für den Rathausneubau. Die hätte er gerne gehabt, aber nach der fundierten, sachlichen und langen Diskussion im Gemeinderat kann er mit dem mehrheitlichen Nein des Gremiums ebenso leben wie die anderen Unterlegenen.

Stefan Monn (EUW) ist zufrieden mit der Arbeit des Rathauschefs. 

„Es wird im Gemeinderat fair diskutiert, ohne dass jemand angegriffen wird“, lautet das Urteil von EUW-Fraktionschef Stefan Monn über die Kultur im Gemeinderat. „Wir sind sehr zufrieden – wie es im Gemeinderat läuft und auch mit dem Bürgermeister.“

Elke Link (QUH) findet bisher keine Kritikpunkte.  

Auch die QUH findet kein Haar in der Suppe. „Im Moment gibt es nichts zu beanstanden“, sagt Dritte Bürgermeisterin Elke Link und ist selbst etwas überrascht davon. Dass es so gut läuft, ist für sie auch auf den Gemeinderat zurückzuführen, der seinem Wunsch nach Offenheit und Transparenz Ausdruck verleiht. „Der neue Gemeinderat ist kritischer, es werden viel öfter Beschlussvorschläge hinterfragt und mehr Informationen gefordert“, hat sie festgestellt. „Dem kommt der neue Bürgermeister nach.“

Andreas Hlavaty (CSU) freut sich über fraktionsübergreifende Kontakte. 

CSU-Fraktionschef Andreas Hlavaty ist ebenfalls zufrieden mit Steigenberger. „Ich bin sehr angetan davon, wie es läuft“, sagt er. „Alle sind willens, konstruktiv und sachlich zusammenzuarbeiten.“ Der neue Bürgermeister gebe den Neulingen Zeit, sich einzuarbeiten. „Dafür dauern die Sitzungen etwas länger.“ Auch zwischen den Fraktionen tue sich etwas, berichtet Hlavaty. So habe sich die CSU schon mehrfach mit den Grünen getroffen.

Verena Machnik (Grüne) lobt Steigenbergers Aufgeschlossenheit.

Das freut die Grünen, die mit dem Anspruch angetreten sind, die besten Lösungen für Berg unabhängig vom Parteibuch zu finden. Gespräche der Grünen gab es auch schon mit der QUH und der EUW. „Und nach den Ferien hoffentlich mit der Bürgergemeinschaft und der SPD“, sagt Verena Machnik. Sie und ihre beiden Ratskollegen freuen sich, dass sie den Ausschuss für nachhaltige Gemeindeentwicklung installieren konnten. „Wir sind auf einem guten Weg, weil die Gesprächskultur gut ist“, findet sie. Bei der Beurteilung von Steigenbergers Leistung der ersten 100 Tage ist sie zurückhaltend: „Vielleicht hätte man ohne Corona mehr Themen anpacken können.“ Grundsätzlich sei gut, dass Steigenberger Diskussionen ermögliche und ein offenes Ohr habe. „Wir hören von den erfahrenen Kollegen aber auch, dass wir neuen Gemeinderäte frischen Wind reinbringen.“

Die nächsten Projekte sind neben dem Trennkanalsystem für Mörlbach und dem Weiterführen des Rathaus-Neubaus die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. Steigenberger möchte das Thema auch auf der Klausurtagung ansprechen, die der Gemeinderat für Oktober plant. Dann soll auch über das Leitbild der Gemeinde geredet werden, eventuell soll es überarbeitet werden. „Der Klimawandel hat heute einen viel höheren Stellenwert als 2009, als wir das Leitbild verabschiedet haben“, sagt Steigenberger. Der Bürgermeisterjob macht ihm sehr viel Spaß, sagt er. Auch der Kontakt mit den Bürgern, der sich coronabedingt vor allem während der Bürgersprechstunde abspielt. Da kann es schon mal passieren, dass er zwischen die Fronten zweier Streitenden gerät. Das Wort des Bürgermeisters gelte dabei immer auch als amtliche Aussage, hat Steigenberger festgestellt.

Was den Rathauschef vor allem freut: dass die konstruktive Gesprächskultur im Gemeinderat fortgeführt wurde, wie er es im Wahlkampf immer gefordert hat. „Ich kann als Bürgermeister zwar Impulse setzen. Ansonsten aber setze ich nur die Beschlüsse des Gemeinderats um.“

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