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In Zaun gekracht

Nach Drift-Aktion auf Parkplatz am Huberfeld: Gericht klärt, wer am Steuer saß

Erst im Gerichtssaal erzählen zwei Freunde, was beim Driften auf einem Berger Parkplatz wirklich passiert ist. Am Ende wird der Angeklagte freigesprochen.

Berg – Ein 1. Mai mit Folgen: Beim Driften auf dem Berger Parkplatz am Huberfeld beschädigte der Fahrer eines VW Golf den Zaun am Sportgelände. Der Schaden beläuft sich auf 250 Euro. Vor dem Starnberger Jugendgericht stand jetzt zur Debatte, wer wirklich am Steuer saß, als das Auto in den Zaun rauschte. Angeklagt wegen Unfallflucht war ein 20-jähriger Auszubildender aus Tutzing. Im Gerichtssaal beteuerte der junge Mann jedoch seine Unschuld und gab an, er habe lediglich einen Freund decken wollen.

Für Polizei und Justiz erschien die Situation zunächst kryptisch. Am Tag nach der Allmannshauser Maifeier 2018 wurde der Golf zerbeult und mit eingeschlagenen Fenstern von Passanten der Polizei gemeldet. „Das Auto war ein Totalschaden. Halter ist der Angeklagte“, so eine Polizistin (30) im Zeugenstand. Die umgefahrene Zaunlatte am Berger Sportgelände sei dank festgestellter Lackspuren eindeutig dem Golf zuzuordnen gewesen.

Auf die Polizeidienststelle bestellt, hatte der angehende Kfz-Mechatroniker zunächst eingeräumt, dass er den Wagen gefahren habe. Dennoch kamen während der Vernehmung Zweifel auf. „Er meinte, er habe ohnehin schon Probleme mit dem Führerschein – er würde das auf sich nehmen“, sagte die Vernehmungsbeamtin vor Gericht aus.

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Für Klarheit sorgte schließlich die Zeugenaussage eines 21-jährigen Freundes des Angeklagten. Wie der junge Tutzinger absolviert auch der Feldafinger eine Ausbildung als Kfz-Mechatroniker und wollte sich in Sachen Führerschein seine Zukunft nicht verbauen. Im Gerichtssaal machte er endlich reinen Tisch: „Das war ich“, sagte er. „Ich habe den Zaun erwischt und Panik bekommen. Ich habe direkt nach dem Unfall den Angeklagten angerufen.“ Der gutmütige Angeklagte war bereit, seinen Spezl zu decken – denn der 21-jährige Feldafinger hat gar keinen Führerschein. Die Lüge war somit abgesprochen. Der Angeklagte war damals zwar im Besitz eines Führerscheins, sah aber wegen Drogendelikten ohnehin Probleme bei der Fahrerlaubnis auf sich zukommen und hielt deshalb seinen Kopf hin.

Mittlerweile ist der Tutzinger seinen Führerschein los und sieht einer medizinisch-psychologischen Untersuchung seiner Fahrtauglichkeit entgegen. Ende August 2018 musste er seinen Führerschein wegen Betäubungsmittelmissbrauchs und Geschwindigkeitsüberschreitung abgeben.

Aus Sicht von Staatsanwältin und Jugendrichter Ralf Jehle war die Sache somit aufgeklärt. Der Angeklagte verließ den Sitzungssaal mit einem glatten Freispruch. Der erleichterte Azubi bemerkte nach dem Urteil: „Ich will künftig erwachsener denken.“ Für seinen Spezl aus Feldafing wird es dagegen eng. Der 21-Jährige wird sich nicht nur wegen Fahrerflucht, sondern auch wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und falscher Verdächtigung verantworten müssen.  

nh

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