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Wasserrettungskräfte im Einsatz nach einem Tauchunfall vor zwei Jahren. Der verunglückte Taucher verlor sein Leben.

Starnberger See

Polizei: Tauchregeln ausreichend

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Zwei tödliche Tauchunfälle, zwei weitere mit glimpflicherem Ausgang – 2018 forderte die Steilwand bei Allmannshausen wieder ihren Tribut. Die Polizei hält die Vorschriften fürs Tauchen im Starnberger See dennoch für ausreichend.

Allmannshausen/Starnberg – Vier Unfälle, zwei Tote, zwei Verletzte: Die Bilanz der Tauchunfälle des vergangenen Jahres ist bedrückend, aber kein Anlass für die Wasserschutzpolizei, nach einer Verschärfung der Allgemeinverfügung für das Tauchen im Starnberger See zu rufen. „Wir werden Tauchunfälle nie verhindern können“, sagt der Sachbearbeiter Einsatz der Polizeiinspektion Starnberg, Kai Motschmann. Die Vorschriften seitens des Landratsamtes seien ausreichend, das Risiko bei Tauchgängen an der Steilwand bei Allmannshausen – woanders wird am See kaum getaucht – sei bekannt.

Diese Einschätzung ist auch eine Folge der Ermittlungsergebnisse nach den Unfällen im Jahr 2018. Bei dem tödlichen Unfall am 13. Juli 2018 kommt nach aktuellem Stand ein Bedienungsfehler als Ursache in Frage. Ein Münchner (57) war mit einem Partner auf rund 60 Metern Tiefe, als Probleme auftraten. Während des Notaufstiegs kam es zu weiteren Problemen, der Münchner stieß seinen Tauchpartner weg – und verschwand in der Tiefe. Der Mann wurde zwei Tage später tot geborgen. Möglicherweise hatte es ein Problem mit dem Mischungsverhältnis der Gase gegeben, mit denen in diesen Tiefe getaucht wird.

Auch beim Unfall am 9. September half die Erfahrung nicht. Drei Taucher hatten sich nahe der Seeburg auf den Weg ins Wasser gemacht, als ein 67-Jähriger abrutschte und unterging – er hatte seine Ausrüstung noch nicht komplett angelegt und konnte deswegen den Atemregler nicht fassen. Der Mann ertrank; seine beiden Tauchpartner hatten sofort ihre Ausrüstung angelegt und die Suche begonnen. Sie fanden den 67-Jährigen in nur drei Metern Tiefe, konnten ihm aber nicht mehr helfen.

Unfall Nummer 3 endete glimpflich. Am 8. September unternahm ein Tauchlehrer (58) mit einer Schülerin (54) den ersten Tauchgang unweit der Seeburg. In etwa 30 Metern Tiefe geriet sie in Atemnot und leitete einen Notaufstieg ein. Der erfahrene Tauchlehrer stellte keine Lebenszeichen mehr fest, brachte die Frau an Land und begann mit der Wiederbelebung – mit Erfolg, die 54-Jährige kam wieder zu sich. Sie wurde, so der Bericht der Wasserschutzpolizei, mit einem Rettungshubschrauber nach Murnau geflogen, konnte das Krankenhaus nach wenigen Tagen ohne bleibende Schäden verlassen.

Vorfall Nummer 4 war ein Weltrekordversuch eines Apnoe-Tauchers, der ohne Geräte die Steilwand hinabschwamm, aber zuvor für diverse Sicherheitsvorkehrungen gesorgt hatte. Auf dem Rückweg reichte ihm die Luft nicht mehr, weil er offenbar wegen Problemen mit der Flosse mehr Zeit benötigt hatte als geplant – der 51-Jährige verlor in fünf Metern Tiefe das Bewusstsein, wurde von Rettungstauchern an Land gebracht und kam schnell wieder zu sich. Den Rekord holte er sich wenig später.

Die Statistik der Wasserschutzpolizei weist neben diesen vier Fällen vier Sportbootunfälle auf dem Starnberger See aus. In 92 Fällen ging es um schifffahrtsrechtliche Verstöße, etwa, wenn Motorbootfahrer den Mindestabstand zum Ufer nicht einhielten. 231 Kontrollen führten die Beamten auf dem See durch, zudem 94 Fischereikontrollen. Dabei gebe es fast nie Verstöße, erklärt Motschmann – 2018 war es einer. Voriges Jahr begleitete die Polizei 58 von 92 Veranstaltungen auf dem See. Fast alle Zahlen sind gestiegen, auch weil die Polizei im vergangenen Supersommer öfter Streife fuhr. Von Vorteil sei auch das Leihboot gewesen, als die große WSP-1 in der Werft war. Das kleinere Boot ist schwer zu erkennen, was bei Kontrollen hilfreich ist. Die Buster X hat sich so sehr bewährt, dass sie als neues Boot WSP-2 auf dem Starnberger See in den Dauereinsatz geht.

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