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Traumlage, aber illegal: Villa mit Blick auf Starnberger See droht Abriss - weil Neubesitzer Umbau startete

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Von: Sandra Sedlmaier

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Geplant war ein Anbau, jetzt muss alles weg: Eine Villa am Schroppenberg in idyllischer Lage oberhalb von Leoni hat durch Bauarbeiten an Dach und Statik ihren Bestandsschutz verloren. Das Verwaltungsgericht folgte in seinem Urteil der Einschätzung des Kreisbauamts. Der Bauherr kann in die nächste Instanz gehen.
Geplant war ein Anbau, jetzt ist gar nichts mehr genehmigt: Eine Villa am Schroppenberg in idyllischer Lage oberhalb von Leoni hat durch Bauarbeiten an Dach und Statik ihren Bestandsschutz verloren. Das Verwaltungsgericht folgte in seinem Urteil der Einschätzung des Kreisbauamts. Der Bauherr kann in die nächste Instanz gehen. © Dagmar Rutt

Für eine Villa oberhalb von Leoni gibt es keine Baugenehmigung. Wegen Arbeiten am Dach und an der Statik hat das Gebäude seinen Bestandsschutz verwirkt. Ihm droht der Abriss.

Leoni – Die Wohnlage am Schroppenberg oberhalb von Leoni ist wunderbar: Der See glitzert in der Nachmittagssonne, das Laub der alten Buchen raschelt im Wind, untermalt vom Gesang der Vögel. Auf dem Grundstück Am Schroppenberg 4, auf dem eine im Umbau begriffene, eingehauste Villa mit einer Grundfläche von rund 100 Quadratmetern und einem halben Anbau von 60 Quadratmetern steht, ist die Aussicht fabelhaft.

Doch das Gebäude darf dort nicht länger stehen – durch Arbeiten an Dach und Statik ist die Baugenehmigung erloschen. So hat das Landratsamt Starnberg die Situation beurteilt, und so sieht es auch das Verwaltungsgericht, das der Bauherr angerufen hat. Jetzt kann der Bauherr in die nächste Instanz gehen. Der Fall beschäftigt schon länger den Berger Gemeinderat – und ruft angesichts der Vernichtung von Millionen Euro durchaus Entsetzen bei den Ratsmitgliedern hervor.

Starnberger See: Bauherr entfernt Dach der Villa - Bestandsschutz damit aufgehoben

Zunächst lief alles problemlos. Der Bauherr beantragte einen Anbau an die Villa in Leonie, den er auch genehmigt bekam. Im Sommer vergangenen Jahres stellte sich heraus, dass das Dach im Zuge der Arbeiten entfernt wurde, ebenso Innenwände, und dass an der Bodenplatte gearbeitet wurde. Für das Bauamt Berg und das Kreisbauamt war die Sache klar: Dach weg, Statik beeinträchtigt – damit erlischt der Bestandsschutz. Das Kreisbauamt stellte die Arbeiten ein. Ein neuer Bauantrag für das gesamte Gebäude erhielt im Februar dieses Jahres ebenfalls einen Absage. Für Gemeinde und Landratsamt liegt die Straße Am Schroppenberg im Außenbereich.

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So sah es auch das Bayerische Verwaltungsgericht unter Vorsitz von Richterin Lafuente Cerdá, das Ende vergangener Woche vor Ort tagte. Das Gericht begutachtete ausführlich die benachbarten Häuser, informierte sich über deren Erschließung und stellte dann fest: „Wir sehen hier keinen Bebauungszusammenhang.“ In dieser Richtung hatte der Rechtsanwalt des Bauherrn, Dr. Mathias Schmid, argumentiert. Für ihn handelt es sich bei der Villenansiedlung um einen Ortsteil. Konsequenterweise wäre der Schroppenberg dann Innenbereich und die Villa könnte genehmigt werden.

Villa am Starnberger See liegt auf einem „Siedlungssplitter“

Das sah das Gericht anders: „Das ist kein Ortsteil, sondern ein Siedlungssplitter“, so die Vorsitzende. Auch das Argument des Anwalts, die Siedlung beeinträchtige die öffentlichen Belange nicht, wollte die Vorsitzende Richterin nicht gelten lassen. Schmid sagte: „Das wird keine Grünfläche mehr, wie sie an der Stelle im Flächennutzungsplan ausgewiesen ist.“ Die Vorsitzende Richterin hielt dagegen: „Das Haus hat kein Dach mehr, die Bodenplatte ist entfernt.“ Letzterem widersprach der Statiker des Bauherrn. Der Bauherr ergänzte, dass das Landratsamt auf einer einheitlichen Dachlandschaft bestanden habe und ein Flachdach für den Anbau abgelehnt habe. Nur deshalb habe man das Dach angefasst.

Auch das ließ die Richterin nicht gelten. „Es geht nicht um punktuelle Eingriffe, das ist das Risiko des Bauherrn“, sagte sie und nannte einen weiteren Nachteil in der Angelegenheit: Hätte nämlich der Bauherr in dem Haus bereits gewohnt, so griffe eine andere Vorschrift und er könnte trotz Außenbereichs das alte Haus wieder aufbauen. „Es handelt sich aber um einen Neuerwerb.“ Die Richterin unterstrich: „Sie müssen damit rechnen, dass wir der Klage nicht stattgeben werden. Sie müssen Ihr Glück in der nächsten Instanz suchen.“ Am Folgetag lag das Urteil vor: Das Gericht hat die Klage abgewiesen.

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