+
Symbolbild

Windräder

Lauschen nach dem Ruf der Fledermaus

  • schließen

Berg - Der Wind weht, die Windräder leiden an Kinderkrankheiten, und bald kommen die Fledermäuse. Bilanz nach gut drei Monaten Windenergiegewinnung in den Wadlhauser Gräben.

Der Wald wird, so gut es geht, in seinen alten Zustand versetzt, es wird wärmer, die Inseken fangen an zu schwärmen und damit auch die Fledermäuse in den Wadlhauser Gräben, wo die Gemeinde Berg vier Windräder errichtet hat. Ganz sicher wird die Zwergfledermaus darunter sein, bestimmt auch die Breitflügelfledermaus und das Mausohr.

Diese drei Arten waren zumindest die am häufigsten nachgewiesenen in der faunistischen Sonderuntersuchung im Vorfeld des Baus der Anlagen. Der Geschäftsführer der Bürgerwind Berg GmbH & Co. KG, Robert Sing, zählt weitere Arten auf: „Der kleine Abendflieger, der große Abendflieger, das kleine Hufeisenohr.“ Jede Woche fahren zwei Mitarbeiter in zwei der vier Windrädern nach oben, um eine SD-Karte einzusammeln. Auf ihr werden Fledermaustöne gespeichert, so Sing. „Wir schicken die Karten an einen Biologen. Der wertet mit Hilfe eines Computerprogramms des Landesamts für Umweltschutz aus, von welchen Fledermausarten die Töne stammen.“ Noch ist alles ruhig, doch Sing rechnet bald mit Fledermausgeräuschen – und wenn eine relevante Art zu hören ist, dann müssen die Windräder nachts abgeschaltet werden, zum Schutz der Fledermäuse. „Wir haben noch keine Fledermauspiepser, weil es noch nicht warm genug ist“, sagt der Bürgerwind-Geschäftsführer. „Die Insekten fliegen noch nicht so hoch.“ Wenn eine geschützte Fledermausart zu hören sei, werde nachts abgeschaltet. „Es muss mehr als 8 Grad haben, nicht regnen und weniger als 6 Meter pro Sekunde Wind haben – sonst fliegen die Insekten nicht.“ Wirtschaftlich seien die Fledermausabschaltungen eingerechnet, versichert Sing. „Wir haben einen Abschlag von zwei Prozent berücksichtigt.“

Die ersten drei Monate Windenergiegewinnung in Berg bewertet Sing durchaus als positiv. Es läuft nicht immer alles wie geplant, aber er ist zufrieden. Gerade sind die 300-Stunden-Wartungen an allen Anlagen abgeschlossen.

Garantie für Kinderkrankheiten

Dafür waren die Anlagen abgeschaltet, weil bei laufendem Betrieb keine Überprüfung stattfinden kann. Die Enercon-Anlagen leiden laut Sing auch an „Kinderkrankheiten“, die die Baufirma behebt. Das ergebe zwar eine Delle in der Stromproduktion, nicht aber in der Rechnung: „Wir haben einen Vollwartungsvertrag mit Enercon, der 95 Prozent Verfügbarkeit der Anlagen vorsieht.“ Das heißt: Enercon kommt für die Ausfälle finanziell auf.

Als die Rede auf den Windertrag kommt, wird Sing fast euphorisch: „Von der Windgüte her schaut es richtig gut aus. Er entspricht unseren Erwartungen.“

Die Rückbauarbeiten im Wald der Wadlhauser Gräben seien auch auf einem guten Weg, sagt Sing. Das heißt: Die Wege werden wieder schmaler, die Kurvenradien kleiner und, wo es geht, die ehemalige Baustellenfläche wieder mit Erde bedeckt. „Im Herbst pflanzen wir Bäume, das ist alles mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt“, sagt Sing. „Dann ist alles fein.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Geld für den Kreisel in Aussicht
Ein Kreisverkehr an der Lindemannstraße in Tutzing im Zuge der Umbauarbeiten der Hauptstraße scheitert offenbar nicht am Geld. Allerdings ist der Gemeinderat noch …
Geld für den Kreisel in Aussicht
160 Kinder auf der Warteliste
Weil Gilching so stark wächst, fehlen schon wieder Betreuungsplätze. Die Gemeinde sucht ein Grundstück.
160 Kinder auf der Warteliste
Verdienstorden für Josef Auer
Feuerwehrmann Josef Auer wurde für sein außergewöhnliches Engagement bei der Freiwilligen Feuerwehr ausgezeichnet.
Verdienstorden für Josef Auer
Schutzstreifen noch chancenlos
Je besser die Bedingungen für Radfahrer, desto mehr lassen das Auto stehen – diese Hoffnung treibt auch in Starnberg viele Projekte für Alltagsradrouten voran. 
Schutzstreifen noch chancenlos

Kommentare