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Auch ein Maybach Zeppelin DS 8 - ähnlich diesem Modell - gehört zur Sammlung.

Mehr Platz für Oldtimer-Sammlung?

Private Tiefgarage: Doppelt so groß wie ein Lidl-Markt

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Kempfenhausen - Der Gemeinderat von Berg hat sich erneut mit dem Wunsch eines Bürgers beschäftigt, eine Tiefgarage für seine Oldtimer-Sammlung zu bauen.

Der Kempfenhauser Bürger besitzt mehr als 30 teils einmalige Schätze der Automobilgeschichte. Darunter ein Napier T21 aus dem Jahr 1907, ein Maybach Zeppelin von 1939, ein Rolls Royce Phantom II (1931) und ein Horch 951A (1938). Jetzt möchte er dieser bemerkenswerten Oldtimer-Sammlung einen passenden Rahmen geben. Dafür hatte er vergangenes Jahr eine rund 1100 Quadratmeter große Tiefgarage für sein 6000-Quadratmeter-Grundstück beantragt. Sie wurde genehmigt (wir berichteten), weil es für das Areal eine gültige Baugenehmigung für ein Haus gibt – das mit Tiefgarage ergänzt werden könnte.

Nun überraschte der Automobil-Liebhaber den Berger Gemeinderat mit einem neuen Bauantrag: für eine Tiefgarage mit rund 1660 Quadratmeter Fläche auf zwei Geschossen. Also insgesamt 3200 Quadratmeter im Untergrund, wo der Sammler seine Autos abstellen will. Das Berger Bauamt wählte einen eindrucksvollen Vergleich: „1660 Quadratmeter – das entspricht in etwa der Größe der Lidl-Markthalle in Starnberg“, heißt es in der Beschlussvorlage für den Gemeinderat.

Der Bauwerber will die rund 34 mal 50 Meter große Garage ab einer Tiefe von 60 Zentimeter bauen. Darüber sei eine begrünte Humusschicht geplant, damit sei die Fläche nicht versiegelt, schreibt der Bauwerber an die Gemeinderäte. In dem Brief wirbt er für sein Vorhaben und erklärt seinen Wunsch nach Erweiterung: Eine Vergrößerung der Sammlung sei sonst nicht möglich. Es gebe mit dem neuen Antrag sogar weniger oberirdische Baukörper: lediglich die Garagenzufahrt, Lichtkuppeln und Glasdachteile.

Der Gemeinderat war skeptisch und lehnte das Vorhaben bei fünf Gegenstimmen ab. Das Bauamt zweifelte, dass es sich um eine Garage für den Eigengebrauch handelt. „Die Ausstattung der Tiefgarage mit einem Herren- und Damen-WC und einem Loungebereich und offenem, galerieartigem Treppenabgang deutet darauf hin, dass hier Ausstellungen geplant sind.“ Diese Nutzung sei in einem reinen Wohngebiet nicht zulässig.

Franz Gastl-Pischetsrieder (CSU) bezweifelte, dass eine Tiefgarage dieser Größe keinen Einfluss auf die Grundwasserströme habe. Das hatte das Landratsamt laut Bauamt mitgeteilt. „Wo soll das Wasser denn hin?“, fragte Gastl-Pischetsrieder. „Das läuft hangabwärts und wir haben dann Probleme mit dem Tagwasserkanal.“

Wolfgang Reiser (BG) sah es pragmatisch: „Wenn einer sein Geld im Untergrund versenken will, habe ich kein Problem damit. Die öffentliche Nutzung unterstellen wir.“ Tatsächlich schreibt der Bauwerber, dass er seine Autos – ähnlich wie eine Kunstsammlung – für private Zwecke zeigen und nutzen wolle. „Ein Maybach Zeppelin und ein Phantom von Rolls Royce – da dürften nicht Hinz und Kunz kommen, um die zu kaufen“, sagte Dr. Peter Haslbeck (CSU) und gab zu bedenken: „Das macht nicht jeder nach, da muss man keine Angst haben.“

Der Bauwerber bietet an, die private Nutzung ins Grundbuch eintragen zu lassen. Er lädt die Mitglieder des Rats ein, sich die Autos anzusehen. „Letztlich ist meine Oldtimer-Sammlung auch ein kultur- und technikhistorischer Beitrag, im Sinne der Erhaltung von zum Teil einmaligen Automobilen und Dokumentation derer Zeitgeschichte.“ Überzeugen konnte er damit nur Haslbeck, Reiser, Harald Kalinke (QUH), Ludwig Haseneder (EUW) und Robert Wammetsberger (CSU). Das letzte Wort hat das Landratsamt. 

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