+
Ralf Maier am Pasteur des Obst- und Gartenbauvereins Aufkirchen: Der frischgepresste Saft wird aus dem weißen Fass in den Edelstahlbehälter links gepumpt, dort wird er erhitzt und und anschließend abgefüllt.

Obst- und Gartenbauverein Aufkirchen

Hektoliterweise reine Natur

  • schließen

In der vereinseigenen Obstpresse verarbeiten Ralf Maier und seine Helfer Äpfel, Birnen und Quitten aus der Umgebung. Wer will, kann seine Ernte beim Obst- und Gartenbauverein Aufkirchen vorbeibringen.

Aufhausen – Von einer schlechten Apfelernte merkt Ralf Maier nichts. Der Vizevorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins Aufkirchen steht an der Obstpresse am Berger Bauhof in Aufhausen und arbeitet. Zügig, aber ohne Hast. Seit Anfang September haben er und seine vier, fünf Helfer vom Verein rund 10 000 Liter Apfelsaft produziert. Das heißt, sie haben 20 000 Kilogramm Äpfel in die Saftpresse geschüttet, gewaschen, gepresst und pasteurisiert. Pro Stunde sind es rund 100 Liter.

Der Apfelsaft ist köstlich. Naturtrüb, fruchtig, herb und dickflüssig kommt er daher, ein wunderbares Naturprodukt. Sein Duft hängt über dem Bauhof und natürlich in der Garage, die der Obst- und Gartenbauverein nutzen kann. Maier ist mit dem Raum, der in der neuen Remise für den Verein geschaffen wurde, überglücklich. „Es ist viel Platz und alles ist neu. Der Boden hat einen Kunstharzbelag, das geht ganz leicht zu reinigen.“ Putzen ist nötig nach einem Tag Saft pressen. Ab und zu läuft der Pasteur über, der Trester – das Material, das nach dem Pressen übrig bleibt – geht auch mal daneben. Das zeigt sich an den braunen Flecken auf dem Boden. Der Boden ist auch leicht klebrig an diesem späten Dienstagabend. Kein Wunder, Maier steht bereits den ganzen Tag an der Saftpresse und am Pasteur. Letzterer macht den Saft haltbar, indem er ihn in einer drei Meter langen Edelstahlspirale auf mindestens 78 Grad erhitzt. Danach kommt der Saft in sterile Plastikbehälter mit einem Kugelventil, das beim Ablassen keine Luft hineinlässt. „Ungeöffnet hält sich der Saft über Jahre“, sagt Maier. „Geöffnet ein halbes Jahr, ohne Kühlung.“

Heuer ist die Ernte bescheiden. „Es gibt 50 Prozent weniger Äpfel als sonst“, sagt Maier. Das bestätigt auch Christiane Grötsch aus Machtlfing, die mit ihrem Mann Stephan eine Mostpresse betreibt. Wieso? „Es ist alles erfroren am 28. April. In der Nacht hat es minus acht bis minus zwölf Grad gehabt“, sagt Maier. Der Frost zerstörte viele Apfelblüten, und die Äpfel, die doch gewachsen sind, geben Zeugnis von der kalten Nacht. „Viele Äpfel haben einen braunen Frostring.“

Maier presst das Obst, das dem Verein gespendet wird, das aus den Schulgärten sowie das von Privatleuten, die sich beim Verein melden. Die Friedingers aus Harkirchen, Mitglieder bei den Gartlern, haben sechs Zentner Äpfel gebracht und holen sich jetzt 60 Liter gekochten Saft und 60 Liter rohen Saft ab, aus dem sie Most machen. Für den Most gibt ihnen Maier eine Gärhilfe mit, ein Pulver, das man in den Saft hineinrührt. Die Ernte war schlecht heuer, sagt auch Bernhard Friedinger. „Es gab keine Nüsse und keine Zwetschgen.“ Für seine Familie ist das schade, vor 100 Jahren wäre das für den Ernährungsplan seiner Familie ein schwerer Schlag gewesen. „Wenn mein Urgroßvater ins Holz zum Arbeiten gegangen ist, hatte er als Brotzeit einen Birndauch dabei“, erzählt Friedinger. „Eine Art Birnenkompott, in das er eine Rohrnudel getaucht hat. Wenig Brotzeit dafür, dass er den ganzen Tag ohne Maschinen schwere Arbeit verrichtet hat.“

Der Einsatz der Obstpresse garantiert auch gutes Futter für die Wildtiere. Der Trester, das Abfallprodukt beim Mosten, wird in 50-Liter-Fässer gefüllt, verschlossen und wird im Winter im Wald ausgebracht.

Die Obstpresse der Aufkirchner Gartler ist während der Monate September und Oktober dienstags und freitags geöffnet. Die Produktion eines Liters gekochten Safts kostet 80 Cent, roher Saft kostet 25 Cent. Dazu kommen die Kosten für den Beutel und den Karton, der das Ausgießen erleichtert. Der Verein spendiert seinen eigenen Saft den Kindergärten und der Schule. Und verkauft ihn: drei Liter für 4,50 Euro, zehn Liter für 13 Euro.

Quitten und Birnen werden in Aufhausen ebenso verarbeitet. Maier kocht in dem Raum am Bauhof Marmelade und Gelee ein. Ein Multitalent und ein Geschenk für den Gartenbauverein. Er führt Schnittkurse durch und kümmert sich um die Gärten an der Alten Schule und an der Oskar-Maria-Graf-Schule in Aufkirchen. Und demnächst um die Streuobstwiese, die der Verein beim Wertstoffhof in Farchach schaffen will (siehe Kasten).

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Ausstellung macht neugierig
Ohne Frage, die aktuelle Ausstellung des Vereins Heimatgeschichte Inning gehört mit zu den besten in einer Reihe vieler Veranstaltungen. Zur Vernissage waren am Freitag …
Ausstellung macht neugierig
Dicker Ast fällt auf 71-Jährige
Eine 71-jährige Germeringerin ist am Sonntag gegen 15.30 Uhr im Herrschinger Kurpark von einem herabfallenden Ast getroffen und verletzt worden.
Dicker Ast fällt auf 71-Jährige
Homejacking: Audi S7 gestohlen
Unbekannte sind in Weßling in ein Haus eingebrochen und haben dann einen Audi S7 gestohlen.
Homejacking: Audi S7 gestohlen
Französische Woche in Starnberg fällt heuer aus
Die Französische Woche auf dem Starnberger Kirchplatz fällt heuer aus. Das hat Organisator Ralf Mansour-Agather mitgeteilt.
Französische Woche in Starnberg fällt heuer aus

Kommentare