Probleme mit dem „sozialen Gefälle“

Berg-Phalsbourg: Zu Freunden zusammengerauft

Berg - Die Partnerschaft zwischen der Gemeinde Berg am Starnberger See und Phalsbourg in Lothringen ist eine mehr als wechselvolle Geschichte. 22 Jahre nach der Gründung haben sich die Kontakte gefestigt.

Die Freunde von Phalsbourg werden mehr und jünger. Mit einer über 40-köpfigen Delegation reisten die Berger am Wochenende nach Lothringen. Ihr Besuch war von großer Herzlichkeit auf beiden Seiten geprägt. Die Delegation vom Starnberger See war so groß wie nie zuvor. Und auch so jung wie nie zuvor: Unter anderem waren zwei Schülerinnen aus Kempfenhausen dabei, die die Busfahrt nutzten, um frühere Gastfamilien in Phalsbourg zu besuchen. Weil am Sonntag ein Feuerwehrfest auf dem Plan stand - die Phalsbourger Wehr feierte 200-Jähriges - waren Heinz Sewald, Karl Brunnhuber und Bertram Glöckner mit dem alten Allmannshauser Feuerwehrauto angereist und erregten damit jede Menge Aufsehen.

Dass es noch nochmal klappen würde mit der Freundschaft zu den bodenständigen Leuten aus Lothringen, war Rupert Monn ein Anliegen, als er 2000 zum Berger Bürgermeister gewählt wurde. Die Anfänge der Partnerschaft acht Jahre zuvor waren nicht so einfach gewesen. Die Franzosen hatten Probleme mit „dem sozialen Gefälle“, wie es der Chef des Phalsbourger Partnerschaftsverein, Richard Lauch, vor rund 15 Jahren ausdrückte.

Das hat sich völlig gegeben. Die Partner begegnen sich absolut auf Augenhöhe. Die Phalsbourger beherbergen die Berger liebevoll und akzeptieren auch, dass der begeisterte Genuss des elsässischen Schaumweins Crémant und des im Vergleich zum deutschen etwas stärkeren französischen Biers am folgenden Tag den Terminplan etwas durcheinanderwirbeln kann. Das kann halt passieren, wenn sich jüngere Leute für die Partnerschaft interessieren.

Elisabeth Janes aus Phalsbourg hatte zusammen mit Bergs Rathausmitarbeiterin Anita Stiefel ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt. Ein schmackhaftes Abendessen im Hotel Notre Dame war dabei, ein Ausflug in das malerische elsässische Städtchen Obernai mit einem Besuch des Mont St. Odile. Auf dem Berg ist ein Kloster, das der heiligen Odilie gewidmet ist. Sie überwand durch die Taufe ihre Blindheit und gilt seitdem als Schutzpatronin gegen Augenkrankheiten.

Das Fest der Musik, das frankreichweit am Samstagabend gefeiert wurde, fiel für die Berger mit dem Fußballspiel Deutschland gegen Ghana zusammen. Ein Teil schaute das Spiel in einer Kneipe am Place d’Armes, dem malerischen Hauptplatz, der zu einer Musikarena umgebaut worden war. Dort gab es erstmals seit langem wieder einen Kulturschock für die Berger: Eine Kneipe hatte die Fenster im ersten Stock zum Schautanzen hergerichtet. Mädchen räkelten sich mal im lila, mal im rosa Licht zur lauten Musik. „Die dean im Fenster tanzen, und zwar halbert bekleidet“, kommentierte eine Bergerin mit etwas Unverständnis dieses Gebaren. Die jüngeren Teilnehmer hatten ihren Spaß und feierten bis in die Morgenstunden.

Das Feuerwehrfest am Sonntag war eine Leistungsschau, wie sie die Berger von zu Hause kannten. Anders ist nur die Organisation der Wehr. In Phalsbourg sitzen drei Hauptamtliche mit dem großen Gerät. Bei einem Notfall rücken sie in eines der 26 umliegenden Dörfer aus und löschen mit Hilfe der dortigen Freiwilligen. Die 200-jährige Geschichte dokumentierten die Phalsbourger mit einer Fotoschau. Auch ein historisches Fahrzeug aus den 1920er Jahren war am Hauptplatz zu besichtigen. Das Allmannshauser Löschfahrzeug aus den 1960er Jahren daneben machte durchaus eine gute Figur.

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