Windräder in den Wadlhauser Gräben werden bald die Gerichte beschäftigen. Foto: dpa

Nachbarn klagen gegen Bergs Windräder

Berg - Mit drei Gegenstimmen hat sich die Gemeinde Schäftlarn dazu entschieden, gegen die immissionsschutzrechtliche Genehmigung des Landratsamtes Starnberg zur Errichtung von vier Windrädern in den Wadlhauser Gräben zu klagen.

Die Zeit drängt: Ende Juli hat das Landratsamt Starnberg dem von der Gemeinde Berg geplanten Bau von vier Windkraftanlagen in den Wadlhauser Gräben zugestimmt. Die immissionsschutzrechtliche Genehmigung schließt die baurechtliche mit ein, obwohl sich der Bebauungsplan für dieses Gebiet noch in der Aufstellung befindet. Der Bescheid kann innerhalb eines Monats durch eine Klage angefochten werden - Grund genug für den Schäftlarner Gemeinderat, eine außerordentliche Sitzung einzuberufen.

Der Streit um die Errichtung der Windkraftanlagen zieht sich mittlerweile über drei Jahre hin. Ursprünglich hatte der Gemeinderat Berg einen Flächennutzungsplan aufgestellt, um zu verhindern, dass einer ihrer Bürger ein weiteres Windrad errichtet. Nun möchten die Berger selbst in dem 300 Hektar umfassenden Gebiet der Wadlhauser Gräben, das als Vorranggebiet gilt, vier Anlagen aufstellen - sehr zum Ärger der Nachbargemeinde Schäftlarn, die sich bei den Planungen übergangen fühlt.

Die Windräder stehen laut Schäftlarns Bürgermeister Dr. Matthias Ruhdorfer (CSU) viel zu nahe am Ortsteil Neufahrn. „Obwohl wir immer wieder darauf hingewiesen haben, wurden die Räder nicht um einen Millimeter verrutscht. Das interkommunale Abstimmungsgebot ist mehr als verletzt worden.“ Zudem ist weder die Frage der Erschließung noch der Wirtschaftlichkeit geklärt. Auch die Ergebnisse der verschiedenen Gutachten zu den Themen Schattenwurf oder Lärmbelästigung sowie Naturschutz werden von den Schäftlarnern angezweifelt. Zudem sehen sie sich in ihrer eigenen Planungshoheit beeinträchtigt.

Es steht auch noch nicht fest, welcher Windradtyp gebaut werden soll. Auf Nachfrage bei Pia Zordick, Planerin in dem von der Gemeinde Berg beauftragten Ingenieurbüro Robert Sing aus Landsberg, hat man im Antrag den Typ Enercon E-115 mit einem Rotordurchmesser von 115 Meter und Nabenhöhe von 149 Metern angegeben. Diese gilt als Schwachwindanlage für Gebiete mit Windgeschwindigkeiten unter 7,5 Meter pro Sekunde. Der Prototyp wurde im Dezember 2013 in Norddeutschland aufgestellt, Mitte 2014 wollte der Hersteller aus Aurich damit in Serie gehen. „Wir sind doch kein Versuchsgebiet“, kommentierte Ruhdorfer diese Nachricht.

Susanne Dichtl (CSU) appellierte an das Gremium, bei der Entscheidung „Klage ja oder nein“ Einstimmigkeit zu zeigen. „Wir sollten hier zusammenstehen.“ Christian Lankes (Grüne) hatte kurz vorher offen angekündigt, seine Zustimmung zu verweigern - was ihm umgehend empörte Zurufe von einem Teil der rund 20 Zuhörer einbrachte. „Der Rückbau ist finanziell gesichert, die Gutachten beigebracht. Jetzt dagegen zu klagen, richtet sich auch gegen die Energiewende.“ Christian Fürst (CSU) konterte: „Energiewende ja, aber nicht auf Kosten der Nachbarn. Man kann uns nicht einfach so eine weitreichende Entscheidung vor die Türe knallen.“

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